Wann sollten retinierte Weisheitszähne gezogen werden?

Retinierte (im Kiefer verborgene) Weisheitszähne sollten ohne Zeitverlust gezogen werden, wenn sie nicht genug Platz im Kieferknochen finden und dadurch Schmerzen, Infektionen oder Karies an den Nachbarzähnen verursachen. Während gesund durchgebrochene Zähne, die das umliegende Gewebe nicht schädigen, meist im Mund verbleiben können, deuten starke Weisheitszahnschmerzen und wiederkehrende Schwellungen am Zahnfleisch auf die Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs hin. Wenn Sie solche Beschwerden haben, kann eine Untersuchung durch unsere Fachärzte verhindern, dass sich später Zysten bilden oder dauerhafte Kieferschäden entstehen.
Auf einen Blick
- Weisheitszähne brechen in der Regel zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr durch.
- Platzmangel im Kiefer führt oft dazu, dass der Zahn unter dem Knochen oder Zahnfleisch verborgen (retiniert) bleibt.
- Zu den häufigsten Symptomen gehören Schmerzen im Kieferwinkel, in die Ohren ausstrahlendes Ziehen und Mundgeruch.
- Für die Diagnose wird meist ein Panoramaröntgenbild oder eine 3D-Volumentomographie (DVT/CBCT) verwendet.
- Die Extraktion kann unter örtlicher Betäubung erfolgen; für mehr Patientenkomfort ist auch eine Vollnarkose möglich.
- Der Heilungsprozess dauert je nach Umfang des chirurgischen Eingriffs meist 3 bis 7 Tage.
Was ist ein retinierter Weisheitszahn?
Die Zähne, die im Gebiss eines Erwachsenen als Letztes durchbrechen, sind die dritten Backenzähne, im Volksmund als Weisheitszähne bekannt. Die meisten Menschen besitzen insgesamt vier davon, jeweils ganz hinten im Ober- und Unterkiefer. Sie versuchen meist zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr in die Mundhöhle durchzubrechen. Da der menschliche Kiefer jedoch aufgrund veränderter Ernährungsgewohnheiten dazu neigt, kleiner zu werden, finden diese Zähne oft nicht genug Platz.
Zähne, die nicht ausreichend Platz finden, bleiben im Kieferknochen oder unter dem Zahnfleisch stecken – sie sind dann vollständig oder teilweise retiniert. Während vollständig retinierte Zähne von außen gar nicht sichtbar sind, durchbricht bei teilretinierten Zähnen nur ein kleiner Teil das Zahnfleisch und ragt in die Mundhöhle. Die Zahnfleischkapuze rund um diese teilweise durchgebrochenen Zähne bildet einen idealen Nährboden für Speisereste und die Vermehrung von Bakterien.
Diese Situation begünstigt Karies am Zahn selbst oder die Entstehung von Infektionen im umliegenden Gewebe. Manchmal können retinierte Zähne jahrelang im Kieferknochen verbleiben, ohne jegliche Beschwerden zu verursachen. Oft üben sie jedoch Druck auf die benachbarten Zähne aus, verursachen strukturelle Probleme und müssen chirurgisch entfernt werden.
Ursachen und Risikofaktoren für retinierte Weisheitszähne
Der Hauptgrund dafür, dass Weisheitszähne im Kiefer verbleiben, ist der fehlende Platz. Genetische Faktoren sind hierbei der wichtigste Bestimmungsfaktor für das Missverhältnis zwischen Kiefergröße und Zahngröße. Wenn bereits bei den Eltern retinierte Zähne aufgetreten sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Kinder ein ähnliches Bild aufweisen.
Darüber hinaus kann ein frühzeitiger Verlust von Milchzähnen im Kindesalter oder ein Durchbruch der bleibenden Zähne in einem abweichenden Winkel den Weg für die Weisheitszähne versperren. Bei Personen mit einem schmalen Kiefer verschieben sich die hinteren Zähne oft nach vorne und verengen so den Raum für den Weisheitszahn. Gewohnheiten wie Mundatmung oder Daumenlutschen, die die Kieferentwicklung im Kindesalter negativ beeinflussen, zählen ebenfalls zu den Risikofaktoren für einen späteren Platzmangel im Kiefer.
Auch veränderte Ernährungsgewohnheiten, insbesondere der Verzehr von weicherer Kost, tragen dazu bei, dass sich die Kiefermuskulatur und -knochen nicht ausreichend entwickeln. Bei Kiefern, die nicht genügend Kaukraft aufbringen müssen, bleibt die Entwicklung unvollständig. Die als Letztes durchbrechenden Zähne finden dann keinen Platz mehr und sind dazu verdammt, im Kiefer verborgen zu bleiben.
Was sind die Symptome eines retinierten Weisheitszahns?
Vollständig oder teilweise retinierte Zähne verursachen nicht immer sofort Symptome. Wenn der Zahn jedoch versucht durchzubrechen oder sich eine Infektion in seiner Umgebung entwickelt, treten typische Beschwerden auf. Die Schwere der Symptome hängt von der Position des Zahns und dem Druck ab, den er auf das umliegende Gewebe ausübt. Besonders bei teilretinierten Zähnen tritt häufig eine Zahnfleischentzündung auf, die sogenannte Perikoronitis.
Die häufigsten Symptome sind:
- Pochender Schmerz im Kieferwinkel, der in Ohr und Hals ausstrahlt.
- Rötung, Schwellung und Druckempfindlichkeit des Zahnfleisches in der betroffenen Region.
- Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes und starke Schmerzen beim Kauen.
- Hartnäckiger Mundgeruch trotz Zähneputzen und ein unangenehmer Geschmack im Mund.
- Schwellung der Lymphknoten unter dem Kiefer und Schmerzen bei Berührung.
Speisereste, die sich um teilretinierte Zähne ansammeln, können auch zu Karies am gesunden Nachbarzahn führen. Manchmal werden diese Schmerzen noch viel intensiver wahrgenommen, wenn sie mit Zuständen einhergehen, die das Kiefergelenk belasten, wie zum Beispiel nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus). Wenn diese Symptome beginnen, ist dies ein klares Zeichen dafür, dass der Zahn beginnt, das umliegende Gewebe zu schädigen.
Wie wird die Diagnose im Krankenhaus gestellt?
Wenn Sie mit Weisheitszahnbeschwerden ins Krankenhaus kommen, führt Ihr Arzt zunächst eine detaillierte Untersuchung der Mundhöhle durch. Dabei wird auf Schwellungen und Rötungen des Zahnfleisches, mögliche Karies am Nachbarzahn und die Weite der Mundöffnung geachtet. Um jedoch die genaue Position des retinierten Zahns, seine Wurzelstruktur und seine Beziehung zu den umliegenden anatomischen Strukturen zu erkennen, ist eine radiologische Bildgebung unerlässlich.
Die am häufigsten verwendete Methode ist das Panoramaröntgenbild. Es zeigt den gesamten Ober- und Unterkiefer, alle Zähne und die Kiefergelenke auf einer einzigen Aufnahme. So lassen sich der Winkel des retinierten Zahns, seine Tiefe im Knochen und der Abstand zu den Nachbarzähnen klar bestimmen.
In komplexen Fällen, wenn der Zahn sehr nah am Hauptnerv des Unterkiefers liegt oder der Verdacht auf eine Zyste besteht, wird eine 3D-Volumentomographie (DVT/CBCT) angeordnet. Diese Tomographie zeigt die Beziehung des Zahns zum Nerv millimetergenau und ermöglicht so eine deutlich sicherere Operationsplanung. Um das Risiko einer Nervenschädigung auf null zu reduzieren, ist diese dreidimensionale Bildgebung von entscheidender Bedeutung.
Die chirurgische Entfernung retinierter Weisheitszähne
Die Behandlung retinierter Zähne ist ein chirurgischer Eingriff, der je nach Zustand des Zahns geplant wird. Die Operation wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt, bei der nur der betroffene Bereich betäubt wird. Bei sehr ängstlichen Patienten, Personen mit starkem Würgereflex oder wenn mehrere retinierte Zähne gleichzeitig gezogen werden sollen, kann jedoch auch eine Sedierung oder Vollnarkose gewählt werden.
Während der Extraktion öffnet der Kieferchirurg das Zahnfleisch über dem Zahn mit einem kleinen Schnitt. Wenn der Zahn tief im Knochen liegt, wird das darüber liegende Knochengewebe mit speziellen Instrumenten leicht abgetragen, um den Zahn zu erreichen. Da das Entfernen des Zahns in einem Stück manchmal das umliegende Gewebe schädigen könnte, wird er oft in mehrere Teile zerlegt und so schonend entfernt. Nach der Extraktion wird der Bereich gereinigt und das Zahnfleisch mit Nähten verschlossen.
Der chirurgische Eingriff dauert in der Regel zwischen 20 und 45 Minuten. In den ersten Tagen der Heilungsphase sind leichte Schwellungen und Schmerzen zu erwarten. Die von Ihrem Arzt verschriebenen Schmerzmittel und Antibiotika sorgen dafür, dass Sie diese Zeit gut überstehen. Um die Blutgerinnung (Koagelbildung) in der Wunde nicht zu stören, sollten Sie nach der Extraktion keinen Strohhalm verwenden, nicht rauchen und heiße Speisen meiden – dies hat direkten Einfluss auf die Heilungsgeschwindigkeit. Im Durchschnitt werden die Fäden nach einer Woche gezogen, oder das Gewebe heilt schnell von selbst, wenn selbstauflösende Fäden verwendet wurden.
Komplikationen unbehandelter retinierter Weisheitszähne
Retinierte Zähne, die Probleme verursachen und nicht rechtzeitig behandelt werden, führen zu Komplikationen, die die Mundgesundheit ernsthaft bedrohen. Das häufigste Problem ist die Entzündung des Zahnfleisches um einen teilretinierten Zahn. Bleibt diese unbehandelt, kann sie sich auf die Wangen- und Halsregion ausbreiten und zu schweren Abszessen führen.
Eine weitere wichtige Komplikation ist der mechanische Druck, den der retinierte Zahn auf den direkt davor liegenden zweiten Backenzahn ausübt. Dieser Druck kann dazu führen, dass sich die Wurzeln des gesunden Nachbarzahns auflösen oder tiefe Karies an der Kontaktfläche entsteht. Wenn die Karies fortschreitet, muss der gesunde Zahn möglicherweise wurzelbehandelt oder sogar komplett gezogen werden.
Zudem kann sich das schützende Häutchen um retinierte Zähne mit der Zeit mit Flüssigkeit füllen und sich zu Zysten oder in seltenen Fällen zu Tumoren entwickeln. Diese Zysten führen zum Abbau des Kieferknochens, schwächen ihn und begünstigen Kieferbrüche schon bei kleinsten Traumata. Auch ein Engstand der Frontzähne im Unterkiefer ist ein weiteres ästhetisches und kieferorthopädisches Problem, das durch den Druck von hinten entstehen kann.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr, der typischen Durchbruchszeit der Weisheitszähne, wird eine routinemäßige zahnärztliche Kontrolle empfohlen, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Einige Symptome erfordern jedoch einen sofortigen Besuch in einer medizinischen Einrichtung. Ein frühzeitiges Eingreifen verhindert, dass sich eine Infektion auf das umliegende Gewebe ausbreitet.
Wenn Sie eines der folgenden Symptome bemerken, sollten Sie ohne Zeitverlust Ihren Arzt aufsuchen:
- Starke Zahnschmerzen, die trotz Schmerzmitteln nicht nachlassen und Sie aus dem Schlaf reißen.
- Eine von außen sichtbare Schwellung an der Wange, unter dem Kiefer oder am Hals.
- Erhebliche Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes, beim Kauen oder Schlucken.
- Eiterausfluss aus dem Zahnfleisch oder ein plötzlicher, sehr schlechter Geschmack im Mund.
- Hohes Fieber oder Schüttelfrost in Begleitung von Schmerzen und Schwellungen.
Wenn die Schluckbeschwerden sehr stark sind, Sie Atemnot haben oder die Schwellung bis unter das Auge fortgeschritten ist, könnte die Infektion in die Blutbahn gelangt sein oder die Atemwege verengen. Da in diesem Fall ein medizinischer Notfall vorliegt, sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses aufsuchen.
Der Ablauf der Weisheitszahnentfernung in der BHT CLINIC
In der Abteilung für Mund- und Zahngesundheit der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi werden Operationen an retinierten Zähnen von unseren Fachärzten unter Einsatz modernster bildgebender Verfahren geplant. In unserer Klinik werden neben Behandlungen wie Implantaten, Zirkoniumkronen, Smile-Design und Wurzelkanalbehandlungen auch komplexe kieferchirurgische Eingriffe mit höchster Präzision durchgeführt.
Um den Patientenkomfort bei der Entfernung retinierter Zähne auf höchstem Niveau zu halten, bieten wir bei Bedarf Zahnbehandlungen unter Vollnarkose an. In Notfällen wie starken Zahnschmerzen oder Abszessen sind wir mit unserer 24/7-Notaufnahme und unseren diensthabenden Ärzten für Sie da. Wenn Sie zu Ihrem Termin bereits vorhandene Röntgenbilder mitbringen, beschleunigt dies den Prozess. Für eine detaillierte Untersuchung und die für Sie am besten geeignete Behandlungsplanung können Sie ganz einfach einen Termin vereinbaren und sich von unserem Expertenteam beraten lassen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert das Ziehen eines retinierten Weisheitszahns?
Die Dauer der Operation hängt von der Position des Zahns im Knochen, seiner Wurzelstruktur und seinem Winkel ab. Eine Standard-Extraktion dauert meist zwischen 20 und 45 Minuten. Bei sehr tief liegenden Zähnen oder Zähnen mit Zystenbildung kann es etwas länger dauern.
Was hilft zu Hause gegen Weisheitszahnschmerzen?
Hausmittel lösen das eigentliche Problem des Zahns nicht, können aber die Schmerzen lindern, bis Sie einen Arzt aufsuchen. Das Gurgeln mit lauwarmem Salzwasser, kalte Kompressen von außen auf die Wange und die Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln, die Ihr Arzt empfiehlt, verschaffen vorübergehende Linderung. Für eine dauerhafte Lösung ist jedoch zwingend eine chirurgische Beurteilung erforderlich.
Muss jeder retinierte Weisheitszahn gezogen werden?
Nein, nicht jeder retinierte Zahn muss zwingend entfernt werden. Wenn der Zahn vollständig im Knochen liegt, die Nachbarzähne nicht beschädigt, kein Zystenrisiko birgt und keine Schmerzen verursacht, kann er durch regelmäßige Röntgenkontrollen einfach beobachtet werden. Die Entscheidung zur Extraktion richtet sich nach dem aktuellen oder potenziellen Schadensrisiko des Zahns.
Wann geht die Gesichtsschwellung nach der Extraktion zurück?
Eine Schwellung der Wange nach einem chirurgischen Eingriff ist je nach Schwierigkeitsgrad der Operation normal. Die Schwellung erreicht meist am zweiten oder dritten Tag ihren Höhepunkt und beginnt dann langsam abzuklingen. Im Durchschnitt sieht Ihr Gesicht nach 5 bis 7 Tagen wieder völlig normal aus.
Ist eine Weisheitszahn-OP schwierig oder schmerzhaft?
Da der Eingriff unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt wird, spüren Sie während der Operation keinerlei Schmerzen. Die Zeit nach dem Eingriff verläuft durch die Einnahme der von Ihrem Arzt verschriebenen Antibiotika, Schmerzmittel und Mundspülungen in der Regel sehr komfortabel. Dank moderner chirurgischer Techniken können Weisheitszähne heute viel sicherer und schonender entfernt werden.
Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; für eine Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.
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