Dermatologie

Hightech-Lösung für chronische Schmerzen: Der Schmerzschrittmacher

Doç. Dr. Mustafa KILIÇ18. April 20256 Min. Lesezeit
Hightech-Lösung für chronische Schmerzen: Der Schmerzschrittmacher

Die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, oft als Schmerzschrittmacher bezeichnet) ist ein medizinisches Hightech-Gerät. Es kontrolliert schwere Schmerzen, die weder auf Medikamente noch auf Physiotherapie ansprechen, durch sanfte elektrische Impulse an das Rückenmark. Dieses System blockiert die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn und kann so die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessern. Besonders für Menschen, die nach einer Behandlung für chronische Rückenschmerzen suchen und ihren Alltag nur noch mit Mühe bewältigen können, bietet dies eine wirksame Option.

Auf einen Blick:
  • Der Schmerzschrittmacher fängt Schmerzsignale ab, bevor sie das Gehirn erreichen.
  • Er wird besonders bei anhaltenden Schmerzen nach erfolglosen Rückenoperationen eingesetzt.
  • Vor der dauerhaften Implantation findet immer eine vorübergehende Testphase statt.
  • Der Eingriff erfolgt meist unter lokaler Betäubung oder leichter Sedierung.
  • Das System ist vollständig reversibel und kann bei Bedarf wieder entfernt werden.
  • Ziel ist nicht die völlige Schmerzfreiheit, sondern eine Linderung um 50 bis 70 Prozent.

Was ist die Rückenmarkstimulation (Schmerzschrittmacher)?

Die Rückenmarkstimulation hat die Behandlung chronischer Schmerzen revolutioniert. Bei diesem Neuromodulationssystem wird die Art und Weise verändert, wie das Gehirn Schmerzsignale wahrnimmt. Im menschlichen Körper wird Schmerz über Nerven an das Rückenmark und von dort an das Gehirn geleitet. Die Technologie besteht aus einem kleinen Generator – ähnlich einem Herzschrittmacher – und feinen Elektrodenkabeln, die im hinteren Bereich des Rückenmarks platziert werden. Das Gerät sendet sehr schwache elektrische Signale an die Nervenbahnen, die in die Schmerzregion führen.

Diese Signale sorgen dafür, dass das Schmerzempfinden durch ein sanftes Kribbeln ersetzt wird. Bei Geräten der neuesten Generation mit Hochfrequenz wird der Schmerz sogar direkt blockiert, ohne dass Sie überhaupt etwas spüren. Das System lässt sich von außen mit einer Fernbedienung an Ihre Schmerzintensität, Körperhaltung und alltäglichen Aktivitäten anpassen. Ein großer Vorteil dieser Therapie: Sie hinterlässt keine dauerhaften Schäden an den Nervenbahnen oder am Rückenmark. Da die Methode reversibel ist, kann das System in späteren Jahren vollständig entfernt werden, falls Sie auf eine andere Behandlung umsteigen möchten.

Für wen ist ein Schmerzschrittmacher geeignet?

Die Therapie mit einem Schmerzschrittmacher ist nicht die erste Wahl bei jedem Schmerzpatienten. Bevor diese Methode in Betracht gezogen wird, müssen Sie in der Regel mindestens sechs Monate lang alle anderen klassischen Behandlungen – wie Medikamente, Physiotherapie, Injektionen oder Operationen – ohne ausreichenden Erfolg ausprobiert haben. Die häufigste Patientengruppe sind Menschen mit dem sogenannten Postdiskektomie-Syndrom (Failed Back Surgery Syndrome). Das sind Patienten, die trotz einer oder mehrerer Bandscheiben- oder Wirbelsäulenoperationen weiterhin unter starken Schmerzen leiden.

Darüber hinaus ist die Methode sehr effektiv bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie, die sich oft durch ein brennendes oder stechendes Gefühl in den Füßen äußert. Das Komplexe Regionale Schmerzsyndrom (CRPS), anhaltende neuropathische Schmerzen nach Nervenverletzungen an Armen und Beinen sowie ischämische Gliedmaßenschmerzen aufgrund von Durchblutungsstörungen sind weitere Bereiche, in denen der Schmerzschrittmacher erfolgreich eingesetzt wird. Bei der Entscheidung für diese Therapie wird auch die psychologische Verfassung bewertet, da chronische Schmerzen langfristig zu Depressionen und Angstzuständen führen können.

Die Voruntersuchungen: Schritt für Schritt

Vor der Operation müssen sich die Patienten einer detaillierten medizinischen Untersuchung unterziehen. Zunächst werden Ihre Schmerzgeschichte, aktuelle Medikamente und frühere Operationen genau analysiert. Durch Bluttests, ein EKG und hochauflösende MRT-Bilder der Wirbelsäule wird geprüft, ob die anatomische Struktur des Rückenmarks für die Implantation geeignet ist. Außerdem wird geklärt, ob Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen; diese müssen vor dem Eingriff entsprechend angepasst werden.

Zu diesem Standardverfahren gehört auch ein Gespräch mit einem Facharzt für Psychiatrie oder Psychologie. Hierbei geht es darum, die psychische Belastung durch den chronischen Schmerz einzuschätzen und zu prüfen, wie gut Sie sich an das Gerät gewöhnen können. Es wird Ihnen klar und transparent erklärt, dass das Gerät den Schmerz nicht komplett ausschalten wird. Das realistische Ziel ist eine Reduzierung der Schmerzen um 50 bis 70 Prozent, damit Sie Ihren Alltag wieder selbstständig meistern können. Nach all diesen Untersuchungen beginnt die Testphase.

Operationsablauf und Genesung

Die Testphase (Temporärer Schrittmacher)

Die Therapie der Rückenmarkstimulation besteht aus einem zweistufigen chirurgischen Prozess. Der erste Schritt, die Testphase, dient dazu herauszufinden, ob Sie wirklich von der Behandlung profitieren. Unter örtlicher Betäubung und leichter Sedierung wird mithilfe einer speziellen Nadel eine feine Elektrode auf die Rückenmarkshaut gelegt. Diese Elektrode wird mit einer externen, vorübergehenden Batterie verbunden. Sie verbringen dann einige Tage mit diesem provisorischen System in Ihrem Zuhause oder Hotel. Wenn sich Ihre Schmerzen in dieser Zeit deutlich verringern, fällt die Entscheidung für den dauerhaften Schrittmacher.

Die dauerhafte Implantation

Der zweite Schritt, die eigentliche Implantation, findet meist unter Vollnarkose oder tiefer Sedierung statt. Die am Rückenmark platzierten Elektroden werden über feine, unter der Haut verlaufende Kabel mit dem eigentlichen Generator verbunden. Dieser wird in eine kleine Hauttasche im Gesäß- oder Bauchbereich eingesetzt. Der Eingriff dauert durchschnittlich zwei bis drei Stunden. Die ersten Einstellungen des Geräts werden noch im Operationssaal oder auf Ihrem Patientenzimmer vorgenommen. Dabei wird Ihnen ausführlich erklärt, wie Sie die Fernbedienung selbst nutzen können.

Der Heilungsprozess

Nach der Implantation bleiben die Patienten in der Regel ein bis zwei Tage zur Überwachung im Krankenhaus. Die ersten Wochen nach der Entlassung sind eine sensible Phase, in der die Elektroden fest mit dem Gewebe im Rückenmark verwachsen müssen. In dieser Zeit müssen Sie abrupte Bewegungen wie Bücken, Drehen, weites Strecken oder das Heben schwerer Gegenstände unbedingt vermeiden. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, ist es lebenswichtig, die Schnitte sauber und trocken zu halten. Nach etwa sechs bis acht Wochen können die meisten Patienten nach ärztlicher Rücksprache wieder in ihr normales Leben zurückkehren.

Komplikationen und mögliche Risiken

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff birgt auch die Implantation eines Schmerzschrittmachers gewisse Risiken. Die häufigste Komplikation ist das Verrutschen der Elektroden auf dem Rückenmark. Dies führt dazu, dass sich die Richtung der Impulse ändert und die Schmerzregion nicht mehr optimal abgedeckt wird. Meist ist dann eine kleine chirurgische Korrektur nötig. Um dies zu verhindern, ist es absolut notwendig, die Bewegungseinschränkungen in den ersten Wochen strikt einzuhalten.

Weitere mögliche Risiken sind Infektionen an der Schnittstelle, Blutungen unter der Haut, der Austritt von Nervenwasser (Liquor) sowie Empfindlichkeit im Bereich der Batterie. In seltenen Fällen können technische Probleme wie ein Hardwaredefekt oder ein Kabelbruch auftreten. Das Risiko, dass bei dem Eingriff Nerven im Rückenmark beschädigt werden, ist extrem gering. Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus ist einer der Hauptfaktoren, die das Infektionsrisiko erhöhen können.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

In der Zeit nach der Operation können bestimmte Symptome sofortige medizinische Hilfe erfordern. Wenn Sie eine der folgenden Situationen erleben, sollten Sie umgehend Ihren Arzt kontaktieren:

  • Zunehmende Rötung, Schwellung, Überwärmung oder eitriger Ausfluss an der Wunde.
  • Hartnäckiges Fieber von 38 Grad Celsius oder höher.
  • Plötzliche, starke Schmerzen im Bereich der implantierten Batterie.
  • Die alten Schmerzen kehren plötzlich in gleicher Intensität zurück, obwohl das Gerät eingeschaltet ist.
  • Die elektrischen Impulse werden an ungewollten, anderen Körperstellen gespürt.

Wenn bei Ihnen plötzlicher Kraftverlust in den Beinen oder Armen, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder der Verlust der Blasen- und Darmkontrolle (Inkontinenz) auftreten, handelt es sich um schwere neurologische Symptome. Wählen Sie in diesem Fall sofort den Notruf 112 (gilt in Deutschland, Europa und der Türkei) oder suchen Sie die Notaufnahme des nächstgelegenen, gut ausgestatteten Krankenhauses auf.

Ihr Behandlungsablauf in der BHT CLINIC

Wenn Sie mit chronischen Schmerzen kämpfen, erstellen wir in der hochmodernen Abteilung für Neurochirurgie der BHT CLINIC Tema Hastanesi individuelle Behandlungspläne für Sie. Unser Spezialist Doz. Dr. Mustafa Kılıç und unser erfahrenes Team setzen modernste Neuromodulationstechnologien ein, um Ihre Lebensqualität zu verbessern. Ihr Weg bei uns beginnt mit einer ausführlichen Untersuchung und radiologischen Diagnostik.

Neben der Implantation von Schmerzschrittmachern bieten wir für geeignete Patienten auch erfolgreich nicht-operative Methoden wie die Radiofrequenztherapie an. Für die Narbenpflege nach der Operation oder bei anderen Hautempfindlichkeiten steht Ihnen unsere Abteilung für Dermatologie zur Seite. Wenn die Entscheidung für eine Operation gefallen ist, wird jeder Schritt – von der Testphase bis zur dauerhaften Implantation – für unsere internationalen Patienten sorgfältig geplant. Für unvorhergesehene Fälle ist unsere Notaufnahme rund um die Uhr, 7 Tage die Woche, für Sie da. Um sich von Schmerzen zu befreien, die Ihr Leben einschränken, können Sie hier einen Termin vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Operation für einen Schmerzschrittmacher?

Das Einsetzen des temporären Schrittmachers für die Testphase dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Die Operation für den dauerhaften Schrittmacher nimmt durchschnittlich zwei bis drei Stunden in Anspruch. Die genaue Dauer hängt von der Anatomie des Patienten und der Anzahl der Elektroden ab.

Beseitigt der Schmerzschrittmacher die Schmerzen komplett?

Das Hauptziel dieser Behandlung ist nicht die völlige Schmerzfreiheit, sondern eine Linderung um 50 bis 70 Prozent, um Ihre Lebensqualität spürbar zu steigern. Diese Reduzierung reicht für viele Patienten aus, um den Alltag wieder zu meistern, gut zu schlafen und den Medikamentenkonsum drastisch zu senken.

Darf ich mit einem Schmerzschrittmacher ins MRT?

Die meisten Schmerzschrittmacher der neuen Generation sind MRT-kompatibel. Vor einer MRT-Untersuchung muss das Gerät jedoch in einen speziellen MRT-Modus geschaltet oder ganz ausgeschaltet werden. Sie müssen dem Radiologen und Ihrem behandelnden Arzt vor der Untersuchung unbedingt Marke und Modell Ihres Geräts mitteilen.

Wie lange hält die Batterie und was passiert danach?

Nicht wiederaufladbare Batterien haben je nach Nutzungshäufigkeit eine Lebensdauer von 3 bis 7 Jahren. Wiederaufladbare Systeme können bis zu 10 Jahre halten. Wenn die Batterie leer ist, bleiben die Elektroden an ihrem Platz. Lediglich die Batterie unter der Haut wird in einem kleinen, lokalen Eingriff ausgetauscht.

Ist das Gerät von außen sichtbar?

Der dauerhafte Generator wird unter die Haut gepflanzt, meist in das Fettgewebe im Bauch- oder Gesäßbereich. Von außen ist keine deutliche Schwellung oder Narbe zu erkennen. Sie können problemlos enge Kleidung tragen oder schwimmen gehen.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken. Für eine genaue Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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Schmerzschrittmacher (Rückenmarkstimulation) in der Türkei | BHT CLINIC