Pädiatrische Kardiologie

Angeborene Herzfehler: Symptome, Ursachen und Behandlung

BHT CLINIC10. Februar 20266 Min. Lesezeit
Angeborene Herzfehler: Symptome, Ursachen und Behandlung

Angeborene Herzfehler (kongenitale Herzerkrankungen) sind Anomalien in der Struktur, den Klappen oder den Blutgefäßen des Herzens, die während der Entwicklung im Mutterleib entstehen. Die Symptome von Herzerkrankungen bei Babys äußern sich meist durch eine Blaufärbung der Haut, Trinkschwierigkeiten und schnelles Atmen. Dank der modernen Medizin können diese strukturellen Probleme durch Methoden wie die fetale Echokardiografie bereits vor der Geburt erkannt werden, sodass ohne Zeitverlust ein Behandlungsplan für die Zeit nach der Entbindung erstellt werden kann.

Kurz und knapp:
  • Bei etwa einem von hundert Lebendgeborenen tritt eine angeborene Herzanomalie auf.
  • Die Diagnose kann bereits im Mutterleib durch eine fetale Echokardiografie sicher gestellt werden.
  • Eine Blaufärbung der Lippen und Nagelbetten ist eines der deutlichsten Warnsignale.
  • Viele kleine Herzfehler (wie VSD, ASD) können sich mit der Zeit von selbst schließen.
  • Durch Früherkennung und moderne chirurgische Ansätze erreicht die überwiegende Mehrheit der Patienten ein gesundes Erwachsenenalter.

Was sind angeborene Herzfehler (kongenitale Herzerkrankungen)?

Das Herz formt sich und erhält seine Grundstruktur in den ersten acht Wochen der Entwicklung im Mutterleib. Jede Störung in dieser kritischen Entstehungsphase führt zu strukturellen Defekten in den Herzkammern, den Herzklappen oder den großen Blutgefäßen, die aus dem Herzen austreten. Dieser in der medizinischen Fachsprache als kongenitaler Herzfehler bezeichnete Zustand verhindert, dass das Blut im Körper richtig gepumpt oder mit Sauerstoff angereichert wird.

Der Schweregrad der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Während einige Babys nur ein kleines Loch im Herzen haben, das jahrelang ohne Symptome unbemerkt bleiben kann, treten bei anderen viel komplexere und akut behandlungsbedürftige Krankheitsbilder auf, bei denen sich beispielsweise eine Herzhälfte gar nicht entwickelt hat. Diese in der Bevölkerung recht häufigen Strukturprobleme stehen an erster Stelle der im Kindesalter auftretenden angeborenen Anomalien. Dank fortschrittlicher chirurgischer und kardiologischer Methoden können heute viele Fälle erfolgreich behandelt werden, die in der Vergangenheit als aussichtslos galten.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei der Mehrheit der angeborenen Herzfehlern lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Medizinische Forschungen zeigen jedoch, dass ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren den Boden für diese Erkrankung bereitet. Der Gesundheitszustand der werdenden Mutter vor und während der Schwangerschaft hat direkten Einfluss auf die Herzentwicklung des Babys.

Unter den genetischen Faktoren spielen Chromosomenanomalien wie das Down-Syndrom, das Turner-Syndrom und das DiGeorge-Syndrom eine herausragende Rolle. Bei Babys mit diesen Syndromen ist das Risiko für Herzanomalien deutlich erhöht. Auch wenn bei einem Elternteil oder bei früheren Kindern in der Familie bereits angeborene Herzfehler aufgetreten sind, steigt das Risiko für das ungeborene Kind.

Die umwelt- und mütterlichen Risikofaktoren sind vielfältig. Eine Rötelninfektion (Rubella) in den ersten Schwangerschaftsmonaten stört die Herzentwicklung des Babys massiv. Eine unzureichend eingestellte Diabeteserkrankung der Mutter, die Einnahme bestimmter Medikamente ohne ärztliche Rücksprache während der Schwangerschaft sowie der Konsum von Alkohol und Tabakwaren gehören ebenfalls zu den Hauptfaktoren, die strukturelle Herzfehler auslösen können.

Häufige Arten von Herzfehlern

Kongenitale Herzfehler werden je nach Ort des Defekts und dessen Auswirkungen auf den Blutfluss in verschiedene Gruppen unterteilt. Es ist hilfreich, die häufigsten Arten in ihren Grundzügen zu kennen, um den Prozess besser zu verstehen.

Löcher im Herzen (ASD und VSD)

Hierbei handelt es sich um eine Öffnung in der Herzscheidewand (Septum), die die rechte und linke Herzkammer voneinander trennt. Ein Loch zwischen den Vorhöfen wird als Vorhofseptumdefekt (Atriumseptumdefekt, ASD) bezeichnet, ein Loch zwischen den Hauptkammern als Ventrikelseptumdefekt (VSD). Diese Löcher führen dazu, dass sich sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut vermischen, was die Blutmenge in den Lungen erhöht und im Laufe der Zeit zu einer Herzinsuffizienz führen kann.

Klappenstenosen und -insuffizienzen

Dies beschreibt den Zustand, wenn sich die Herzklappen nicht vollständig öffnen (Stenose) oder nicht richtig schließen (Insuffizienz). Am häufigsten sind die Pulmonalklappe und die Aortenklappe betroffen. Bei einer Klappenverengung muss das Herz deutlich härter arbeiten, um das Blut zu pumpen, was zu einer Verdickung und Ermüdung des Herzmuskels führt.

Anomalien der großen Gefäße

Dazu gehören komplexe Erkrankungen, bei denen die großen, aus dem Herzen austretenden Blutgefäße vertauscht sind (Transposition der großen Arterien) oder mehrere Anomalien gleichzeitig auftreten, wie bei der Fallot-Tetralogie. Bei diesen Krankheitsbildern wird der Körper meist nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, und das Baby weist unmittelbar nach der Geburt eine starke Blaufärbung (Zyanose) auf.

Symptome von Herzerkrankungen bei Babys

Die Symptome angeborener Herzfehler können je nach Art und Schweregrad des Problems unmittelbar nach der Geburt oder erst Monate, manchmal sogar Jahre später auftreten. Es ist von unschätzbarem Wert, wenn Eltern ihre Babys beim Füttern und Schlafen genau beobachten, um frühe Anzeichen zu erkennen.

Das häufigste Symptom im Neugeborenen- und Säuglingsalter sind Trinkschwierigkeiten. Das Saugen ist für ein Baby eine große Anstrengung und gleicht fast einem Belastungstest. Ein Baby mit einem Herzproblem ermüdet beim Stillen schnell, lässt oft die Brust los, um sich auszuruhen, und auf seiner Stirn bilden sich Schweißperlen. Wenn der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, fällt eine Blaufärbung (Zyanose) um die Lippen, an der Zunge und an den Nagelbetten auf.

Schnelles und angestrengtes Atmen, pfeifende Atemgeräusche und eine Stagnation der Gewichtszunahme sind weitere wichtige Warnsignale. Die Lungen von Babys mit Herzinsuffizienz sind anfälliger für Infektionen. Besonders in den Wintermonaten können häufig wiederkehrende Atemwegsinfektionen (wie z. B. das RSV-Virus) die Symptome der Herzschwäche verschlimmern, und der Heilungsprozess dauert weitaus länger als bei gesunden Babys.

Diagnose: Wie wird im Krankenhaus diagnostiziert?

Die Diagnose angeborener Herzfehler kann bereits während der Schwangerschaft gestellt werden. Die effektivste und zuverlässigste Methode ist die fetale Echokardiografie, bei der das Herz des ungeborenen Babys detailliert untersucht wird. Dieser Ultraschall wird in der Regel zwischen der 18. und 24. Schwangerschaftswoche durchgeführt und zeigt die Struktur des Herzens, die Herzkammern und die Gefäßverbindungen deutlich. Für Babys, die pränatal diagnostiziert werden, wird die Geburt in einem voll ausgestatteten Krankenhaus geplant, sodass sofort nach der Entbindung ein Kinderkardiologe eingreifen kann.

In der Phase nach der Geburt entsteht der erste Verdacht oft, wenn der Kinderarzt bei einer Routineuntersuchung ein Herzgeräusch (ein unnormales Geräusch) hört. Ein Pulsoximetrie-Screening (Messung des Sauerstoffgehalts im Blut), das vor der Entlassung aus dem Krankenhaus durchgeführt wird, ist lebensrettend, um bestimmte kritische Herzfehler zu erkennen, die noch keine Symptome verursachen.

In Verdachtsfällen wird zur endgültigen Diagnose eine pädiatrische Echokardiografie (Kinderherz-Ultraschall) durchgeführt. Diese Untersuchung ist völlig schmerzfrei, kommt ohne Strahlung aus und zeigt sofort alle anatomischen Details des kindlichen Herzens sowie die Blutflussgeschwindigkeit auf dem Bildschirm. Bei Bedarf werden auch ein EKG (Elektrokardiogramm) und eine Röntgenaufnahme der Lunge in den Diagnoseprozess einbezogen.

Behandlungsoptionen

Nicht jeder angeborene Herzfehler erfordert sofort eine Operation. Der Behandlungsplan wird gemeinsam von Teams der Kinderkardiologie und der Kinderherzchirurgie festgelegt, basierend auf dem Alter und Gewicht des Babys, der Art der Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand.

Kleinere Löcher im Herzen (insbesondere VSDs im muskulären Bereich und kleine ASDs) schließen sich meist in den ersten Lebensjahren von selbst, während das Baby wächst. In dieser Zeit wird das Baby lediglich in regelmäßigen Abständen per Echokardiografie überwacht. Bei Babys mit Anzeichen einer Herzinsuffizienz werden harntreibende und herzmuskelunterstützende Medikamente eingesetzt, um die Arbeitsbelastung des Herzens zu verringern und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge abzubauen.

Wenn ein Eingriff erforderlich ist, stehen zwei Hauptmethoden im Vordergrund. Die erste ist die Angiografie (Herzkatheteruntersuchung). Über einen dünnen Schlauch, der über die Leiste eingeführt wird, können einige Löcher im Herzen mit schirmchenartigen Vorrichtungen verschlossen oder verengte Klappen mit einem Ballon geweitet werden, ohne dass der Brustkorb geöffnet werden muss. Die zweite Methode ist die offene Herzchirurgie. Bei komplexen Anomalien, großen Löchern oder vertauschten Gefäßen ist eine chirurgische Operation unumgänglich. Der Heilungsprozess nach der Operation variiert von Patient zu Patient, aber die Babys kehren in der Regel innerhalb weniger Wochen zu ihren normalen Ernährungs- und Wachstumsgewohnheiten zurück.

Komplikationen und Risikogruppen

Unbehandelte oder zu spät behandelte angeborene Herzfehler führen in späteren Jahren zu ernsthaften Gesundheitsproblemen. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck in den Lungengefäßen (pulmonale Hypertonie), Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) und chronische Herzinsuffizienz sind die häufigsten Komplikationen.

Darüber hinaus haben Kinder mit strukturellen Herzfehlern ein überdurchschnittlich hohes Risiko für eine Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen). Aus diesem Grund kann vor allem vor zahnärztlichen Behandlungen oder bestimmten chirurgischen Eingriffen die Einnahme von präventiven Antibiotika erforderlich sein. Die Beachtung der Mund- und Zahnhygiene ist für Kinder in dieser Risikogruppe von entscheidender Bedeutung. Frühgeborene, Babys mit genetischen Syndromen und solche mit niedrigem Geburtsgewicht haben ein höheres Risiko für Herzerkrankungen und müssen daher viel engmaschiger überwacht werden.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Die Einhaltung der routinemäßigen monatlichen Kontrolluntersuchungen für Babys ist der wichtigste Schritt, um ein mögliches Herzproblem frühzeitig zu erkennen. Wenn Sie jedoch eines der folgenden Symptome beobachten, sollten Sie einen Kinderarzt oder Kinderkardiologen aufsuchen:

  • Ihr Baby ermüdet beim Trinken sehr schnell und schwitzt stark an der Stirn,
  • Die Gewichtszunahme stagniert oder bleibt im Vergleich zu Gleichaltrigen weit zurück,
  • Es leidet häufig an Erkrankungen der unteren Atemwege wie Lungenentzündung oder Bronchitis,
  • Die Atmung ist ständig schnell und angestrengt.

In den folgenden Situationen sollten Sie jedoch keine Zeit verlieren und sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen:

  • Eine plötzlich auftretende, starke Blaufärbung an den Lippen, der Zunge oder dem gesamten Körper des Babys (Zyanose- oder hypoxämischer Anfall),
  • Extreme Schwäche, Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umgebung oder die Unfähigkeit, aufzuwachen,
  • Extreme Atembeschwerden, deutliche Einziehungen am Brustkorb,
  • Plötzliche Ohnmachtsanfälle (Synkopen).

Der Ablauf in der BHT CLINIC

In der Abteilung für Kinderkardiologie unseres Krankenhauses wird die Herzgesundheit vom fetalen Stadium im Mutterleib über das Neugeborenen- und Kindesalter bis hin zu jungen Erwachsenen sorgfältig überwacht. Babys, bei denen durch die fetale Echokardiografie eine Frühdiagnose gestellt wurde, stehen vom Moment der Geburt an unter der Aufsicht unserer Spezialisten für neonatale Intensivmedizin und Kinderkardiologie.

Mit unseren fortschrittlichen Echokardiografie-Geräten und unserem erfahrenen Team können selbst die kleinsten strukturellen Probleme am Herzen schnell erkannt und individuell zugeschnittene Behandlungspläne erstellt werden. In Fällen, die ein sofortiges Eingreifen erfordern, stehen wir unseren Patienten mit unserer Notaufnahme, die rund um die Uhr an 7 Tagen in der Woche geöffnet ist, und unseren voll ausgestatteten Intensivstationen zur Seite. Für alle Untersuchungen rund um die Herzgesundheit Ihres Kindes können Sie vertrauensvoll einen Termin vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Schließt sich ein Loch im Herzen bei Babys von selbst?

Ja, insbesondere kleine Löcher im Muskelgewebe zwischen den Herzkammern (muskulärer VSD) und kleine Öffnungen zwischen den Vorhöfen (ASD) schließen sich oft von selbst innerhalb der ersten 1-2 Jahre, während das Baby wächst. In dieser Zeit wird Ihr Arzt den Zustand des Lochs durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen überwachen.

Wann wird ein fetales Echo durchgeführt?

Der ideale Zeitraum für eine fetale Echokardiografie liegt zwischen der 18. und 24. Schwangerschaftswoche. In diesen Wochen lassen sich die Herzstrukturen des Babys per Ultraschall am deutlichsten beurteilen. In Risikosituationen oder bei Verdachtsfällen kann dieser Eingriff jedoch auch in späteren Schwangerschaftswochen durchgeführt werden.

Ist ein Herzgeräusch immer gefährlich?

Nein, nicht jedes Herzgeräusch, das ein Kinderarzt hört, deutet auf eine Herzerkrankung hin. Sogenannte 'harmlose Herzgeräusche' im Kindesalter, die durch die Blutflussgeschwindigkeit verursacht werden, ohne dass ein struktureller Defekt im Herzen vorliegt, sind recht häufig. Die genaue Unterscheidung wird durch eine Echokardiografie beim Kinderkardiologen getroffen.

Dürfen Kinder mit angeborenen Herzfehlern Sport treiben?

Das hängt ganz von der Art und Schwere der Erkrankung sowie der angewandten Behandlung ab. Die überwiegende Mehrheit der Patienten kann nach Beurteilung und Freigabe durch einen Kinderkardiologen an vielen sportlichen Aktivitäten teilnehmen, genau wie ihre Altersgenossen. Lediglich bei bestimmten schweren Rhythmusstörungen oder starken Klappenverengungen kann Leistungssport eingeschränkt werden.

Beeinflussen Medikamente während der Schwangerschaft das Herz des Babys?

Einige Medikamente, die während der Schwangerschaft unbedacht eingenommen werden – insbesondere in den ersten drei Monaten (der Phase der Organentwicklung) –, können die Herzentwicklung des Babys negativ beeinflussen. Daher sollten Sie ab dem Zeitpunkt der Schwangerschaftsplanung oder während der Schwangerschaft absolut keine Medikamente oder pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken. Für eine Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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