Notfallmedizin

Was ist Schuppenflechte (Psoriasis)? Symptome und Behandlung

Doç. Dr. Pelin ÜSTÜNER8. November 20228 Min. Lesezeit
Was ist Schuppenflechte (Psoriasis)? Symptome und Behandlung

Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische, in Schüben verlaufende Hauterkrankung. Bei den Betroffenen erneuern sich die Hautzellen viel zu schnell und sammeln sich an der Oberfläche an. Typischerweise zeigt sie sich durch weiße, silbrig glänzende Schuppen auf geröteten Hautarealen – meist an Knien, Ellenbogen, auf der Kopfhaut oder am Rücken. Diese weit verbreitete Erkrankung entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems und ist absolut nicht ansteckend.

In Kürze:

  • Es handelt sich um eine chronische Immunerkrankung, bei der sich Hautzellen zu schnell teilen.
  • Das markanteste Merkmal sind dicke, weiße oder silbrige Schuppen auf geröteter Haut.
  • Genetische Veranlagung, Stress, Infektionen und bestimmte Medikamente können Schübe auslösen.
  • Es besteht keinerlei Ansteckungsgefahr durch körperlichen Kontakt.
  • Zur Behandlung werden Feuchtigkeitscremes, Lichttherapie (Fototherapie) und immunregulierende Medikamente eingesetzt.

Was genau ist Schuppenflechte (Psoriasis)?

Bei einem gesunden Menschen werden Hautzellen in den tieferen Hautschichten gebildet, wandern langsam an die Oberfläche und werden nach etwa einem Monat als abgestorbene Zellen abgestoßen. Die Antwort auf die Frage, was Schuppenflechte eigentlich ist, liegt in der Störung genau dieses Zyklus. Bei Psoriasis-Patienten senden die T-Zellen des Immunsystems fehlerhafte Signale aus, wodurch sich dieser Prozess auf nur wenige Tage verkürzt.

Die in rasantem Tempo neu gebildeten Zellen sammeln sich an der Hautoberfläche an, bevor die alten Zellen abfallen können. Diese Ansammlung bildet leicht erhabene, rote Läsionen (Plaques), die mit dicken, perlmuttweißen oder silbrigen Schuppen bedeckt sind. Die Größe dieser Plaques kann von wenigen Millimetern bis hin zu großflächigen Arealen von bis zu 40 Zentimetern variieren.

Man schätzt, dass etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Obwohl die Krankheit in jedem Alter auftreten kann, liegen die Häufigkeitsgipfel meist zwischen dem 16. und 22. sowie dem 57. und 60. Lebensjahr. Der Schweregrad, die Ausbreitung und die Dauer der Schübe sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Ursachen und Risikofaktoren der Psoriasis

Auch wenn die genaue Ursache der Krankheit noch nicht vollständig geklärt ist, stehen genetische Veranlagung und Anomalien des Immunsystems an erster Stelle. Menschen, in deren Familie bereits Schuppenflechte aufgetreten ist, haben ein deutlich höheres Risiko, selbst zu erkranken. Wenn ein Elternteil betroffen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für die Kinder spürbar an.

Bei Menschen mit genetischer Veranlagung hängt der Ausbruch oder ein neuer Schub oft von bestimmten Auslösern (Triggern) ab. Körperlicher oder seelischer Stress gehört zu den bekanntesten Faktoren. Darüber hinaus können Hautverletzungen wie Schnittwunden, Verbrennungen, starkes Kratzen oder ständige Reibung die Krankheit zum Ausbruch bringen.

Auch Infektionen und bestimmte Medikamente zählen zu den Risikofaktoren. Insbesondere Streptokokken-Infektionen im Rachenraum können bei Kindern und jungen Erwachsenen einen Psoriasis-Schub auslösen. Zudem können Betablocker (zur Blutdrucksenkung), Lithium, Malariamedikamente und einige Schmerzmittel die Symptome verschlimmern. Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen sind ebenfalls wichtige Faktoren, die den Schweregrad der Erkrankung negativ beeinflussen.

Was sind die Symptome der Schuppenflechte?

Die Symptome variieren je nach betroffener Körperregion und der genauen Art der Psoriasis. Manchmal zeigen sich die Anzeichen lediglich als winzige Dellen in den Nägeln, in anderen Fällen können sie als großflächige Rötungen den gesamten Körper überziehen.

Die häufigsten Symptome sind:

  • Scharf begrenzte rote Plaques auf der Haut, besonders an Knien, Ellenbogen, am unteren Rücken und auf der Kopfhaut.
  • Silbrige Schuppen auf diesen Plaques, die bei Kratzen leicht bluten.
  • Trockene, rissige Haut, die gelegentlich bluten kann.
  • Juckreiz, Brennen oder Schmerzen in den betroffenen Bereichen.
  • Verdickung, Gelbfärbung der Nägel, kleine Dellen auf der Nageloberfläche (Tüpfelnägel) oder das Ablösen des Nagels vom Nagelbett.
  • Schwellungen, Steifheit und Schmerzen in den Gelenken (ein Hinweis auf Psoriasis-Arthritis).

Die Plaque-Psoriasis ist die am weitesten verbreitete Form. Häufig kommt aber auch die Psoriasis inversa vor, die sich in Hautfalten wie Achselhöhlen, Leisten, unter der Brust oder im Bauchnabel als leuchtend rote, meist schuppenfreie Läsionen zeigt. In einigen Fällen können sich an den Handflächen und Fußsohlen eitergefüllte, aber völlig sterile (keimfreie) Bläschen bilden.

Wie wird die Diagnose im Krankenhaus gestellt?

Die Diagnose der Schuppenflechte wird in der Regel durch eine gründliche körperliche Untersuchung durch einen Facharzt gestellt. Der Arzt untersucht Ihre Haut, Kopfhaut und Nägel und beurteilt die charakteristischen Plaques und Schuppen. In den meisten Fällen reicht das klinische Erscheinungsbild für eine Diagnose völlig aus, sodass keine zusätzlichen Tests erforderlich sind.

In Zweifelsfällen, wenn die Läsionen mit Ekzemen, Pilzinfektionen oder anderen Hauterkrankungen verwechselt werden könnten, kann zur endgültigen Abklärung eine Hautbiopsie durchgeführt werden. Bei der Biopsie wird unter örtlicher Betäubung eine winzige Gewebeprobe aus dem betroffenen Bereich entnommen und zur mikroskopischen Untersuchung ins Pathologielabor geschickt.

Bei Patienten, die über Gelenkschmerzen klagen, können zudem Bluttests und bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen eingesetzt werden, um auf eine mögliche Psoriasis-Arthritis zu prüfen. Während dieses Prozesses werden auch die Krankengeschichte, die eingenommenen Medikamente und die Familienanamnese detailliert besprochen.

Behandlung der Schuppenflechte und Pflege zu Hause

Obwohl es derzeit keine endgültige Heilung für die Krankheit gibt, lassen sich die Symptome mit modernen Methoden sehr gut kontrollieren. Die Behandlung der Schuppenflechte wird individuell geplant – abhängig vom Schweregrad, der Ausbreitung und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Bei leichten Fällen werden meist äußerliche (topische) Behandlungen bevorzugt, die direkt auf die Haut aufgetragen werden.

Zu den topischen Therapien gehören kortikosteroidhaltige Cremes, Vitamin-D-Analoga und intensiv pflegende Feuchtigkeitscremes, die die Haut geschmeidig machen. Bei mittelschweren bis schweren Fällen kommt die Fototherapie (Lichttherapie) zum Einsatz. Spezielle ultraviolette (UV) Strahlen, die unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden, verlangsamen die Zellvermehrung und helfen bei der Abheilung der Plaques.

Bei hartnäckigen und großflächigen Verläufen werden systemische Medikamente (in Form von Tabletten oder Spritzen) sowie Biologika eingesetzt. Diese Medikamente zielen direkt auf das Immunsystem ab und unterdrücken die eigentliche Ursache der Krankheit. Bei der Pflege zu Hause ist es besonders wichtig, die Haut stets mit Feuchtigkeit zu versorgen, hautreizende Anwendungen wie harte Peelingschwämme (Kese) oder raue Waschlappen zu vermeiden und sich möglichst von Stress fernzuhalten.

Komplikationen und Risikogruppen

Schuppenflechte sollte nicht nur als reines Hautproblem betrachtet werden; es handelt sich um eine systemische Erkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Bei etwa einem Drittel der Patienten entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis). Bleibt diese unbehandelt, kann sie zu dauerhaften Gelenkschäden und Bewegungseinschränkungen führen.

Zudem haben Psoriasis-Patienten im Vergleich zu gesunden Menschen ein höheres Risiko für das metabolische Syndrom, Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es ist bekannt, dass die chronische Entzündung im Körper auch das Verdauungssystem beeinträchtigen kann; daher kann ein Blähbauch nach dem Essen ein Vorbote für andere Erkrankungen sein, weshalb eine ganzheitliche Gesundheitsuntersuchung für Patienten sehr sinnvoll ist.

Das optische Erscheinungsbild der Krankheit auf der Haut kann bei den Betroffenen auch den Boden für psychische Probleme wie mangelndes Selbstvertrauen, soziale Isolation, Angstzustände und Depressionen bereiten. Daher wirkt sich psychologische Unterstützung in diesem chronischen und wiederkehrenden Prozess oft sehr positiv auf den Behandlungserfolg aus.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie hartnäckige, sich ausbreitende, schuppende oder juckende rote Flecken auf Ihrer Haut bemerken, sollten Sie ohne Verzögerung einen Spezialisten aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose und die richtige Behandlungsplanung sind entscheidend, um das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Eine sofortige ärztliche Beurteilung kann erforderlich sein, wenn Sie eines der folgenden Symptome bemerken:

  • Schwere Rötungen und Hautabschuppungen, die einen sehr großen Teil des Körpers bedecken (Risiko einer erythrodermischen Psoriasis).
  • Zunehmende Schmerzen, Überwärmung, Schwellung oder eitriger Ausfluss in den Bereichen der Läsionen (Verdacht auf Infektion).
  • Plötzlich auftretende starke Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit in den Gelenken.
  • Hohes Fieber, Schüttelfrost und ein stark beeinträchtigter Allgemeinzustand.

Bei derart schweren Schüben oder Notfällen, die den gesamten Körper betreffen, sollten Sie umgehend die nächstgelegene medizinische Einrichtung aufsuchen oder den Notruf 112 wählen. Ein schnelles Eingreifen verhindert mögliche schwerwiegende Komplikationen.

Diagnose und Behandlungsablauf in der BHT CLINIC

In der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi werden die Diagnose und Behandlung der Schuppenflechte von unseren erfahrenen Fachärzten nach den modernsten medizinischen Ansätzen durchgeführt. Je nach Schweregrad der Erkrankung werden individuelle Behandlungspläne erstellt. Bei Bedarf arbeiten unsere Abteilungen für Dermatologie, Rheumatologie und Psychiatrie eng koordiniert zusammen.

Bei schweren Schüben, ausgedehnten Hautausschlägen oder im Falle eines Infektionsverdachts können Sie sich jederzeit an unsere rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme (Acil Tıp) wenden. In unserer Notaufnahme erfolgt eine schnelle Erstversorgung zur Stabilisierung Ihres Zustands, bevor Sie an die entsprechenden Fachabteilungen weitergeleitet werden.

Wenn Sie in unser Krankenhaus kommen, beschleunigt es den Prozess, wenn Sie eine Liste Ihrer bisherigen Medikamente und, falls vorhanden, alte Laborergebnisse mitbringen. Für eine umfassende Beurteilung und die Erstellung des für Sie am besten geeigneten Behandlungsplans können Sie jederzeit einen Termin vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Schuppenflechte ansteckend?

Nein, Schuppenflechte ist absolut nicht ansteckend. Sie entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems auf körpereigene Zellen. Sie wird weder durch Berührung noch durch die gemeinsame Nutzung von Gegenständen oder in Gemeinschaftsbereichen wie Schwimmbädern auf andere Personen übertragen.

Was hilft bei Schuppenflechte?

Die grundlegendste Antwort auf die Frage, was bei Schuppenflechte guttut, lautet: die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Die regelmäßige Anwendung von Feuchtigkeitscremes, das Baden mit lauwarmem Wasser und die Vermeidung von Stress lindern die Symptome. Auch milde, unter ärztlicher Aufsicht angewendete Sonnenbestrahlung (Fototherapie) kann zur Heilung der Läsionen beitragen.

Ist Schuppenflechte vollständig heilbar?

Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung, was bedeutet, dass sie ein Leben lang bestehen kann und nicht vollständig verschwindet. Dank moderner Behandlungsmethoden (Cremes, Lichttherapie, Biologika) kann die Krankheit jedoch über viele Jahre hinweg völlig ruhen und die Symptome lassen sich hervorragend kontrollieren.

Löst Stress Schuppenflechte aus?

Ja, Stress ist einer der bekanntesten und stärksten Auslöser der Krankheit. In Zeiten starker körperlicher oder emotionaler Belastung wird das Immunsystem beeinträchtigt, was zur Entstehung neuer Läsionen oder zum Aufflammen bestehender Plaques führen kann.

Dürfen Psoriasis-Patienten in die Sonne?

Mildes und kontrolliertes Sonnenlicht (insbesondere UVB-Strahlen) hat eine therapeutische Wirkung auf Psoriasis-Läsionen. Da Sonnenbrände jedoch ein Trauma für die Haut darstellen und die Krankheit verschlimmern können, sollte man es beim Sonnenbaden niemals übertreiben und sich genau nach den Empfehlungen des Arztes schützen.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; wenden Sie sich für eine Diagnose und Behandlung unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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