Gastroenterologie

Was ist Hirsutismus? Ursachen und Behandlung von übermäßiger Körperbehaarung bei Frauen

Prof. Dr. Mücahit ÖZYAZAR28. März 20228 Min. Lesezeit
Was ist Hirsutismus? Ursachen und Behandlung von übermäßiger Körperbehaarung bei Frauen

Hirsutismus ist ein Zustand, bei dem Frauen ein männliches Haarwuchsmuster entwickeln. Dies geschieht, wenn der Körper zu viele männliche Hormone (Androgene) produziert oder die Haarfollikel besonders empfindlich auf diese Hormone reagieren. Typischerweise wachsen dabei dicke, dunkle und harte Haare an Stellen wie Gesicht, Kinn, Brust, Bauch und Rücken. Dies ist nicht nur ein kosmetisches Anliegen, sondern oft auch ein wichtiges Warnsignal des Körpers für ein zugrunde liegendes hormonelles oder metabolisches Ungleichgewicht.

  • Auf einen Blick:
  • Es handelt sich um das Wachstum von dunklen, harten Haaren nach männlichem Muster bei Frauen.
  • Die häufigste Ursache ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS).
  • Hormontests, die meist am 3. Zyklustag durchgeführt werden, sind für die Diagnose entscheidend.
  • Die Behandlung kombiniert Medikamente, Laser-Haarentfernung und Gewichtskontrolle.
  • Ohne die Behandlung der eigentlichen Ursache bringen rein kosmetische Eingriffe keine dauerhaften Ergebnisse.

Was genau ist Hirsutismus?

Die einfachste Antwort auf die Frage, was Hirsutismus ist: Es ist die Umwandlung von feinen, hellen Flaumhaaren (Vellushaar) in dicke, harte und dunkle Terminalhaare durch hormonelle Einflüsse. Es ist völlig normal, dass auch der weibliche Körper eine gewisse Menge an Androgenen (männlichen Hormonen) produziert. Wenn jedoch die Eierstöcke oder die Nebennieren zu viel davon ausschütten, werden die Haarfollikel stimuliert und ein männliches Haarwuchsmuster beginnt.

Diese Veranlagung tritt aufgrund genetischer Faktoren in mediterranen und nahöstlichen Bevölkerungsgruppen häufiger auf und kann sich ab der Pubertät in jedem Alter manifestieren. Etwa 10 Prozent der Frauen sind davon betroffen, was oft zu einem erheblichen Verlust des Selbstbewusstseins, zu sozialem Rückzug und emotionalem Stress führt. Hirsutismus ist eben nicht nur ein Haut- oder Kosmetikproblem, sondern ein medizinisches Anliegen, das das endokrine (hormonelle) System betrifft. Daher ist es unerlässlich, die eigentliche Ursache zu finden und die Behandlung entsprechend zu planen.

Ursachen für übermäßige Behaarung bei Frauen

Betrachtet man die Ursachen des Hirsutismus, so spielen hormonelle Ungleichgewichte in der überwiegenden Mehrheit der Fälle die Hauptrolle. Eine übermäßige Ausschüttung von Androgenhormonen oder eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel selbst gegenüber normalen Hormonspiegeln führt zu diesem Zustand.

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Das Polyzystische Ovarialsyndrom ist für etwa 75 Prozent aller Hirsutismus-Fälle verantwortlich und die erste Erkrankung, an die Ärzte bei übermäßigem Haarwuchs denken. Dieses Syndrom, das oft in der Pubertät beginnt, ist gekennzeichnet durch kleine Zysten an den Eierstöcken, unregelmäßige Menstruationszyklen, Gewichtszunahme und Insulinresistenz. Neben dem Haarwuchs begünstigt PCOS auch andere androgene Symptome wie Akne und Haarausfall auf dem Kopf.

Weitere Erkrankungen und Medikamente

Andere medizinische Bedingungen und Faktoren, die zu vermehrtem Haarwuchs führen können, sind:

  • Cushing-Syndrom: Entsteht, wenn die Nebennieren zu viel Cortisol produzieren.
  • Kongenitale Nebennierenhyperplasie: Eine erbliche Erkrankung, die die Produktion von Steroidhormonen in den Nebennieren beeinträchtigt.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Bei einer Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse kann das hormonelle Gleichgewicht gestört werden.
  • Hyperprolaktinämie: Eine übermäßige Ausschüttung des Milchhormons Prolaktin.
  • Tumore: Seltene Tumore in den Eierstöcken oder Nebennieren, die Androgene absondern.
  • Medikamenteneinnahme: Testosteronhaltige Medikamente, bestimmte Immunsuppressiva und einige Steroidderivate können den Haarwuchs anregen.

Idiopathischer Hirsutismus

Bei einigen Frauen ist der Menstruationszyklus völlig regelmäßig, die Eierstöcke sehen im Ultraschall normal aus und die Androgenwerte im Blut liegen im Normbereich. Dennoch tritt ein männliches Haarwuchsmuster auf. Dies wird als idiopathischer (ohne erkennbare Ursache) Hirsutismus bezeichnet. Er hängt meist mit einer genetischen Veranlagung zusammen; oft haben andere Frauen in der Familie ähnliche Beschwerden. Man geht davon aus, dass die Haarfollikel bei diesen Patientinnen extrem empfindlich auf normale Androgenspiegel reagieren.

Symptome des Hirsutismus

Die Symptome variieren je nach Schweregrad des Haarwuchses und der zugrunde liegenden Ursache. Das Hauptsymptom ist das Wachstum von dicken, dunklen Haaren in androgenempfindlichen Bereichen wie der Oberlippe (Damenbart), Kinn, Hals, zwischen den Brüsten, um die Brustwarzen, entlang der Bauchlinie, am Rücken und an den Innenseiten der Oberschenkel.

Wenn der Haarwuchs mit einem sehr starken Anstieg der Androgenspiegel einhergeht, können fortgeschrittene Symptome auftreten, die als Virilisierung (Vermännlichung) bezeichnet werden. In diesem Fall kann es zu einer tieferen Stimme, männlichem Haarausfall (Geheimratsecken), einer Zunahme der Muskelmasse, einer Vergrößerung der Klitoris und einer Verkleinerung der Brüste kommen. Zudem kann eine Insulinresistenz zu einer dunklen Verfärbung und Verdickung der Haut (Acanthosis nigricans) an Hals, Achselhöhlen und Leisten führen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung durch den Arzt. Er wird fragen, wann der Haarwuchs begonnen hat, wie schnell er fortschreitet, wie Ihr Menstruationszyklus verläuft und ob es ähnliche Fälle in der Familie gibt. Um den Schweregrad zu beurteilen, verwendet der Arzt ein spezielles Punktesystem, das neun verschiedene Körperregionen bewertet.

Um die Diagnose zu sichern und die Ursache zu finden, werden in der Regel Hormontests angeordnet, die meist am Morgen des 3. Zyklustages auf nüchternen Magen durchgeführt werden. Die wichtigsten Tests umfassen:

  • Gesamttestosteron und freies Testosteron
  • Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS)
  • Luteinisierendes Hormon (LH) und Follikelstimulierendes Hormon (FSH)
  • 17-Hydroxyprogesteron (17-OHP)
  • Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG)
  • Schilddrüsenstimulierendes Hormon (TSH) und Prolaktin (PRL)

Zusätzlich zu den Bluttests kann eine Ultraschalluntersuchung des Beckens (Pelvis) durchgeführt werden, um Zysten an den Eierstöcken zu untersuchen, sowie eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um die Nebennieren zu beurteilen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Hirsutismus

Die Behandlung von übermäßigem Haarwuchs erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die Haare nur an der Oberfläche zu entfernen, bietet keine dauerhafte Lösung; das zugrunde liegende hormonelle Ungleichgewicht muss kontrolliert werden. Der Behandlungsprozess erfordert Geduld, da der Haarzyklus durchschnittlich sechs Monate dauert und es entsprechend lange dauern kann, bis die Therapien sichtbare Ergebnisse zeigen.

Medizinische Behandlungen

Die am häufigsten verwendete Methode zur Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts ist die Antibabypille. Diese Medikamente, die Östrogen und Gestagen enthalten, unterdrücken die Androgenproduktion in den Eierstöcken und regulieren den Zyklus. Wenn die Pille allein nicht ausreicht, werden Anti-Androgen-Medikamente hinzugefügt. Diese blockieren die Rezeptoren an den Haarfollikeln, sodass Androgene nicht mehr andocken können, und stoppen so das Wachstum neuer Haare. Eine medikamentöse Therapie muss immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, wobei die Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden sollten.

Kosmetische Lösungen

Während die medizinische Behandlung das Wachstum neuer Haare verhindert, lässt sie die bereits vorhandenen, harten Haare nicht ausfallen. Daher müssen medizinische und kosmetische Methoden kombiniert werden. Die Laser-Haarentfernung zielt auf das Melanin in den Wurzeln dunkler Haare ab, zerstört die Follikel und ist auf großen Flächen sehr effektiv. Für helle, rote oder weiße Haare wird die Elektrolyse (Nadelepilation) bevorzugt. Bei dieser Methode wird ein feiner Stromstoß über eine winzige Nadel in jeden einzelnen Haarfollikel geleitet, um die Wurzel dauerhaft zu zerstören.

Änderungen des Lebensstils

Besonders bei Hirsutismus, der durch PCOS verursacht wird, ist eine Gewichtsabnahme einer der kritischsten Schritte der Behandlung. Schon ein Verlust von 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts hilft, die Insulinresistenz zu durchbrechen und den Androgenspiegel zu senken. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind unerlässlich, um das hormonelle Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei der Gewichtskontrolle dürfen auch psychologische Faktoren nicht ignoriert werden; Stress und Ablenkung können Essattacken auslösen, was den Behandlungsprozess erschwert.

Komplikationen und Risikogruppen

Wenn Hirsutismus unbehandelt bleibt, ist er nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern kann zu ernsthaften psychologischen und metabolischen Komplikationen führen. Der ständige Zwang zur Haarentfernung erhöht bei Frauen das Risiko für soziale Isolation, Angstzustände und Depressionen.

Darüber hinaus bringen Krankheiten wie PCOS, die Hirsutismus verursachen, das Risiko eines metabolischen Syndroms mit sich. Wenn eine Insulinresistenz nicht kontrolliert wird, können sich ernsthafte Gesundheitsprobleme wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und eine Fettleber entwickeln. Zudem können chronisch unregelmäßige Menstruationszyklen langfristig das Risiko für Unfruchtbarkeit und Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom) erhöhen. Frauen mit einer familiären Vorbelastung für PCOS, Diabetes oder Nebennierenerkrankungen bilden die größte Risikogruppe.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie eine allmähliche Zunahme der Körperbehaarung bemerken, ist es ratsam, einen Endokrinologen oder Gynäkologen aufzusuchen. Einige Situationen erfordern jedoch eine sofortige medizinische Abklärung. Wenn Sie eines der folgenden Symptome bemerken, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen:

  • Ein plötzliches und starkes Einsetzen des Haarwuchses innerhalb weniger Monate.
  • Anzeichen einer Vermännlichung, wie eine tiefere Stimme, Haarausfall am Kopf oder eine plötzliche Zunahme der Muskelmasse.
  • Schwere Menstruationsstörungen oder das völlige Ausbleiben der Regelblutung.
  • Starke Schmerzen im Bauch- oder Leistenbereich und das Gefühl einer tastbaren Masse.

Insbesondere plötzlich auftretende, schwere Virilisierungssymptome können auf einen androgenproduzierenden Tumor im Eierstock oder in der Nebenniere hinweisen und erfordern möglicherweise ein schnelles medizinisches Eingreifen.

Der Behandlungsprozess bei Hirsutismus in der BHT CLINIC

In der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi führen wir für unsere Patientinnen, die sich mit Hirsutismus-Beschwerden vorstellen, einen multidisziplinären Diagnose- und Behandlungsprozess durch. Durch die enge Zusammenarbeit unserer Abteilungen für Endokrinologie, Gynäkologie und Dermatologie wird die zugrunde liegende Ursache ermittelt und ein für Sie optimaler Behandlungsplan erstellt.

Besonders bei der Bewertung von Verdauungs- und Stoffwechselproblemen wie dem metabolischen Syndrom, Insulinresistenz und Fettleber im Zusammenhang mit PCOS wird auch unsere Abteilung für Gastroenterologie in den Prozess einbezogen, um Ihre umfassende Gesundheit zu schützen. In unseren hochmodernen Laboren werden Ihre Hormontests schnell ausgewertet. Um den Schritt in ein gesünderes Leben zu machen und individuelle Behandlungsoptionen zu besprechen, können Sie rund um die Uhr einen Termin in unserem Krankenhaus vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Hirsutismus vollständig heilbar?

Hirsutismus kann weitgehend kontrolliert werden, wenn die zugrunde liegende hormonelle Ursache richtig diagnostiziert und behandelt wird. Während medizinische Behandlungen das Wachstum neuer Haare stoppen, können bestehende Haare durch kosmetische Methoden dauerhaft entfernt werden. Wenn die Behandlung jedoch abgebrochen wird oder es zu einer Gewichtszunahme kommt, können die Beschwerden zurückkehren.

Ist die Laser-Haarentfernung bei der Behandlung von Hirsutismus wirksam?

Ja, die Laser-Haarentfernung ist eine der effektivsten kosmetischen Methoden, um vorhandene harte und dunkle Haare zu beseitigen. Wenn jedoch die zugrunde liegende hormonelle Störung nicht medikamentös behandelt wird, ist es wahrscheinlich, dass auch nach der Laserbehandlung neue Haare wachsen. Daher sollten beide Behandlungen gleichzeitig durchgeführt werden.

Welcher Arzt ist für Hirsutismus zuständig?

Frauen mit übermäßigem Haarwuchs wird empfohlen, sich zunächst an die Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen zu wenden. Bei Bedarf werden auch Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Dermatologie in den Behandlungsprozess einbezogen.

Bekommt jede Frau mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) übermäßigen Haarwuchs?

Nein, nicht jede Frau, bei der PCOS diagnostiziert wird, leidet unter starkem Haarwuchs. Die Symptome der Krankheit variieren von Person zu Person; bei einigen Patientinnen stehen Menstruationsstörungen oder Gewichtszunahme im Vordergrund, während bei anderen Hirsutismus oder Akne ausgeprägter sind.

Verstärkt das Zupfen mit der Pinzette oder Waxing zu Hause den Haarwuchs?

Methoden wie das Zupfen oder Waxing reißen das Haar an der Wurzel aus, was die Durchblutung des Haarfollikels anregen kann. Wenn ein hormonelles Ungleichgewicht besteht, kann dies dazu führen, dass feine Flaumhaare mit der Zeit härter nachwachsen. Daher sollten dauerhafte Haarentfernungsmethoden unter ärztlicher Aufsicht bevorzugt werden.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; für eine genaue Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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