Perinatologie

Was ist ein Gangroboter (Robotergestützte Rehabilitation)? Welche Vorteile bietet er?

BHT Clinic23. März 20228 Min. Lesezeit
Was ist ein Gangroboter (Robotergestützte Rehabilitation)? Welche Vorteile bietet er?

Der Gangroboter ist eine hochmoderne physiotherapeutische Methode, die für Patienten entwickelt wurde, die ihre Gehfähigkeit durch einen Schlaganfall, Rückenmarksverletzungen oder verschiedene neurologische Erkrankungen teilweise oder vollständig verloren haben. Dank der robotischen Geräte, die an den Beinen des Patienten befestigt werden, wird ein normales Gangbild perfekt simuliert und korrekte Gehsignale an das Gehirn gesendet. Diese Methode, auch als robotergestützte Rehabilitation bekannt, ermöglicht eine aktive Teilnahme des Patienten am Behandlungsprozess – in einer sicheren, ermüdungsfreien und motivierenden Umgebung.

  • Kurz gefasst:
  • Wird zur Wiedererlangung und Verbesserung der Gehfähigkeit eingesetzt.
  • Basiert auf dem Prinzip der Neuroplastizität – der Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu erneuern.
  • Äußerst effektiv bei Schlaganfall, Zerebralparese, Parkinson und Rückenmarksverletzungen.
  • Die Sitzungen dauern je nach Zustand des Patienten meist zwischen 20 und 45 Minuten.
  • Mit einem einzigen Gerät kann sowohl die robotergestützte Rehabilitation für Erwachsene als auch für Kinder (Pädiatrie) durchgeführt werden.

Was ist ein Gangroboter (Robotergestützte Rehabilitation)?

Der Gangroboter ist ein computergestütztes Behandlungssystem, das es Patienten mit eingeschränkter Mobilität ermöglicht, das physiologische Gangmuster (die natürliche Art zu gehen) neu zu erlernen. Wenn nach einer Krankheit oder einem Trauma die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln unterbrochen ist, können Patienten das Gehen vergessen oder falsche Gehgewohnheiten entwickeln. Die Gangroboter-Therapie sorgt dafür, dass die Beine in Koordination mit Händen und Armen in ein normales Gangbild übergehen und die Gewichtsverlagerung zwischen den Beinen kontrolliert abläuft.

Dieses System entlastet das Körpergewicht, das auf den Beinen lastet, indem der Patient mithilfe eines Gurtsystems leicht angehoben wird. Anschließend werden die robotischen Beine an den Beinen des Patienten befestigt, und die natürliche Gehbewegung auf dem Laufband beginnt. Das Hauptziel der Behandlung besteht darin, dem Gehirn oder dem Reflexzentrum im Rückenmark die vergessene oder gelöschte Gehbewegung durch tausendfache, fehlerfreie Wiederholung neu beizubringen.

Was ist Neuroplastizität und welche Rolle spielt sie bei der Behandlung?

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu erneuern, neue neuronale Verbindungen zu knüpfen und die Aufgaben beschädigter Bereiche an gesunde Regionen zu übergeben. Bei Ereignissen wie einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung können die Zellen, die das Gehen steuern, absterben. Andere Teile des Gehirns können jedoch lernen, diese Aufgabe zu übernehmen, wenn sie die richtigen und kontinuierlichen Reize erhalten.

Der Gangroboter gehört zu den Geräten, die den Mechanismus der Neuroplastizität am effizientesten nutzen. Wenn der Roboter den Patienten dazu bringt, die richtige Gehbewegung kontinuierlich und rhythmisch auszuführen, wird ein intensives sensorisches Feedback von den Muskeln an das Gehirn gesendet. Dieses Feedback regt das Gehirn an, neue Nervenbahnen zu bilden. Wenn sich der Patient auf seinen Gang in den Virtual-Reality-Spielen auf dem Bildschirm konzentriert, werden auch die Aufmerksamkeits- und Lernzentren des Gehirns aktiv, was den Heilungsprozess beschleunigt.

Die technologische Infrastruktur des Gangroboters

Gangroboter, wie sie bei der Lokomat-Therapie eingesetzt werden, bestehen aus vier technologischen Hauptkomponenten, die nahtlos ineinandergreifen. Das Zusammenspiel dieser Komponenten wirkt sich direkt auf die Sicherheit des Patienten und den Erfolg der Behandlung aus.

Die erste Komponente ist das dynamische Körpergewichtsentlastungssystem. Es zieht das Gewicht, das der Patient nicht tragen kann, nach oben und entlastet so die Beine. Die zweite Komponente sind die robotischen Orthesen, die an den Hüft- und Kniegelenken des Patienten befestigt werden. Hochsensible Sensoren in diesen Orthesen messen die Muskelkraft des Patienten und bieten genau so viel Unterstützung, wie nötig ist, um die Bewegung zu vollenden, die der Patient selbst nicht ausführen kann. Die dritte Komponente ist das Laufband, das synchron mit den Roboterbeinen arbeitet. Die vierte und motivierendste Komponente ist der Virtual-Reality-Bildschirm vor dem Patienten. Durch diesen Bildschirm kann der Patient sehen, wie er durch einen Wald spaziert oder Hindernisse überwindet.

Wie wird die Gangroboter-Therapie durchgeführt? Der Schritt-für-Schritt-Prozess

Der Behandlungsprozess wird mit größter Sorgfalt durchgeführt, wobei die Sicherheit und der Komfort des Patienten stets im Vordergrund stehen. Im ersten Schritt wird dem Patienten ein spezieller fallschirmartiger Gurt angelegt. Während der Patient noch im Rollstuhl sitzt, wird dieser Gurt mit dem Gerät verbunden, und ein mechanisches Seilzugsystem hebt den Patienten sanft in eine stehende Position.

Im zweiten Schritt werden die robotischen Beine mit speziellen Bändern an den Oberschenkeln und Waden des Patienten befestigt. In dieser Phase nimmt der Physiotherapeut millimetergenaue Einstellungen am Gerät vor, die auf die Beinlänge und Gelenkstruktur des Patienten abgestimmt sind. Im dritten Schritt werden über den Computer die Körpergewichtsentlastung, die Gehgeschwindigkeit und die vom Roboter auszuübende Kraft festgelegt.

Im letzten Schritt beginnt das Gehen. Während der Patient Schritte auf dem Laufband macht, beobachtet er seine eigene Simulation auf dem Bildschirm vor sich. Der Physiotherapeut überwacht während der gesamten Sitzung in Echtzeit die Muskelkontraktionen, die Beteiligungsrate und eventuelle Asymmetrien des Patienten auf dem Computerbildschirm und optimiert die Einstellungen entsprechend.

Was ist während des Behandlungsprozesses zu erwarten?

Der robotergestützte Rehabilitationsprozess ist schmerzfrei und äußerst komfortabel. Da das Gerät die Bewegungen übernimmt, die der Patient nicht ausführen kann, kommt es nicht zu dem Gefühl extremer Erschöpfung oder Auslaugung, wie es bei traditionellen Methoden oft der Fall ist. Die Sitzungen werden in der Regel je nach Toleranzgrenze des Patienten auf 20 bis 45 Minuten angesetzt.

Die Virtual-Reality-Spiele, die während der Behandlung auf dem Bildschirm erscheinen, verhindern, dass dem Patienten langweilig wird. Aufgaben wie das Sammeln von Münzen oder das Springen über Hindernisse auf dem Bildschirm erfordern eine aktive Teilnahme des Patienten an der Therapie. Diese aktive Beteiligung stärkt die Muskeln und hält gleichzeitig die Motivation hoch. In den darauffolgenden Sitzungen wird die Unterstützung durch den Roboter schrittweise reduziert, je mehr die eigene Muskelkraft des Patienten zunimmt.

Wer kann vom Gangroboter profitieren?

Der Gangroboter richtet sich an eine breite Patientengruppe, die ihre Gehfähigkeit aus orthopädischen oder neurologischen Gründen verloren hat. Insbesondere der Einsatz eines Gangroboters bei der Schlaganfallbehandlung spielt eine entscheidende Rolle dabei, den Patienten zu helfen, ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Zu den wichtigsten Patientengruppen, die von diesem Gerät profitieren können, gehören:

  • Patienten nach einem Schlaganfall (Apoplex) oder einer Hirnblutung
  • Kinder und Erwachsene mit der Diagnose Zerebralparese (CP)
  • Patienten mit Parkinson und Multipler Sklerose (MS)
  • Personen mit traumatischen Hirn- und Rückenmarksverletzungen
  • Patienten mit Paraplegie (Querschnittslähmung) und Hemiplegie (Halbseitenlähmung)
  • Patienten mit Gehschwierigkeiten nach einer Hirntumor-Operation
  • Geriatrische Patienten (altersbedingt) mit Gang- und Gleichgewichtsstörungen
  • Orthopädische Patienten nach einer Hüftprothese (Arthroplastik) oder nach einer Amputation mit Prothesenversorgung

Wann darf er nicht eingesetzt werden? Kontraindikationen

Obwohl der Gangroboter eine äußerst sichere Technologie ist, kann sein Einsatz bei bestimmten medizinischen Zuständen riskant sein. Vor der Behandlung wird in einer detaillierten Untersuchung durch einen Facharzt geprüft, ob der Patient für das Gerät geeignet ist. In folgenden Fällen wird der Gangroboter nicht eingesetzt:

  • Patienten mit schwerer Osteoporose (Knochenschwund) (wegen Frakturrisiko)
  • Personen mit nicht verheilten Brüchen oder kürzlich erlittenen orthopädischen Traumata
  • Patienten mit unkontrolliertem, schwerem Bluthochdruck (Hypertonie) oder niedrigem Blutdruck (Hypotonie)
  • Personen mit schweren Durchblutungsstörungen oder einem Risiko für tiefe Venenthrombosen (Blutgerinnsel)
  • Patienten mit starker Beinlängendifferenz (Asymmetrie)
  • Patienten, die überhaupt kein Sitzgleichgewicht halten können oder an schweren unwillkürlichen (athetoiden) Bewegungen leiden
  • Schwangere oder Frauen mit Verdacht auf eine Schwangerschaft
  • Patienten, die größer als 2 Meter oder schwerer als 140 Kilogramm sind

Was sind die Unterschiede zur traditionellen Physiotherapie?

In der traditionellen Physiotherapie werden Gehübungen meist zwischen Barren durchgeführt. Der Patient muss sich mit der Kraft seiner Arme an den Stangen festhalten, um stehen zu bleiben. Dies hindert den Patienten daran, seine Arme koordiniert mit dem Gehen zu bewegen, und führt zu einer schnellen Erschöpfung. Beim Gangroboter hingegen wird das Körpergewicht vom Gerät getragen, sodass der Patient nicht ermüdet und seine Arme im natürlichen Rhythmus des Gehens mitschwingen lassen kann.

Bei klassischen Methoden müssen oft zwei oder drei Physiotherapeuten gleichzeitig körperliche Kraft aufwenden, um einen gelähmten Patienten zum Gehen zu bringen. Bei robotischen Systemen reicht es aus, wenn ein einziger Physiotherapeut den Patienten an das Gerät anschließt und über den Computer überwacht. Zudem misst der Roboter Muskelkontraktionen und die Beteiligung des Patienten mit objektiven Daten; so bietet er die Möglichkeit, bei erkannten Problemzonen sofort einzugreifen.

Der robotergestützte Rehabilitationsprozess in der BHT CLINIC

In der Abteilung für Physikalische Therapie und Rehabilitation der BHT CLINIC verfolgen wir einen multidisziplinären Ansatz für unsere Patienten mit Gehschwierigkeiten. Unser Prozess beginnt damit, dass unsere Fachärzte den Patienten detailliert untersuchen und seinen neurologischen Zustand beurteilen. Sobald entschieden ist, dass der Patient für den Gangroboter geeignet ist, wird ein individuelles Behandlungsprotokoll erstellt.

Während des gesamten Behandlungsprozesses wird die Entwicklung unserer Patienten regelmäßig überwacht, und die Anzahl sowie die Dauer der Sitzungen werden basierend auf den erzielten Fortschritten angepasst. Über unsere Seite BHT CLINIC Terminvereinbarung können Sie ganz einfach einen Termin für ein Gespräch mit unseren Fachärzten vereinbaren und den ersten Schritt auf Ihrer Reise zur Genesung machen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Gangroboter-Therapie?

Die Dauer der Sitzungen variiert je nach körperlicher Ausdauer des Patienten und Behandlungsprotokoll zwischen mindestens 20 und maximal 45 Minuten. Die Gesamtzahl der Sitzungen wird vom Arzt in Abhängigkeit von der Erkrankung und der Genesungsgeschwindigkeit des Patienten festgelegt.

Können Kinder den Gangroboter nutzen?

Ja, eine pädiatrische robotergestützte Rehabilitation ist möglich. Kinder mit einer Oberschenkelknochenlänge von 20 cm und mehr können dank der speziellen Einstellungen des Geräts ohne zusätzliche Aufsätze sicher behandelt werden.

Ist die Lokomat-Therapie schmerzhaft?

Nein, die Behandlung ist völlig schmerzfrei. Da das Gerät das Körpergewicht des Patienten stützt und die Bewegungen innerhalb physiologischer Grenzen ausführt, werden die Gelenke nicht überlastet, und es sind keine Schmerzen oder Überanstrengungen zu spüren.

Garantiert der Gangroboter, dass man wieder laufen kann?

Der Gangroboter ist ein sehr leistungsfähiges Werkzeug, das den Heilungsprozess beschleunigt und die Gangqualität verbessert. Der Erfolg der Behandlung hängt jedoch vom Ausmaß der neurologischen Schädigung, dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns und der Motivation des Patienten ab.

Nach wie vielen Sitzungen sieht man Ergebnisse?

Die ersten positiven Effekte machen sich in der Regel nach 10 bis 15 Sitzungen in der Körperhaltung und dem Muskeltonus des Patienten bemerkbar. Für dauerhafte und deutliche Veränderungen der Gehfunktion ist meist ein längerer und regelmäßiger Behandlungsplan erforderlich.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; bitte konsultieren Sie für eine Diagnose und Behandlung unbedingt Ihren Arzt. In medizinischen Notfällen wählen Sie bitte die 112.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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