Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO)

Was ist eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) und wie wird sie behandelt?

BHT CLINIC8. Juli 20268 Min. Lesezeit
Was ist eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) und wie wird sie behandelt?

Die Gehörgangsentzündung, in der medizinischen Fachsprache als Otitis externa bezeichnet, ist eine Infektion oder Entzündung des äußeren Gehörgangs, der von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell reicht. Da sie häufig nach längerem Aufenthalt im Wasser auftritt, wird sie im Volksmund auch "Badeotitis" oder "Schwimmerohr" genannt. Bei frühzeitigem Eingreifen kann diese Erkrankung in kurzer Zeit behandelt werden. Wird sie jedoch vernachlässigt, kann sie zu starken Schmerzen, Schwellungen im Gehörgang und vorübergehendem Hörverlust führen.

  • Die Gehörgangsentzündung ist eine bakterielle oder durch Pilze verursachte Infektion der Haut im Gehörgang.
  • Die häufigste Ursache ist Feuchtigkeit im Ohr und Reizungen durch die Verwendung von Wattestäbchen.
  • Hauptsymptome sind Ohrenschmerzen, Juckreiz, übel riechender Ausfluss und ein Verstopfungsgefühl im Ohr.
  • Die Behandlung umfasst in der Regel eine professionelle Reinigung durch einen Facharzt und verschreibungspflichtige Ohrentropfen.
  • Bei Diabetikern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist das Risiko einer Ausbreitung der Infektion höher, weshalb eine sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich ist.

Was ist eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa)?

Der äußere Gehörgang ist ein etwa 2,5 Zentimeter langer Kanal, der an der Ohrmuschel beginnt und bis zum Trommelfell reicht. Die Innenseite dieses Kanals verfügt über eine natürliche, schützende Säureschicht und Ohrenschmalz, das sogenannte "Cerumen". Das Cerumen schützt das Ohr durch seine wasserabweisenden Eigenschaften vor Feuchtigkeit und verhindert durch seinen sauren pH-Wert die Vermehrung von Bakterien und Pilzen.

Eine Gehörgangsentzündung entsteht, wenn dieser natürliche Schutzschild geschwächt wird oder ganz verschwindet. Ist die Schutzbarriere gestört, siedeln sich Bakterien (am häufigsten Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus) oder Pilze aus der Umgebung auf der Haut im Gehörgang an und vermehren sich rasant. Obwohl sie in jeder Altersgruppe auftreten kann, kommt sie besonders in den Sommermonaten durch die vermehrte Nutzung von Pools und dem Meerwasser bei Kindern und jungen Erwachsenen häufiger vor.

Ursachen und Risikofaktoren der Gehörgangsentzündung

Es gibt zahlreiche Faktoren, die die natürliche Struktur des Gehörgangs stören und den Weg für eine Infektion ebnen. Feuchtigkeit und physikalische Traumata stehen dabei an erster Stelle.

  • Wasserkontakt und Feuchtigkeit: Wasseransammlungen im Gehörgang durch Schwimmen, häufiges Baden oder starkes Schwitzen führen dazu, dass die Haut aufweicht und das Säuregleichgewicht gestört wird. Insbesondere Pools mit unzureichendem Chlorgehalt oder verunreinigtes Meerwasser bergen ein hohes Risiko.
  • Falsche Reinigungsgewohnheiten: Der Versuch, das Ohr mit Wattestäbchen, Haarklammern, Schlüsseln oder spitzen Fingernägeln zu kratzen und zu reinigen, reizt die dünne Haut im Kanal. Diese Mikrorisse öffnen Bakterien Tür und Tor, um unter die Haut zu gelangen.
  • Chemische Substanzen: Gelangen Chemikalien wie Haarspray, Haarfärbemittel oder Shampoo in das Ohr, können sie allergische Reaktionen und Reizungen der Haut auslösen.
  • Hauterkrankungen: Hautprobleme wie Ekzeme, Schuppenflechte (Psoriasis) oder seborrhoische Dermatitis stören die Unversehrtheit der Haut im Gehörgang und erhöhen das Infektionsrisiko.

Wer ist besonders gefährdet?

Sportler, die regelmäßig schwimmen, sowie Menschen in heißen und feuchten Klimazonen sind anfälliger für Gehörgangsentzündungen. Zudem ist bei Personen mit engen Gehörgängen die Wahrscheinlichkeit höher, dass Wasser im Ohr eingeschlossen bleibt. Auch bei Trägern von Hörgeräten oder Personen, die ständig In-Ear-Kopfhörer verwenden, steigt das Risiko durch die Reibung des Geräts und die Ansammlung von Feuchtigkeit.

Was sind die Symptome einer Gehörgangsentzündung?

Die Symptome einer Gehörgangsentzündung beginnen meist mild und verschlimmern sich innerhalb weniger Tage, wenn sie nicht behandelt werden. Die Beschwerden variieren je nach Stadium der Infektion.

Im Anfangsstadium macht sich ein leichter Juckreiz und ein Unbehagen im Gehörgang bemerkbar. Die Ohrmuschel kann leicht gerötet sein und es kann ein klarer, geruchloser, spärlicher Ausfluss aus dem Gehörgang austreten. In dieser Phase treten meist noch keine starken Schmerzen auf, es beginnt jedoch ein Völlegefühl im Ohr.

Im mittleren Stadium werden die Schmerzen deutlicher. Besonders bei Berührung der Ohrmuschel, beim Ziehen am Ohrläppchen oder bei Kieferbewegungen (Kauen, Gähnen) nehmen die Schmerzen zu. Der Gehörgang beginnt anzuschwellen, der Ausfluss wird eitrig, gelb-grünlich und nimmt einen unangenehmen Geruch an. Durch die Schwellung des Kanals und die Ansammlung von Sekret kommt es zu einer gedämpften Wahrnehmung von Geräuschen und einem Verstopfungsgefühl.

Im fortgeschrittenen Stadium erreichen die Schmerzen ein sehr starkes Ausmaß; sie können in die betroffene Gesichtshälfte, den Hals oder die Seite des Kopfes ausstrahlen. Der Gehörgang kann so stark anschwellen, dass er sich vollständig verschließt. Dieser Zustand kann von hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten am Hals begleitet sein. Symptome im fortgeschrittenen Stadium erfordern sofortige medizinische Hilfe.

Wie wird die Diagnose im Krankenhaus gestellt?

Wenn Sie sich mit Ohrenschmerzen und Ausfluss im Krankenhaus vorstellen, erfragt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) zunächst Ihre Krankengeschichte und Ihre jüngsten Aktivitäten (Schwimmen, Ohrenreinigungsgewohnheiten). Bei der körperlichen Untersuchung bewegt Ihr Arzt die Ohrmuschel leicht, um Ihre Schmerzreaktion zu testen; löst diese Bewegung Schmerzen aus, ist das eines der typischsten Anzeichen für eine Gehörgangsentzündung.

Für eine genaue Diagnose wird der Gehörgang mit einem beleuchteten Instrument mit Lupe, dem sogenannten "Otoskop", untersucht. Bei der otoskopischen Untersuchung achtet der Arzt auf Rötungen, Schwellungen (Ödeme), Hautausschläge und eitrigen Ausfluss im Gehörgang. Ihr Arzt überprüft zudem, ob das Trommelfell intakt ist, um auszuschließen, dass die Infektion aus dem Mittelohr stammt.

Bei Infektionen, die nicht auf Standardbehandlungen ansprechen, häufig wiederkehren oder sehr schwerwiegend verlaufen, kann Ihr Arzt einen kleinen Abstrich vom Ohrensekret nehmen. Diese Probe wird ins Labor geschickt, um eine Kultur anzulegen. Durch den Kulturtest lässt sich die spezifische Bakterien- oder Pilzart bestimmen, die die Infektion verursacht, sodass das wirksamste Medikament ausgewählt werden kann.

Wie wird eine Gehörgangsentzündung behandelt?

Das Hauptziel bei der Behandlung der Gehörgangsentzündung ist es, die Infektion zu beseitigen, die Schwellung im Gehörgang zu reduzieren und die Schmerzen des Patienten zu lindern. Der Behandlungsprozess erfolgt in der Regel als Kombination aus klinischen Eingriffen und der medikamentösen Weiterbehandlung zu Hause.

Einer der wichtigsten Schritte der Behandlung ist die Ohrreinigung. Der Facharzt entfernt mit einem speziellen Absauggerät (Aspirator) behutsam den angesammelten Eiter, abgestorbene Hautzellen und überschüssiges Ohrenschmalz aus dem Gehörgang. Dieser Vorgang ist von entscheidender Bedeutung, damit die verschriebenen Ohrentropfen das infizierte Gewebe direkt erreichen können. Medikamente, die in ein verstopftes Ohr getropft werden, bleiben an der Oberfläche und bewirken keine Heilung.

Nach der Reinigung werden in der Regel Ohrentropfen verschrieben, die Antibiotika oder pilzabtötende Mittel (Antimykotika) enthalten. Diese Tropfen enthalten häufig auch ein Kortikosteroid (Steroid), um die Schwellung und Rötung im Gehörgang schnell zu lindern. Wenn der Gehörgang so stark geschwollen ist, dass die Tropfen nicht eindringen können, kann Ihr Arzt einen kleinen, schwammartigen Streifen (Ohrtamponade) in den Kanal einführen. Die Tropfen werden auf diesen Streifen aufgetragen, der das Medikament aufsaugt und tief in das geschwollene Gewebe transportiert.

Pflege zu Hause und Genesungsprozess

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung gibt es einige Regeln, die Sie zu Hause beachten sollten. Während der Heilungsphase muss das Ohr unbedingt trocken gehalten werden. Um zu verhindern, dass beim Baden Wasser ins Ohr gelangt, können Sie mit Vaseline bestrichene Watte verwenden oder eine Duschhaube tragen. Bis Ihr Arzt grünes Licht gibt, sollten Sie auf Schwimmen, Tauchen und Flugreisen verzichten. Zudem sollte die Nutzung von Kopfhörern oder Hörgeräten pausiert werden, bis die Infektion vollständig abgeklungen ist.

Mögliche Komplikationen und Risikogruppen

Bei richtiger Behandlung heilt eine Gehörgangsentzündung in der Regel ohne bleibende Schäden ab. Wenn sich die Behandlung jedoch verzögert oder der Patient zu bestimmten Risikogruppen gehört, können ernsthafte Komplikationen auftreten.

Die häufigste Komplikation ist ein vorübergehender Hörverlust. Die Schwellung des Gehörgangs und die Ansammlung von Eiter verhindern, dass Schallwellen das Trommelfell erreichen. Sobald die Infektion abgeklungen ist, normalisiert sich die Hörfunktion wieder.

Eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation ist die "nekrotisierende (maligne) Otitis externa". In diesem Fall breitet sich die Infektion über den Gehörgang hinaus auf das umliegende Knorpel- und Knochengewebe aus. Besonders ältere Diabetiker, Patienten unter Chemotherapie oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind gefährdet. Eine auf das Knochengewebe übergreifende Infektion kann zu starken Schmerzen und Lähmungen der Hirnnerven führen und erfordert daher einen Krankenhausaufenthalt sowie eine langfristige intravenöse Antibiotikatherapie.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Ein leichtes Jucken oder Ziehen im Ohr kann schnell vergehen, aber wenn die Symptome fortschreiten, sollten Sie ohne Zeitverlust einen Spezialisten aufsuchen. Hausmittel wie warme Umschläge oder Schmerzmittel verschaffen nur vorübergehende Linderung, heilen die Infektion jedoch nicht.

Wenn Sie eines der folgenden Warnsignale bemerken, sollten Sie die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf 112 wählen:

  • Plötzliche, unerträgliche Ohrenschmerzen, die Sie nachts aus dem Schlaf reißen.
  • Hohes Fieber von 38 Grad oder mehr in Verbindung mit Ohrenschmerzen.
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schwäche der Gesichtsmuskulatur auf einer Gesichtshälfte (Verdacht auf Gesichtslähmung).
  • Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen oder plötzlich einsetzender Schwindel.

Wenn Ihre Schmerzen nicht stark sind, aber ein übel riechender Ausfluss aus dem Ohr austritt, Sie an Hörverlust leiden oder Ihre Beschwerden nach einigen Tagen nicht nachlassen, sollten Sie unbedingt einen Termin bei einem HNO-Arzt vereinbaren.

Diagnose und Behandlungsablauf in der BHT CLINIC

In der Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi werden Diagnose und Behandlung aller Ohrenerkrankungen, einschließlich der Gehörgangsentzündung, von unseren Fachärzten mit höchster Sorgfalt durchgeführt. Dank der modernen endoskopischen und mikroskopischen Bildgebungssysteme in unseren Polikliniken wird Ihr Gehörgang detailliert untersucht, das Ausmaß der Infektion klar bestimmt und der für Sie am besten geeignete Behandlungsplan erstellt.

Manchmal können Ohrenschmerzen mit anderen Krankheiten verwechselt werden oder von einer anderen Körperregion ausstrahlen. So kann sich beispielsweise eine langwierige Infektion der oberen Atemwege zu einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) entwickeln und Druck und Schmerzen in den Ohren verursachen. Weitere Informationen zu solchen Situationen finden Sie in unserem Artikel Eine hartnäckige Grippe ist vielleicht eine Sinusitis.

Unser Krankenhaus steht Ihnen mit seiner rund um die Uhr (24/7) geöffneten Notaufnahme bei plötzlich auftretenden und unerträglichen Ohrenschmerzen jederzeit zur Seite. Um Ihre Behandlung ohne Verzögerung zu beginnen und Ihre Ohrengesundheit zu schützen, können Sie ganz einfach über unser Callcenter oder unser Online-System einen Termin vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert eine Gehörgangsentzündung?

Bei Beginn einer geeigneten medikamentösen Behandlung beginnen Symptome wie Schmerzen und Schwellungen in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Tagen abzuklingen. Es dauert jedoch durchschnittlich 7 bis 10 Tage, bis die Infektion vollständig aus dem Gehörgang entfernt ist und das Gewebe heilt. Es ist von großer Bedeutung, dass Sie die von Ihrem Arzt verschriebenen Tropfen für die angegebene Dauer vollständig anwenden, auch wenn Ihre Beschwerden in dieser Zeit nachlassen.

Ist eine Gehörgangsentzündung ansteckend?

Nein, die Otitis externa ist keine Krankheit, die direkt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie stecken niemanden an, der mit Ihnen im selben Haushalt lebt. Die Bakterien oder Pilze, die die Infektion verursachen, können jedoch in gemeinsam genutzten und unzureichend gechlorten Pools vorkommen.

Was hilft zu Hause gegen eine Gehörgangsentzündung?

Die sicherste Maßnahme, die Sie zu Hause ergreifen können, ist, das Ohr absolut trocken zu halten und die vom Arzt verschriebenen Medikamente regelmäßig anzuwenden. Das Einträufeln von Substanzen wie Olivenöl, Zwiebelsaft, Essig oder Knoblauch in das Ohr kann die Infektion massiv verschlimmern. Um die Schmerzen zu lindern, können Sie ein warmes Handtuch oder eine Wärmflasche, deren Temperatur die Haut nicht verbrennt, auf die Außenseite des Ohres legen.

Wie kann ich mich beim Schwimmen vor einer Ohrenentzündung schützen?

Trocknen Sie Ihre Ohren nach dem Verlassen des Pools oder des Meeres sanft mit einem sauberen und weichen Handtuch ab. Neigen Sie Ihren Kopf zur Seite, damit das Wasser aus dem Gehörgang abfließen kann. Vermeiden Sie unbedingt die Verwendung von Wattestäbchen. Wenn Sie häufig an Gehörgangsentzündungen leiden, ist es ratsam, beim Schwimmen individuell angepasste Silikon-Ohrstöpsel zu verwenden, die Sie in Apotheken erhalten können.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; wenden Sie sich für eine Diagnose und Behandlung unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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