Virale Infektionen und Krebs: Weckt Covid-19 schlafende Krebszellen?

In den letzten Jahren haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass schwere Atemwegsinfektionen wie Covid-19 im Körper inaktive, sogenannte „schlafende“ Krebszellen wecken können. Insbesondere der intensive Entzündungsprozess, der entsteht, wenn das Immunsystem die Infektion bekämpft, kann den Boden für das Erwachen von Krebszellen bereiten. Dies zeigt einmal mehr, wie komplex die Beziehung zwischen Infektionen und Krebs ist und dass dieser Prozess sorgfältig überwacht werden muss.
Unser Körper befindet sich in ständiger Verteidigungsbereitschaft gegen Bedrohungen von außen. Schwere Infektionen können jedoch das Gleichgewicht des Immunsystems verändern. Für Menschen, die eine Krebsbehandlung hinter sich haben oder sich in einer aktiven Therapie befinden, ist der Schutz vor solchen viralen Infektionen von lebenswichtiger Bedeutung.
- Viren wie Covid-19 und Influenza bergen das Risiko, durch eine Veränderung der Immunantwort stille Krebszellen zu aktivieren.
- Dass Viren wie Hepatitis B, Hepatitis C und HPV direkt Krebs auslösen können, ist seit vielen Jahren eine medizinische Tatsache.
- Bei Krebspatienten kann eine Covid-19-Infektion aufgrund eines geschwächten Immunsystems schwerer verlaufen als bei gesunden Menschen.
- Impfungen gehören zu den wirksamsten Methoden, um sich sowohl vor viralen Infektionen zu schützen als auch das Risiko virusbedingter Krebserkrankungen zu senken.
- Ein starkes Immunsystem, die Kontrolle chronischer Erkrankungen und das Ernstnehmen von Infektionen sind die Grundlage des Genesungsprozesses.
Was ist eine schlafende Krebszelle?
Nach einer Krebsbehandlung können einige Zellen im Körper verbleiben, die nicht vollständig zerstört wurden, aber aufgehört haben, sich zu vermehren. In diesem Zustand, der in der Medizin als zelluläre Dormanz (Ruhezustand) bezeichnet wird, können sich Krebszellen jahre- oder sogar jahrzehntelang ohne jegliche Symptome in bestimmten Körperregionen verstecken. Schlafende Krebszellen werden durch das Immunsystem ständig unterdrückt und an der Vermehrung gehindert. Meist handelt es sich dabei um Mikrometastasen, die sich über den Blutkreislauf vom Haupttumor gelöst und in entfernten Geweben wie Lunge, Leber oder Knochenmark angesiedelt haben.
Solange das Immunsystem stark ist, bleiben diese Zellen inaktiv. Ein großes Trauma, eine schwere Infektion oder extremer Stress können die Aufmerksamkeit des Immunsystems jedoch ablenken. Wenn Immunzellen die Region verlassen, um eine Infektion zu bekämpfen, oder wenn durch die Infektion eine starke Entzündung (Inflammation) im Körper entsteht, schwächen sich die Mechanismen ab, die die schlafenden Zellen unterdrücken. Die Zellen können diese Gelegenheit nutzen, um sich erneut zu teilen und zu vermehren. Daher erfordert der Schutz der allgemeinen Gesundheit bei Menschen mit einer Krebsanamnese große Sorgfalt.
Welche Viren können mit Krebs in Verbindung stehen?
Die in der Gesellschaft häufig gestellte Frage, ob „Viren Krebs verursachen“, ist in der medizinischen Welt schon lange klar beantwortet. Einige Viren greifen direkt in die DNA-Struktur menschlicher Zellen ein oder verursachen chronische Entzündungen und bereiten so den Boden für die Krebsentstehung. Diese Viren werden als onkogene Viren bezeichnet. Ein erheblicher Teil der weltweiten Krebsfälle steht in direktem Zusammenhang mit viralen Infektionen.
So können beispielsweise das Hepatitis-B- und das Hepatitis-C-Virus langfristige Schäden an den Leberzellen verursachen und zu Leberkrebs führen. Das Humane Papillomavirus (HPV) ist die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und steht auch mit Kopf-Hals-Tumoren in Verbindung. Das Epstein-Barr-Virus (EBV), das die im Volksmund als Pfeiffersches Drüsenfieber bekannte Infektion auslöst, kann im späteren Verlauf bei der Entstehung verschiedener Lymphomarten eine Rolle spielen. Der wirksamste Weg, sich vor den krebserregenden Auswirkungen dieser Viren zu schützen, ist die Einhaltung von Impfprogrammen. Hepatitis-B- und HPV-Impfungen verhindern die Infektion und wirken so indirekt als Krebsimpfung.
Infektion und Krebs: Wie wirkt sich Covid-19 aus?
Aktuelle wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang zwischen Covid-19 und Krebs liefern bemerkenswerte Daten über die Auswirkungen von Infektionen auf zellulärer Ebene. Laboruntersuchungen an Mäusen, die in Zusammenarbeit zwischen der University of Colorado in den USA und der Universität Utrecht in den Niederlanden durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass Atemwegsinfektionen wie Covid-19 und Influenza schlafende Krebszellen wecken können. Die Forscher stellten fest, dass das Virus die DNA der Krebszellen nicht direkt verändert, sondern dass die übermäßige Immunantwort des Körpers auf das Virus dieses Erwachen verursacht.
Während einer Infektion kommt es in der Lunge zu einer starken Entzündung. Neutrophile, die Vorhut des Immunsystems, strömen in das Gebiet, um das Virus zu bekämpfen. Während dieses Kampfes bilden die Neutrophilen netzartige Strukturen (NETs - Neutrophil Extracellular Traps), um Viren einzufangen. Diese Netze und die ausgeschütteten entzündungsfördernden Substanzen verändern jedoch gleichzeitig das Gewebe um die schlafenden Krebszellen herum und schaffen ein günstiges Umfeld für deren Reaktivierung. Dieser Mechanismus beweist, dass Atemwegsinfektionen nicht als einfache Erkältung abgetan werden sollten, da sie insbesondere bei Risikogruppen dauerhafte Auswirkungen auf zellulärer Ebene hinterlassen können.
Covid-19-Verlauf und Risiken bei Krebspatienten
Eine Covid-19-Infektion bei Krebspatienten ist ein Prozess, der aufgrund der Art der Erkrankung und der angewandten Behandlungen viel sorgfältiger gesteuert werden muss. Das Immunsystem von Patienten, die sich einer Chemotherapie, Strahlentherapie oder zielgerichteten medikamentösen Therapie unterziehen, ist im Vergleich zu gesunden Menschen stärker unterdrückt. Ein Rückgang der weißen Blutkörperchen führt dazu, dass der Körper viralen oder bakteriellen Bedrohungen von außen schutzlos ausgeliefert ist.
Wissenschaftliche Daten zeigen, dass die Raten für Krankenhausaufenthalte, intensivmedizinische Betreuung und Sterblichkeit bei Krebspatienten, die an Covid-19 erkranken, deutlich höher sind als bei Menschen ohne Krebsanamnese. Insbesondere Patienten, die gegen Blutkrebsarten wie Lungenkrebs, Leukämie oder Lymphome kämpfen, gehören zur höchsten Risikogruppe. Die durch die Infektion verursachte Atemnot, kombiniert mit den durch den Krebs verursachten Lungenschäden, kann zu einer raschen Verschlechterung des Zustands führen. In dieser Zeit ist es von größter Bedeutung, dass Patienten Maßnahmen gemäß dem Leitfaden zum Schutz vor zunehmenden viralen Infektionen im Winter ergreifen.
Wie sollten sich Krebspatienten vor Covid-19 schützen?
Menschen, die sich einer Krebsbehandlung unterziehen oder eine Krebserkrankung überstanden haben, müssen in ihrem Alltag besonders darauf achten, sich vor viralen Infektionen zu schützen. Einfache, aber wirksame Maßnahmen reduzieren das Infektionsrisiko erheblich.
- Einhaltung von Impfprogrammen: Die Aktualisierung der Covid-19-Impfungen verhindert schwere Krankheitsverläufe. Darüber hinaus wird nach ärztlicher Rücksprache eine jährliche Grippeimpfung (Influenza) und eine Pneumokokken-Impfung dringend empfohlen.
- Persönliche Hygiene und Maskenpflicht: In überfüllten, geschlossenen und schlecht belüfteten Räumen sollten unbedingt Masken mit hoher Schutzwirkung getragen werden. Auf Händehygiene ist zu achten; die Hände sollten häufig mit Wasser und Seife gewaschen werden.
- Soziale Distanzierung: Der Kontakt mit Personen, die Krankheitssymptome zeigen (Husten, Niesen, Fieber), sollte vermieden werden.
- Ernährung und Schlafrhythmus: Um das Immunsystem zu unterstützen, sollte eine ausgewogene Ernährung reich an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen eingehalten werden. Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist für die Reparaturprozesse des Körpers unerlässlich.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Krebsnachsorgeuntersuchungen dürfen nicht vernachlässigt werden, und bei Verdacht auf eine Infektion sollte umgehend der behandelnde Spezialist aufgesucht werden.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Bei Krebspatienten oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem können Infektionssymptome sehr schnell fortschreiten. Aus leichten Halsschmerzen oder Abgeschlagenheit kann in kurzer Zeit eine schwere Atemwegsinfektion werden. Wenn Sie an hartnäckigem Fieber von 38 Grad und mehr, starkem Husten, gelbem oder grünem Auswurf, extremer Müdigkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen leiden, sollten Sie ohne Zeitverlust Ihren behandelnden Arzt oder eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen.
Einige Symptome erfordern jedoch einen medizinischen Notfalleingriff. Schwere Atemnot (auch im Ruhezustand), Druck- oder Schmerzgefühl im Brustkorb, bläuliche Verfärbung der Lippen oder Nagelbetten, Verwirrtheit, Schwierigkeiten beim Aufwachen oder extreme Schläfrigkeit sind lebensbedrohliche Warnsignale. Wenn Sie eines dieser Symptome bei sich oder einem Angehörigen beobachten, sollten Sie sofort die Notrufnummer 112 wählen oder die Notaufnahme des nächstgelegenen, voll ausgestatteten Krankenhauses aufsuchen.
Ablauf und multidisziplinärer Ansatz in der BHT CLINIC
Die Behandlung von Infektionskrankheiten und Krebsprozessen steht in direktem Zusammenhang mit dem allgemeinen metabolischen Gleichgewicht des Körpers. Stoffwechselprobleme wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Schilddrüsenerkrankungen können die Funktion des Immunsystems stören und die Widerstandskraft gegen Infektionen verringern. In der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi werden die Behandlungsprozesse unserer Patienten mit einem multidisziplinären Ansatz durchgeführt. Unsere Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel bietet personalisierte Behandlungspläne mit modernsten Technologien, um Stoffwechselerkrankungen, die das Infektionsrisiko erhöhen, unter Kontrolle zu bringen.
Unsere rund um die Uhr (24/7) geöffnete Notaufnahme ermöglicht bei möglichen Infektionsfällen eine schnelle Diagnose und Intervention. Wenn sich Krebspatienten mit Verdacht auf eine Infektion vorstellen, arbeiten unsere Spezialisten für Infektionskrankheiten, Onkologie und Endokrinologie koordiniert zusammen, um das sicherste Behandlungsprotokoll festzulegen. Achten Sie darauf, Ihre Kontrolluntersuchungen nicht zu vernachlässigen, um Ihre Gesundheit zu schützen und Risiken zu minimieren.
Um detaillierte Informationen zu erhalten und mit unseren Fachärzten zu sprechen, können Sie einen Termin vereinbaren.
Häufig gestellte Fragen
Verursacht Covid-19 direkt Krebs?
Nein, nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es keine Beweise dafür, dass das Covid-19-Virus die Zell-DNA direkt schädigt und so einen neuen Krebs auslöst. Die durch das Virus verursachte schwere Entzündung kann jedoch das Erwachen von bereits im Körper vorhandenen, schlafenden Krebszellen auslösen.
Was sind schlafende Krebszellen?
Schlafende Krebszellen sind inaktive Zellen, die nach einer Krebsbehandlung im Körper verbleiben, deren Vermehrung jedoch gestoppt ist. Diese Zellen, die vom Immunsystem unterdrückt werden, bergen das Risiko einer Reaktivierung, wenn das Immunsystem durch schwere Infektionen oder Traumata geschwächt wird.
Sollten sich Krebspatienten gegen Covid-19 impfen lassen?
Ja, Krebspatienten gehören aufgrund ihres geschwächten Immunsystems zur Hochrisikogruppe für Covid-19. Eine Impfung gemäß dem von Ihrem Arzt festgelegten Zeitplan reduziert das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs und eines Krankenhausaufenthalts erheblich.
Welche viralen Infektionen erhöhen das Krebsrisiko?
Die Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren können Leberkrebs begünstigen, das HPV (Humanes Papillomavirus) Gebärmutterhals- und Kopf-Hals-Krebs, und das Epstein-Barr-Virus kann den Boden für bestimmte Lymphomarten bereiten. Impfungen sind die wirksamste Methode, um sich vor diesen Viren zu schützen.
Lösen Grippe oder Erkältung Krebs aus?
Es ist nicht zu erwarten, dass eine einfache Erkältung Krebs auslöst. Laborstudien zeigen jedoch, dass Atemwegsinfektionen, die zu schweren Lungenentzündungen führen, wie z. B. Influenza (Grippe), zelluläre Veränderungen verursachen können, die – ähnlich wie bei Covid-19 – schlafende Krebszellen wecken könnten.
Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; bitte konsultieren Sie für Diagnose und Behandlung unbedingt Ihren Arzt.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.
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