Allgemeinchirurgie

Warum entsteht Ohrensausen? Ursachen und Behandlung von Tinnitus

Op.Dr.Mustafa Çalışkan 25. Juni 20247 Min. Lesezeit
Warum entsteht Ohrensausen? Ursachen und Behandlung von Tinnitus

Tinnitus (Ohrensausen) bedeutet, dass Sie ein Rauschen, Summen oder Klingeln in Ihrem Ohr oder Kopf wahrnehmen, obwohl es in Ihrer Umgebung keine entsprechende Schallquelle gibt. Obwohl dieses Phänomen häufig bei Personen über 50 Jahren als Begleiterscheinung eines Hörverlusts auftritt, kann es in jeder Altersgruppe vorkommen – insbesondere nach starker Lärmbelastung. Die Behandlung von Tinnitus zielt in erster Linie darauf ab, die zugrunde liegende Ursache zu ermitteln und gezielt zu beheben.

Auf einen Blick

  • Es handelt sich um ein Rauschen, Summen oder Klingeln, das ohne äußere Geräuschquelle wahrgenommen wird.
  • Die häufigste Ursache ist eine alters- oder lärmbedingte Schädigung des Hörnervs.
  • Bluthochdruck, Ohrenschmalz und Mittelohrentzündungen können die Beschwerden auslösen oder verstärken.
  • Zur Diagnose werden vor allem eine Audiometrie (Hörtest) und eine Messung des Mittelohrdrucks durchgeführt.
  • Die Behandlung reicht von einer professionellen Ohrenreinigung über Hörgeräte bis hin zu chirurgischen Eingriffen.

Was ist Tinnitus (Ohrensausen)?

Tinnitus ist medizinisch definiert als eine akustische Wahrnehmung des Patienten ohne einen entsprechenden äußeren Reiz. Dieses Geräusch kann sich als Rauschen, Summen, Pfeifen, Windgeräusch oder Klingeln äußern. Es handelt sich um ein sehr häufiges Phänomen, von dem etwa jeder Zehnte betroffen ist. Tinnitus ist meist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Warnsignal für eine Störung im Hörsystem oder im restlichen Körper. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen objektivem und subjektivem Tinnitus. Der subjektive Tinnitus wird nur vom Patienten selbst gehört, während der objektive Tinnitus eine seltene Form ist, die der Arzt bei der Untersuchung mit dem Stethoskop hören kann.

Besonders bei Menschen ab 60 Jahren nehmen diese Beschwerden aufgrund des zellulären Verschleißes der Hörnerven deutlich zu. Wenn die feinen Haarzellen im Innenohr beschädigt sind, senden sie kontinuierlich fehlerhafte elektrische Signale an das Gehirn, welches diese Signale fälschlicherweise als Geräusch interpretiert. Das Ohrensausen kann leicht und vorübergehend sein, aber auch so stark ausfallen, dass es die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Bei manchen Patienten dauert es nur wenige Sekunden, während es in chronischen Fällen über Monate hinweg ununterbrochen anhalten kann.

Ursachen und Risikofaktoren von Tinnitus

Die Antwort auf die Frage, warum Ohrensausen entsteht, hängt stark vom Alter, dem Beruf und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Direkte Probleme am Ohr machen die überwiegende Mehrheit der Fälle aus. Eine Ansammlung von Ohrenschmalz (Cerumen) im Gehörgang, die die Übertragung von Schallwellen stört, ist die einfachste und am leichtesten zu behebende Ursache. Auch Mittelohrentzündungen, Flüssigkeitsansammlungen hinter dem Trommelfell oder Risse im Trommelfell können eine Schallleitungsschwerhörigkeit verursachen und so den Tinnitus auslösen.

Die wichtigsten ohrenbezogenen Risikofaktoren sind:

  • Hartnäckiges Ohrenschmalz, das den Gehörgang verstopft.
  • Verkalkung der Gehörknöchelchen im Mittelohr (Otosklerose).
  • Gutartige Tumore, die auf den Hörnerv drücken (Akustikusneurinom).
  • Funktionsstörungen der Eustachischen Röhre, oft bedingt durch vergrößerte Polypen oder Mandeln.
  • Erhöhter Flüssigkeitsdruck im Innenohr im Rahmen der Menière-Krankheit.

Zu den Faktoren außerhalb des Ohres zählen Bluthochdruck, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und Blutarmut (Anämie). Darüber hinaus gehören eine längere Belastung durch Lärm von über 85 Dezibel sowie stundenlanges, lautes Musikhören über Kopfhörer zu den entscheidenden Risikofaktoren. Auch die langfristige Einnahme bestimmter Rheumamedikamente, hochdosiertes Aspirin und spezifische Antibiotika können toxisch wirken und die Zellen im Innenohr schädigen.

Was sind die Symptome von Tinnitus?

Die Symptome von Tinnitus variieren von Person zu Person stark. Tonhöhe, Lautstärke und Häufigkeit des wahrgenommenen Geräuschs hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Patienten beschreiben diese Geräusche oft als hohes Pfeifen, tiefes Brummen, Wasserrauschen, Zirpen von Grillen, pulsierendes Pochen oder Maschinengeräusche. Bei älteren Menschen tritt meist ein hohes Pfeifen in beiden Ohren auf, während bei gefäßbedingten Problemen oft ein tiefes, mit dem Herzschlag synchrones Rauschen wahrgenommen wird.

Bei Menschen, die unter ständigem Ohrensausen leiden, ist das Geräusch zu jeder Tageszeit präsent und kann auf eine chronische Nervenschädigung hinweisen. In den Nachtstunden oder in ruhigen Umgebungen, wenn die Umgebungsgeräusche abnehmen, wird dieses Geräusch jedoch viel deutlicher. Während tagsüber Straßenlärm oder der Fernseher den Tinnitus maskieren, entsteht beim Zubettgehen oft das Gefühl, die Lautstärke des Geräuschs nehme zu.

Weitere Symptome, die mit Tinnitus einhergehen können, sind fortschreitender Hörverlust, ein Druck- oder Völlegefühl im Ohr sowie Schwindel (Vertigo). Wenn der Tinnitus einen Rhythmus hat, der mit dem Pulsschlag übereinstimmt (pulsatiler Tinnitus), kann dies ein Hinweis auf eine Verengung der Halsgefäße oder auf Bluthochdruck sein.

Diagnose: Wie wird im Krankenhaus untersucht?

Patienten mit Tinnitus sollten sich zunächst einer gründlichen Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) unterziehen. Ihr Arzt wird den äußeren Gehörgang und das Trommelfell mit einem Otoskop oder Endoskop untersuchen, um festzustellen, ob eine physische Blockade, eine Infektion oder eine Verletzung des Trommelfells vorliegt. Außerdem werden die Blutgefäße im Halsbereich mit einem Stethoskop abgehört, um nach abnormen Strömungsgeräuschen zu suchen. Nach der körperlichen Untersuchung werden audiologische Tests herangezogen, um die genaue Ursache zu finden.

An erster Stelle dieser Untersuchungen stehen die Reinton-Audiometrie (Hörtest) und die Tympanometrie, mit der der Druck im Mittelohr gemessen wird. Der Hörtest spielt eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung von Nervenschäden im Innenohr und dem Grad des Hörverlusts. Die Frequenzen, bei denen der Patient einen Hörverlust aufweist, geben wichtige Hinweise auf die Art des Tinnitus. Ein Hörverlust, der nur bei hohen Frequenzen auftritt, deutet beispielsweise oft auf einen lärmbedingten Schaden hin.

Falls erforderlich, werden fortschrittlichere bildgebende Verfahren angefordert. Besteht der Verdacht auf einen Tumor, der auf den Hörnerv drückt, wird eine MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns mit Kontrastmittel durchgeführt. Wird eine Verkalkung der Gehörknöchelchen oder ein Problem mit den Nebenhöhlen vermutet, kann eine Computertomographie (CT) des Schläfenbeins die Diagnose sichern.

Tinnitus-Behandlung und Pflege zu Hause

Nach der Diagnose wird ein spezifischer, auf den Zustand des Patienten abgestimmter Behandlungsplan erstellt. Die Tinnitus-Therapie konzentriert sich nicht auf ein einziges Medikament, das das Klingeln sofort stoppt, sondern auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache. Wird bei der Untersuchung Ohrenschmalz festgestellt, wird dieses schonend abgesaugt; liegt eine Mittelohrentzündung vor, wird eine 7- bis 14-tägige Antibiotikatherapie eingeleitet. Nach diesen einfachen Eingriffen verschwindet das Ohrensausen oft innerhalb weniger Tage vollständig.

Bei chronischem Tinnitus, der bei älteren Menschen häufig in Verbindung mit einem Hörverlust auftritt, wird in der Regel ein Hörgerät empfohlen. Zusammen mit dem Hörgerät können elektronische Maskierungsgeräte (Noiser) eingesetzt werden, die das Ohrensausen digital überlagern. Diese Geräte erzeugen ein leises, sogenanntes "weißes Rauschen" (White Noise), das das Gehirn daran hindert, sich auf den Tinnitus zu konzentrieren. In Fällen, in denen Medikamente und Geräte nicht ausreichen, insbesondere bei Löchern im Trommelfell oder beim Vorhandensein von Tumoren, kann eine chirurgische Sanierung erforderlich sein.

Für die Pflege zu Hause lauten die praktischen Antworten auf die Frage, was gegen Ohrensausen hilft: Vermeiden Sie laute Geräusche, halten Sie Ihren Blutdruck unter Kontrolle und schränken Sie Ihren Koffeinkonsum ein. Auch ein regelmäßiger Schlafrhythmus und gezieltes Stressmanagement entspannen das Nervensystem und reduzieren die Intensität des Tinnitus.

Komplikationen und Risikogruppen

Unbehandelter oder sehr schwerer Tinnitus kann den Alltag der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Zu den häufigsten Komplikationen gehören Einschlafprobleme, chronische Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisschwäche. Das Leben mit einem ständigen Geräusch erhöht den Stresspegel des Patienten und begünstigt Angstzustände sowie schwere Depressionen. Manche Patienten leiden unter Leistungseinbußen im Berufsleben und neigen dazu, sich aus dem sozialen Leben zurückzuziehen.

Zu den Hauptrisikogruppen gehören Menschen über 60 Jahre und Personen, die in lauten Umgebungen arbeiten. Fabrikarbeiter, professionelle Musiker, Bauarbeiter und Call-Center-Mitarbeiter sind einem hohen Risiko ausgesetzt, da sie regelmäßig Lärmpegeln von über 85 Dezibel ausgesetzt sind.

Auch Menschen mit systemischen Erkrankungen sind benachteiligt. Bei Personen mit unkontrolliertem Bluthochdruck, Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Durchblutung des Innenohrs beeinträchtigt, weshalb die Wahrscheinlichkeit für Tinnitus deutlich höher ist. Rauchen ist ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor, da es die Blutgefäße verengt und die Sauerstoffversorgung des Innenohrs verringert.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Obwohl Ohrensausen oft eine harmlose Folge von Müdigkeit oder einer einfachen Verstopfung des Gehörgangs ist, können bestimmte Anzeichen Vorboten einer ernsthaften neurologischen oder vaskulären (gefäßbedingten) Erkrankung sein. Tritt der Tinnitus nur auf einem Ohr auf, beginnt er plötzlich oder geht er mit einem Hörverlust einher, sollten Sie umgehend einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Ohrensausen, das länger als ein paar Stunden anhält und immer stärker wird, muss ernst genommen werden.

Warnsignale, die ein sofortiges medizinisches Eingreifen erfordern, sind:

  • Starker Schwindel (Vertigo), Übelkeit und Gleichgewichtsverlust in Verbindung mit Tinnitus.
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln, Asymmetrie oder Schwäche auf einer Gesichtshälfte.
  • Rhythmische, pochende Geräusche, die synchron mit dem Herzschlag (Puls) verlaufen.
  • Plötzlich auftretender, vollständiger oder teilweiser Hörverlust (Hörsturz).

Bei derartigen neurologischen Symptomen, beim Verdacht auf einen Schlaganfall oder bei einem plötzlichen Hörverlust sollten Sie keine Zeit verlieren und sofort den Notruf 112 wählen oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses aufsuchen. Bei einem Hörsturz ist eine Kortisonbehandlung, die innerhalb der ersten 48 Stunden begonnen wird, von entscheidender Bedeutung, um eine dauerhafte Taubheit zu verhindern.

Ihr Behandlungsablauf in der BHT CLINIC

Wenn Sie sich mit Tinnitus-Beschwerden an unser Krankenhaus wenden, durchlaufen Sie einen detaillierten Beurteilungsprozess durch unsere erfahrenen HNO-Fachärzte. Die erforderlichen audiologischen Tests (Reinton-Audiometrie, Tympanometrie) und radiologischen Bildgebungsverfahren werden noch am selben Tag in den modern ausgestatteten Laboren und Abteilungen unseres Krankenhauses zügig durchgeführt. Bei Bedarf wird sofort ein Konsilium mit anderen Fachbereichen wie Neurologie, Kardiologie oder Innerer Medizin gebildet, um einen ganzheitlichen Ansatz zu gewährleisten.

Manchmal können die zugrunde liegenden Ursachen des Tinnitus Schilddrüsenknoten, ein Kropf oder systemische Probleme sein, die einen chirurgischen Eingriff erfordern. Für die chirurgische Behandlung und Nachsorge solcher Fälle arbeiten wir multidisziplinär mit unseren Spezialisten aus der Allgemeinchirurgie zusammen. Unser Krankenhaus bietet während des gesamten Diagnose- und Behandlungsprozesses internationale Servicequalität gemäß den JCI-Akkreditierungsstandards, bei der medizinische Sicherheit und Patientenkomfort stets im Vordergrund stehen.

In Notfällen wie unerwartetem Schwindel oder plötzlichem Hörverlust können Sie sich jederzeit sicher an unsere 24/7 geöffnete Notaufnahme oder unser Callcenter unter der Nummer 0850 811 34 00 wenden. Für eine umfassende Untersuchung und eine individuelle Behandlungsplanung können Sie ganz einfach einen Termin vereinbaren und mit unseren Fachärzten sprechen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welcher Arzt ist für Tinnitus zuständig?

Patienten, die unter Tinnitus (Ohrensausen) leiden, sollten sich zunächst an die Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) wenden. Der HNO-Arzt führt die notwendige körperliche Untersuchung sowie audiologische Hörtests durch, ermittelt die Quelle des Ohrensausens und plant den weiteren Behandlungsverlauf.

Was kann man zu Hause gegen Ohrensausen tun?

Um das Ohrensausen zu Hause zu lindern, ist es hilfreich, laute Umgebungen zu meiden sowie den Konsum von Koffein und Salz zu reduzieren. Um das Einschlafen in ruhiger Umgebung zu erleichtern, kann das Hören von sanften Naturgeräuschen (weißes Rauschen) das Gehirn davon abhalten, sich auf den Tinnitus zu fokussieren.

Kann Bluthochdruck Ohrensausen verursachen?

Ja, ein hoher Blutdruck beschleunigt den Blutfluss in den empfindlichen Gefäßen des Innenohrs und kann so zu Ohrensausen führen. Insbesondere das Hören von Geräuschen, die im Rhythmus des Herzschlags (pulsierend) auftreten, ist ein typisches Anzeichen für blutdruck- oder gefäßbedingte Probleme.

Ist ständiges Ohrensausen gefährlich?

Ein ständiges Ohrensausen deutet nicht immer auf eine lebensbedrohliche Krankheit hin, stört aber die Schlafqualität und das allgemeine Wohlbefinden massiv. Einseitiger, plötzlich auftretender oder ständiger Tinnitus, der mit Schwindel oder Taubheitsgefühlen im Gesicht einhergeht, muss jedoch dringend untersucht werden, da hier das Risiko eines Schlaganfalls oder Tumors bestehen könnte.

Warum wird der Tinnitus nachts im Bett schlimmer?

In den Nachtstunden, wenn die äußeren Umgebungsgeräusche und der alltägliche Lärm abnehmen, ist das Ohrensausen viel deutlicher zu hören. Die physikalische Lautstärke des Geräuschs nimmt eigentlich nicht zu; da jedoch die Hintergrundgeräusche wegfallen, konzentriert sich das Gehirn vollständig auf den Tinnitus.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken; für eine genaue Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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