Perinatologie

Was ist ein Gangroboter (Lokomat)? Behandlungsablauf und Vorteile

Physical Therapy and Rehabilitation21. September 20246 Min. Lesezeit
Was ist ein Gangroboter (Lokomat)? Behandlungsablauf und Vorteile

Der Gangroboter (Lokomat) ist ein hochmodernes Rehabilitationsgerät, das Menschen, die ihre Gehfähigkeit durch einen Schlaganfall, eine Rückenmarksverletzung oder verschiedene neurologische Erkrankungen verloren haben, dabei hilft, wieder eigene Schritte zu machen. Indem das System die neuronalen Verbindungen zwischen Gehirn und Muskeln neu aufbaut, ahmt es die natürliche Gehbewegung exakt nach und unterstützt den Patienten dabei, sicher aufzustehen. Auf diese Weise werden die Muskeln gestärkt, der Lernprozess des Gehirns beschleunigt und die Rückkehr in den Alltag gefördert.

Kurz zusammengefasst:
  • Wird bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Rückenmarksverletzungen, Zerebralparese und Multipler Sklerose (MS) eingesetzt.
  • Ahmt den natürlichen Gang nach und trainiert so die Bewegungszentren des Gehirns neu.
  • Die Sitzungen dauern je nach körperlicher Leistungsfähigkeit des Patienten in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten.
  • Wird nicht bei Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose (Knochenschwund) oder noch nicht verheilten Knochenbrüchen angewendet.
  • Hält die Motivation des Patienten durch einen Virtual-Reality-Bildschirm während der Behandlung hoch.

Was ist der Gangroboter (Lokomat) und wie funktioniert er?

Die einfachste Antwort auf die Frage, was ein Lokomat ist: Es handelt sich um ein computergesteuertes System, das das Körpergewicht des Patienten stützt und ihm das physiologische Gangmuster neu beibringt. Das System besteht im Wesentlichen aus drei Hauptkomponenten. Dazu gehören eine Aufhängevorrichtung, die das Gewicht des Patienten entlastet, ein an den Beinen befestigtes robotisches Exoskelett (Orthese) und ein synchronisiertes Laufband. Sobald der Patient an das Gerät angeschlossen ist, bewegen sich die Roboterbeine entsprechend dem Gehwinkel und der Geschwindigkeit eines gesunden Menschen.

Dieses Funktionsprinzip löst die sogenannte Neuroplastizität aus – die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu regenerieren und neu zu strukturieren. Damit gesunde Zellen die Aufgaben der beschädigten Gehirn- oder Rückenmarkszellen übernehmen können, sind kontinuierliche und regelmäßige Wiederholungen erforderlich. Das robotische System sendet intensive Signale an das Bewegungszentrum des Gehirns, indem es in kurzer Zeit eine Schrittzahl erreicht, die mit manuellen Therapien nur sehr schwer zu bewältigen wäre.

Der Patient, der seine eigenen Bewegungen über einen Avatar auf dem Bildschirm vor sich verfolgt, nimmt aktiv am Prozess teil. Hochempfindliche Sensoren am Gerät messen in Echtzeit, wie viel Kraft der Patient aufwendet. Je mehr eigene Muskelkraft der Patient einsetzen kann, desto mehr wird die Unterstützung durch den Roboter automatisch reduziert. So wird verhindert, dass die Muskeln träge werden.

Für wen ist die Lokomat-Therapie geeignet?

Die robotische Rehabilitation kann bei vielen Patientengruppen, die ihre Gehfunktion teilweise oder vollständig verloren haben, sicher angewendet werden. Das Hauptziel der Behandlung ist es, das vorhandene Potenzial des Patienten zu maximieren und seine Unabhängigkeit zu fördern. Diese Technologie spielt eine besonders große Rolle bei der Wiederherstellung motorischer Verluste nach neurologischen Schäden.

Eine der häufigsten Indikationen für das System ist der Schlaganfall. Bei Lähmungen, die nach einer Hirnblutung oder einem Gefäßverschluss auftreten, beschleunigen gerätegestützte Therapien den Genesungsprozess deutlich, sobald sich der medizinische Zustand stabilisiert hat. Darüber hinaus wird die Therapie auch bei Rückenmarksverletzungen infolge von Verkehrsunfällen oder Stürzen eingesetzt, um die Nervenbahnen neu zu stimulieren.

Auch bei fortschreitenden neurologischen Erkrankungen wie traumatischen Hirnverletzungen, Multipler Sklerose (MS) und Parkinson ist sie wirksam, um das Gleichgewicht beim Gehen wiederherzustellen. Darüber hinaus können Patienten, die nach orthopädischen Operationen Schwierigkeiten beim Gehen haben oder aufgrund langer Bettlägerigkeit an Muskelschwund (Atrophie) leiden, von dieser Behandlung profitieren.

Für wen ist die robotische Rehabilitation nicht geeignet?

Obwohl es sich um eine hochmoderne Lösung handelt, ist die Lokomat-Therapie nicht für jeden Patienten die richtige Wahl. Vor Beginn der Behandlung führen Fachärzte eine umfassende Beurteilung durch und prüfen Risikofaktoren, die der Nutzung des Geräts im Wege stehen könnten. Um einen sicheren Behandlungsablauf zu gewährleisten, wird bei bestimmten medizinischen Indikationen auf diese Methode verzichtet.

Für Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose (Knochenschwund) wird diese Behandlung nicht empfohlen, da die mechanische Belastung durch das Gerät zu Frakturen führen kann. Ebenso darf das Gerät nicht bei Personen mit noch nicht verheilten Brüchen an den Beinen, starken Gelenkeinschränkungen oder offenen Hautwunden angewendet werden. Bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose (TVT) wird die Behandlung verschoben, da die Gefahr besteht, dass sich ein Blutgerinnsel löst.

Schwere kognitive Beeinträchtigungen, die den Patienten daran hindern, sich an das Gerät anzupassen und den Anweisungen auf dem Bildschirm zu folgen, stellen ebenfalls ein Hindernis dar. Darüber hinaus wird bei Patienten mit kardiovaskulären Problemen wie schwerer Herzinsuffizienz oder unkontrolliertem Bluthochdruck kein Eingriff ohne ärztliche Zustimmung vorgenommen, da die Anstrengung des Gehens ein Risiko darstellen könnte.

Der Behandlungsablauf: Dauer und Häufigkeit der Sitzungen

Der Ablauf der robotischen Physiotherapie wird völlig individuell geplant, basierend auf dem klinischen Zustand, dem Alter und dem Stadium der Erkrankung des Patienten. Im ersten Schritt beurteilt der Facharzt die Muskelkraft, den Bewegungsumfang der Gelenke und den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, beginnen die Anpassungsübungen an das Gerät in Begleitung eines Physiotherapeuten. Messwerte wie Größe, Gewicht und Beinlänge des Patienten werden in das System eingegeben, um eine perfekte Passform der Roboterbeine zu gewährleisten.

Eine Sitzung dauert in der Regel etwa eine Stunde, einschließlich der Vorbereitungsphase. Das Anschließen des Patienten an das Gerät und das Vornehmen der Einstellungen nehmen etwa 10 bis 15 Minuten in Anspruch, während die aktive Gehzeit je nach Toleranz des Patienten zwischen 30 und 45 Minuten variiert. Die Behandlungshäufigkeit wird meist auf 3 bis 5 Tage pro Woche festgelegt.

Die Gesamtzahl der Sitzungen hängt von der individuellen Entwicklungsgeschwindigkeit ab, es wird jedoch in der Regel ein Zyklus von durchschnittlich 15 bis 30 Sitzungen empfohlen, um signifikante Fortschritte zu erzielen. Während des gesamten Prozesses messen computergestützte Sensoren die Beteiligung des Patienten. Die gewonnenen Daten werden protokolliert, und das Behandlungsprogramm wird kontinuierlich angepasst.

Unterschiede zwischen traditioneller Physiotherapie und dem Gangroboter

Bei traditionellen physiotherapeutischen Methoden hängt das Gehtraining des Patienten von der körperlichen Kraft eines oder mehrerer Physiotherapeuten ab. Dies ist sowohl für den Therapeuten anstrengend als auch für die Anzahl der Schritte, die der Patient machen kann, limitierend. Während ein Patient in einer traditionellen Sitzung durchschnittlich 100 Schritte machen kann, ermöglicht das robotische System in einer einzigen Sitzung mehr als 1000 perfekte Schritte, ohne dass der Patient übermäßig ermüdet.

Darüber hinaus können bei traditionellen Methoden der Winkel und die Geschwindigkeit jedes Schrittes nicht immer auf dem gleichen Standard gehalten werden. Der Gangroboter hingegen führt jeden einzelnen Schritt im physiologisch optimalen Winkel und mit gleichmäßiger Gewichtsverteilung aus. Diese fehlerfreie Wiederholung verhindert, dass sich das Gehirn falsche Gehgewohnheiten aneignet.

Zudem ist es bei traditionellen Therapien schwierig, objektiv zu messen, wie viel Kraft der Patient aufwendet. Die Sensoren im robotischen System hingegen führen millimetergenaue Berechnungen durch und präsentieren die Entwicklung des Patienten in konkreten Grafiken. Diese Daten ermöglichen es dem Arzt, den Behandlungsplan zu optimieren, und helfen dem Patienten, motiviert zu bleiben, indem er seine eigenen Fortschritte visuell nachvollziehen kann.

Welche Vorteile bietet der Gangroboter bei der Schlaganfallbehandlung?

Wenn die Schlaganfallbehandlung mit dem Gangroboter durchgeführt wird, bietet dies dem Patienten nicht nur im Hinblick auf motorische Fähigkeiten, sondern auch für die allgemeine Körpergesundheit einzigartige Vorteile. Eine der wichtigsten Innovationen des Systems, das FreeD-Modul, ermöglicht es dem Becken, sich während des Gehens nach rechts und links zu bewegen und zu drehen. Auf diese Weise lernt der Patient auf natürliche Weise, sein Gewicht zu verlagern und das Gleichgewicht zu halten.

Bei Patienten, die lange Zeit bettlägerig waren, verlangsamt sich die Durchblutung, es treten Probleme im Verdauungssystem auf und die Knochendichte nimmt ab. Das aktive Gehen in aufrechter Position dank des Geräts beschleunigt die Durchblutung und unterstützt die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Die Darmtätigkeit wird reguliert und die Entstehung von Druckgeschwüren (Dekubitus) wird verhindert.

Die spielerischen Virtual-Reality-Szenarien auf dem Bildschirm verhindern, dass sich der Patient langweilt, und fördern die psychologische Genesung. Wenn Sie den Erfolg der Behandlung sehen möchten, können Sie unseren Artikel Algerischer LKW-Fahrer stand nach 5 Jahren wieder auf: Er begann in der Türkei zu laufen lesen und miterleben, wie diese Technologie Leben verändert.

Robotische Rehabilitation bei Kindern: Der pädiatrische Lokomat

Spezielle pädiatrische Module, die für kindliche Patienten mit Gehbehinderungen entwickelt wurden, passen sich perfekt an die körperlichen Gegebenheiten von Kindern an. Insbesondere bei der Behandlung von Kindern mit Zerebralparese, Spina bifida oder genetischen Muskelerkrankungen stellt dieses System einen großen Wendepunkt dar. Dank spezieller Orthesen, die an die Beinlänge der Kinder angepasst werden, wird die Knochen- und Muskelentwicklung im Wachstumsalter optimal unterstützt.

Der schwierigste Teil des Behandlungsprozesses bei Kindern ist oft der Motivationsverlust und die Tendenz, Übungen zu verweigern. Der Virtual-Reality-Bildschirm des Geräts verwandelt die Gehübungen jedoch in ein unterhaltsames Computerspiel.

Das Kind, das versucht, Aufgaben wie das Sammeln von Goldmünzen oder das Ausweichen vor Hindernissen auf dem Bildschirm zu erfüllen, setzt seine Muskeln unbewusst aktiv ein und nimmt voll an der Behandlung teil. Diese frühzeitig begonnenen Anwendungen sind äußerst effektiv bei der Vorbeugung von dauerhaften Gelenkverformungen.

Der Ablauf der robotischen Physiotherapie in der BHT CLINIC

In unserem Krankenhaus wird der Rehabilitationsprozess von einem multidisziplinären Team aus Fachärzten und erfahrenen Physiotherapeuten geleitet. Bei Ihrer ersten Untersuchung wird Ihre körperliche Leistungsfähigkeit detailliert gemessen und das für Sie am besten geeignete Behandlungsprotokoll festgelegt. In der Abteilung für Physikalische Therapie und Rehabilitation unseres Krankenhauses werden Sie in einer sicheren Umgebung mit Geräten auf dem neuesten Stand der Technik behandelt.

Wenn Sie zur Behandlung bequeme Kleidung wie einen Trainingsanzug und saubere Turnschuhe tragen, erhöht dies die Effizienz der Sitzung. Es gehört zu den Prioritäten unseres Teams, Sie während des gesamten Prozesses nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch zu unterstützen.

Obwohl unsere 24/7-Notaufnahme jederzeit für unerwartete Situationen bereitsteht, ist die Rehabilitation ein geplanter und kontrolliert ablaufender Prozess. Um Ihre Behandlung zu planen und mit unseren Experten zu sprechen, können Sie unsere Terminseite besuchen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Tut die Lokomat-Therapie weh?

Nein, diese Behandlung ist nicht schmerzhaft. Dank der unterstützenden Struktur des Geräts und der ständigen Kontrolle durch die Physiotherapeuten werden die Bewegungen vollständig innerhalb Ihrer Toleranzgrenzen ausgeführt. Es ist völlig normal, dass Sie in den ersten Sitzungen eine leichte Ermüdung aufgrund der Muskelarbeit verspüren.

Werde ich mit dem Gangroboter garantiert wieder laufen können?

Der Erfolg der Behandlung hängt vom Grad der Nervenschädigung, dem Alter des Patienten und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Das Gerät ist so konzipiert, dass es Ihr vorhandenes Heilungspotenzial maximiert. Ein völlig unabhängiges Gehen kann nicht für jeden Patienten garantiert werden, jedoch werden in der Regel deutliche Verbesserungen der Muskelkraft, des Gleichgewichts und der Lebensqualität erzielt.

Wann sollte mit der Behandlung begonnen werden?

Bei neurologischen Schäden sind die ersten sechs Monate die Zeit, in der die Heilungskapazität des Gehirns am höchsten ist. Daher wird empfohlen, nach einem Schlaganfall oder Trauma so früh wie möglich mit der Rehabilitation zu beginnen, sobald der medizinische Zustand stabil ist und die ärztliche Freigabe vorliegt.

Kann die Lokomat-Therapie auch bei Kindern angewendet werden?

Ja, dank des pädiatrischen Moduls des Systems kann es auch sicher bei kindlichen Patienten eingesetzt werden. Bei Erkrankungen wie Zerebralparese wird der Behandlungsprozess spielerisch gestaltet, indem spezielle, an die Beinlänge und den Körperbau der Kinder angepasste Vorrichtungen verwendet werden.

Bleibt der Patient während der Behandlung völlig passiv?

Definitiv nicht. Die Sensoren am Gerät messen in Echtzeit, wie viel Kraft der Patient aufwendet. Wenn der Patient in der Lage ist, ausreichend Kraft zu erzeugen, wird die Unterstützung durch den Roboter reduziert, und der Patient wird ermutigt, seine eigenen Muskeln einzusetzen. Diese aktive Teilnahme ist der Schlüssel zum Genesungsprozess.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; für eine Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt. Bei akuten, lebensbedrohlichen Beschwerden wählen Sie bitte den Notruf 112.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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