Pneumologie

Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose): Ursachen und Behandlungsmethoden

Chest Surgery12. August 20246 Min. Lesezeit
Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose): Ursachen und Behandlungsmethoden

Übermäßiges Schwitzen, medizinisch Hyperhidrose genannt, ist ein Zustand, bei dem der Körper viel mehr Schweiß produziert, als zur Regulierung der Körpertemperatur erforderlich wäre. Genetische Veranlagung sowie hormonelle Veränderungen wie Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder die Wechseljahre zählen zu den häufigsten Ursachen. Bei der Behandlung werden je nach Zustand des Patienten verschiedene Methoden erfolgreich angewandt – von Cremes und Botox bis hin zur ETS-Operation mit Clips, die eine dauerhafte Lösung bieten kann.

  • Hyperhidrose ist ein übermäßiges Schwitzen, das unabhängig von der Umgebungstemperatur auftritt.
  • Die zugrunde liegenden Ursachen können genetisch bedingt sein, aber auch auf Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen zurückgehen.
  • Zu den Lösungen für lokales Schwitzen gehören Cremes, Iontophorese, Botox und chirurgische Eingriffe.
  • Die ETS-Operation mit Clips bietet dauerhafte Ergebnisse bei starkem Schwitzen an Händen, Gesicht und Achseln.
  • Bei nächtlichem Schwitzen oder plötzlich auftretenden Schweißausbrüchen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Was ist übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)?

Unser Körper aktiviert die Schweißdrüsen, um eine erhöhte Körpertemperatur zu senken und den idealen Wärmehaushalt aufrechtzuerhalten. Bei einer Hyperhidrose sind jedoch die Nerven, die diese Schweißdrüsen stimulieren, überaktiv. Der Körper produziert kontinuierlich Schweiß, auch wenn keine körperliche Anstrengung oder hohe Temperaturen vorliegen. Dies ist eine klinische Erkrankung, die den Alltag, die sozialen Beziehungen und die Psyche der Betroffenen tiefgreifend beeinträchtigt.

Die modernen Lebensbedingungen zwingen uns oft dazu, uns in geschlossenen und begrenzten Räumen aufzuhalten. Manche Menschen verbringen fast den gesamten Tag in kleinen, geschlossenen Räumen, sei es zum Arbeiten oder Ausruhen. Diese Umgebung erschwert es, die Schweißlast an Händen und Körper auf natürliche Weise abzugeben. Bei Menschen, die viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, treten neben durch Klimaanlagen übertragenen Krankheiten auch häufig Hautprobleme auf, da die Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche nicht richtig verdunsten kann.

Doz. Dr. Orhan Yücel, Facharzt für Thoraxchirurgie an der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi, fasst diese Situation sehr treffend zusammen. Er berichtet von Patienten, denen der Schweiß förmlich von den Händen, dem Gesicht und den Achseln tropft. Dieser enorme Leidensdruck treibt die Betroffenen oft dazu, schnell nach alternativen Behandlungen zu suchen. Ohne eine professionelle und zielgerichtete Behandlungsplanung ist es jedoch schwer, dauerhafte Lösungen zu finden.

Was sind die Ursachen für übermäßiges Schwitzen?

Die zugrunde liegenden Ursachen für übermäßiges Schwitzen werden je nach Art der Erkrankung in zwei Hauptkategorien unterteilt. Diese Unterscheidung ist auch maßgeblich für die Wahl der richtigen Hyperhidrose-Behandlung.

Primäre Ursachen

Die primäre Hyperhidrose ist eine Form des Schwitzens, die ohne eine andere zugrunde liegende medizinische Erkrankung auftritt. Sie beginnt meist in der Kindheit oder Pubertät und betrifft bestimmte Körperregionen, insbesondere Hände, Füße, Achselhöhlen und das Gesicht.

Die Hauptursache für diese Art des Schwitzens ist eine Überfunktion des sympathischen Nervensystems. Emotionale Zustände wie Stress, Aufregung oder Angst können die Schweißausbrüche auslösen. Eine familiäre Vorbelastung ist bei Fällen von primärer Hyperhidrose häufig anzutreffen; die genetische Veranlagung spielt also eine große Rolle.

Sekundäre Ursachen

Die sekundäre Hyperhidrose betrifft hingegen den gesamten Körper und tritt als Symptom einer anderen zugrunde liegenden Krankheit oder eines bestimmten Zustands auf. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) beispielsweise beschleunigt den Stoffwechsel, erhöht die Körpertemperatur und führt so zu übermäßigem Schwitzen.

Bei Diabetikern kann ein plötzlicher Abfall des Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie) die Ausschüttung von Adrenalin auslösen, was zu kaltem und starkem Schwitzen führt. Bei Frauen in den Wechseljahren wiederum täuschen Schwankungen des Östrogenspiegels das Wärmeregulationszentrum des Gehirns, was Hitzewallungen und plötzliche Schweißausbrüche zur Folge hat.

Darüber hinaus können bestimmte Infektionen, neurologische Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente (wie z. B. Antidepressiva) zu den sekundären Ursachen gezählt werden. Daher zielt die Behandlung bei sekundärer Hyperhidrose in erster Linie darauf ab, die Grunderkrankung zu therapieren.

Was sind die Symptome von übermäßigem Schwitzen?

Die Symptome einer Hyperhidrose sind weitaus intensiver und belastender als normales Schwitzen. Betroffene können selbst in einer kühlen Umgebung so stark schwitzen, dass ihre Kleidung durchnässt wird. Dies ist nicht nur körperlich unangenehm, sondern kann sich auch zu einer ernsthaften sozialen Phobie entwickeln.

Besonders das Schwitzen an den Händen kann das Schreiben, die Bedienung technischer Geräte oder das Händeschütteln nahezu unmöglich machen. Übermäßiges Schwitzen an den Füßen führt zu einem schnellen Verschleiß der Schuhe und begünstigt unangenehmen Geruch. In schweren Fällen lassen sich folgende Symptome beobachten:

  • Deutliche, große Schweißflecken auf der Kleidung.
  • Schweiß, der in Tropfen von den Händen oder dem Gesicht rinnt.
  • Weißfärbung, Abschälen oder Aufweichen der ständig feuchten Haut.
  • Wiederkehrende Pilz- oder Bakterieninfektionen an den betroffenen Stellen.
  • Vermeidung sozialer Kontakte und Verlust des Selbstbewusstseins.

Wie wird die Diagnose Hyperhidrose gestellt?

Wenn Sie wegen übermäßigen Schwitzens ein Krankenhaus aufsuchen, wird Ihr Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben. Fragen danach, wann das Schwitzen begonnen hat, welche Körperregionen betroffen sind und ob Nachtschweiß auftritt, bilden die Grundlage der Diagnose.

Während der körperlichen Untersuchung können ein Jod-Stärke-Test oder spezielle Papiertests durchgeführt werden, um die Intensität des Schwitzens zu messen. Diese Tests sind sehr hilfreich, um genau zu kartieren, welche Bereiche besonders aktiv schwitzen.

Wenn Ihr Arzt eine sekundäre Hyperhidrose vermutet, kann er Blut- und Urintests anordnen, um zugrunde liegende Krankheiten auszuschließen. Durch die Untersuchung von Schilddrüsenhormonwerten, Nüchternblutzucker und Infektionsmarkern wird die eigentliche Ursache des Schwitzens ermittelt.

Behandlung von übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose)

Die Behandlung der Hyperhidrose wird völlig individuell geplant – abhängig vom Schweregrad der Beschwerden, der betroffenen Region und der zugrunde liegenden Ursache. Menschen kämpfen seit Jahren mit diesem Problem und suchen nach verschiedenen Lösungen für lokales Schwitzen.

Antitranspirant-Cremes

Den ersten Schritt der Behandlung bilden meist aluminiumchloridhaltige Antitranspirant-Cremes und Lotionen. Diese Produkte verstopfen vorübergehend die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und verhindern so, dass der Schweiß an die Hautoberfläche gelangt. Die Anwendung ist einfach, kann jedoch bei empfindlicher Haut zu Reizungen führen.

Doz. Dr. Orhan Yücel warnt vor der unkontrollierten Anwendung von Cremebehandlungen, die oft in sozialen Medien oder im Internet empfohlen werden. Er betont, dass die unbedachte Anwendung solcher Cremes bei übermäßigem Schwitzen zu einer Schwermetallbelastung führen kann, die später den Boden für verschiedene psychologische und neurologische Störungen bereiten könnte.

Iontophorese

Die Iontophorese ist eine nicht-chirurgische Methode, die besonders bei Hand- und Fußschweiß bevorzugt wird. Dabei werden Hände oder Füße in ein flaches Becken mit Wasser gelegt, durch das ein schwacher, sicherer elektrischer Strom geleitet wird. Dieser Strom stoppt vorübergehend die Aktivität der Schweißdrüsen.

Anfangs finden die Sitzungen mehrmals pro Woche statt, später werden sie zur Erhaltung seltener durchgeführt. Obwohl die Iontophorese eine sichere Methode ist, bietet sie keine dauerhafte Lösung, und die Sitzungen müssen regelmäßig fortgesetzt werden.

Botox

Botulinumtoxin (Botox) wirkt, indem es die Nervensignale blockiert, die die Schweißdrüsen stimulieren. Es gilt als einer der Goldstandards, insbesondere für die Behandlung von Achselschweiß. Das Medikament wird mit feinen Nadeln in den schwitzenden Bereich injiziert.

Die Wirkung tritt in der Regel wenige Tage nach der Anwendung ein und hält durchschnittlich 4 bis 6 Monate an. Sobald die Wirkung nachlässt, muss das Verfahren wiederholt werden. Botox kann auch an Händen und Füßen angewendet werden, ist in diesen Bereichen jedoch oft etwas schmerzhafter.

ETS-Operation mit Clips

Wenn das Problem mit nicht-chirurgischen Methoden nicht gelöst werden kann, kommt die ETS-Operation (Endoskopische Thorakale Sympathektomie) mit Clips ins Spiel, die eine sehr hohe Chance auf eine dauerhafte Wirkung bietet. Doz. Dr. Orhan Yücel weist darauf hin, dass die Chirurgie die effektivste und dauerhafteste Behandlung bei lokalem übermäßigem Schwitzen ist. Bei dieser minimalinvasiven Operation werden Titanklips an den sympathischen Nerven angebracht, die das Schwitzen verursachen.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Operation mit der richtigen Indikation durchgeführt wird. Doz. Dr. Yücel erklärt, dass Sie ein geeigneter Kandidat für die Chirurgie sein könnten, wenn Ihre Hände, Ihr Gesicht oder Ihre Achseln nachts beim Schlafen nicht schwitzen. Patienten, die ausschließlich an Hand-, Gesichts-, Achsel- und Fußschweiß leiden, sollten unbedingt für eine ETS-Operation mit Clips evaluiert werden. Bei einem Schwitzen, das den gesamten Körper betrifft, ist die Chirurgie hingegen nicht wirksam.

In der Vergangenheit wurde bei diesen Operationen ein Kauter (elektrisches Skalpell) verwendet, um die Nerven zu durchtrennen oder zu veröden. Dies konnte jedoch zu größeren Schäden am Nervengewebe, einer Verlangsamung der Herzfrequenz und einer erhöhten Häufigkeit von kompensatorischem Schwitzen am restlichen Körper führen. Bei der Clip-Methode wird der Nerv weder durchtrennt noch verbrannt. Sollte sich der Patient nach der Operation mit seinem Allgemeinzustand unwohl fühlen, können die Clips entfernt werden, und der Patient kehrt in den meisten Fällen weitgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurück.

Komplikationen und Risikogruppen

Wenn übermäßiges Schwitzen nicht behandelt wird, bleibt die Haut ständig feucht und wird anfällig für Pilz- und Bakterieninfektionen. Besonders zwischen den Zehen und in den Achselhöhlen können hartnäckige Hautprobleme auftreten. Neben den physischen Komplikationen sind soziale Isolation und Depressionen häufige psychologische Folgen.

Auch chirurgische Behandlungen bergen eigene Risiken. Das häufigste Problem ist das sogenannte kompensatorische (reflektorische) Schwitzen. Nach der Operation kann an anderen Körperstellen (z. B. am Rücken oder Bauch) ein übermäßiges Schwitzen beginnen. Doz. Dr. Yücel betont, dass sie großen Wert auf die richtige Patientenauswahl vor der Operation und die angewandte chirurgische Methode legen, um das Risiko des kompensatorischen Schwitzens zu minimieren.

Personen mit einer familiären Vorbelastung für Hyperhidrose, Diabetiker und Menschen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen gehören zur Hochrisikogruppe für übermäßiges Schwitzen. Diese Personen sollten ihre Schweißbeschwerden nicht ignorieren und einen Facharzt konsultieren, ähnlich wie bei den Maßnahmen zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Obwohl Schwitzen meist ein natürlicher Prozess ist, kann es in einigen Fällen der Vorbote eines ernsthaften Gesundheitsproblems sein. Wenn Ihre tägliche Lebensqualität sinkt und Sie beginnen, soziale Situationen zu meiden, ist es an der Zeit, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie eines der folgenden Warnsignale bemerken, sollten Sie umgehend eine medizinische Einrichtung aufsuchen:

  • Wenn das Schwitzen plötzlich und unerklärlich beginnt.
  • Wenn Sie nachts so stark schwitzen, dass Sie davon aufwachen (Nachtschweiß).
  • Wenn das Schwitzen von ungewolltem Gewichtsverlust, hohem Fieber oder anhaltendem Husten begleitet wird.
  • Wenn das Schwitzen nur auf einer Körperhälfte (asymmetrisch) auftritt.
  • Wenn das Schwitzen mit Brustschmerzen, Atemnot oder Taubheitsgefühl im linken Arm einhergeht (Dies kann ein Anzeichen für einen Herzinfarkt sein, wählen Sie sofort den Notruf 112).

Der Ablauf in der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi

In unseren Abteilungen für Pneumologie und Thoraxchirurgie der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi werden Patienten mit übermäßigem Schwitzen durch einen multidisziplinären Ansatz beurteilt. Unsere Fachärzte untersuchen die zugrunde liegenden Ursachen sorgfältig und bieten Ihnen den am besten geeigneten medizinischen oder chirurgischen Behandlungsplan an.

In unserem Krankenhaus werden hochmoderne chirurgische Eingriffe wie die ETS-Operation mit Clips von erfahrenen Chirurgen sicher durchgeführt. Mit unserer 24/7-Notaufnahme und unseren gut ausgestatteten Polikliniken stehen wir Ihnen zur Seite, damit Sie den Schritt in ein gesundes Leben machen können. Für eine detaillierte Beurteilung können Sie über unsere Website einen Termin vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen

Was ist kompensatorisches (reflektorisches) Schwitzen?

Kompensatorisches Schwitzen bedeutet, dass nach einer ETS-Operation das Schwitzen an den Händen oder Achseln aufhört, dafür aber an anderen Körperstellen wie Rücken, Bauch oder Beinen ein neues, ausgleichendes übermäßiges Schwitzen beginnt. Dies ist die bekannteste Nebenwirkung der chirurgischen Behandlung.

Ist die ETS-Operation reversibel?

Wenn die Nerven während der Operation nicht mit einem Kauter verbrannt, sondern stattdessen Titanklips verwendet wurden, ist die Operation weitgehend reversibel. Wenn die Clips entfernt werden, kann die Nervenleitung wiederhergestellt werden und der Patient kann in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren.

Ist nächtliches Schwitzen gefährlich?

Starker Nachtschweiß trotz normaler Raumtemperatur kann ein Symptom für ernsthafte Erkrankungen wie Infektionen, Schilddrüsenprobleme oder bestimmte Arten von Lymphomen sein. Daher sollte nächtliches Schwitzen unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden.

Sind Lösungen für lokales Schwitzen dauerhaft?

Lösungen wie Antitranspirant-Cremes, Iontophorese und Botox bieten eine vorübergehende Linderung und müssen regelmäßig wiederholt werden. Nur die ETS-Operation mit Clips, die bei den richtigen Patienten angewandt wird, bietet eine dauerhafte Lösung.

Was ist die beste Methode zur Behandlung von Achselschweiß?

Bei Achselschweiß ist Botox in der Regel die erste Wahl; es sorgt für 4 bis 6 Monate für eine hohe Trockenheit. Wenn Botox nicht ausreicht oder eine dauerhafte Lösung gesucht wird, werden chirurgische Optionen in Betracht gezogen.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken. Für eine Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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