Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten

Handhygiene: Ihr stärkster und einfachster Schutzschild

BHT CLINIC16. Dezember 20258 Min. Lesezeit
Handhygiene: Ihr stärkster und einfachster Schutzschild

Handhygiene ist der Prozess, bei dem krankheitserregende Mikroorganismen auf den Händen mithilfe von Wasser und Seife oder alkoholbasierten Desinfektionsmitteln entfernt werden. Die Anwendung der richtigen Händewaschtechnik ist der einfachste und effektivste Weg, um viele Gesundheitsprobleme – von Atemwegsinfektionen bis hin zu Magen-Darm-Erkrankungen – zu stoppen, bevor sie überhaupt beginnen. Die Keime auf den Oberflächen, die wir im Alltag berühren, gelangen über unsere Hände leicht in Mund, Nase und Augen. Daher spielt die Handreinigung eine entscheidende Rolle bei der Unterbrechung der Infektionskette.

Kurz gefasst:
  • Die Hände sollten mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife gewaschen werden.
  • Nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen die Fingerzwischenräume, die Daumen und die Nagelbetten gründlich gerieben werden.
  • Häufiges Händewaschen senkt das Risiko einer Ansteckung mit Krankheiten wie Grippe, Erkältung, RSV und Durchfall erheblich.
  • Wenn Wasser und Seife nicht verfügbar sind, sollten Handdesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkoholgehalt bevorzugt werden.
  • Um der durch häufiges Waschen bedingten Hauttrockenheit vorzubeugen, kann nach jedem Waschen eine Feuchtigkeitscreme verwendet werden.

Die Bedeutung des Händewaschens und der Infektionsschutz

In unserem Alltag in Türkiye und überall auf der Welt berühren wir unzählige gemeinsame Oberflächen wie Türklinken, Aufzugsknöpfe, Einkaufswagen oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln. Viren und Bakterien, die auf diesen Oberflächen Stunden oder sogar Tage überleben können, gelangen so auf unsere Hände. Menschen berühren unbewusst durchschnittlich 20- bis 25-mal pro Stunde ihr Gesicht, ihre Augen oder ihren Mund. Dies öffnet Mikroorganismen direkt die Tür, um in den Körper einzudringen.

Das Waschen der Hände mit Wasser und Seife bietet nicht nur eine mechanische Reinigung. Die Struktur von Seifenmolekülen besteht aus einem wasserliebenden (hydrophilen) Kopf und einem wasserabweisenden (hydrophoben) Schwanz. Diese hydrophoben Schwänze bohren sich in die Fetthülle (Lipidmembran), die die Außenhülle vieler Viren wie dem Grippe- oder Coronavirus bildet, und zerstören diese. Wenn die Membran zerfällt, wird das Virus inaktiviert und mit dem fließenden Wasser von den Händen weggespült. Im Prozess der Infektionsprävention wirkt diese einfache chemische Reaktion oft schneller und schützender als die fortschrittlichsten Medikamente.

Vor welchen Krankheiten schützt Handhygiene?

Eine regelmäßige und korrekte Handreinigung verhindert die Ausbreitung vieler in der Gesellschaft häufig vorkommender Infektionskrankheiten. Atemwegsinfektionen stehen ganz oben auf dieser Liste. Die Grippe (Influenza), Erkältungen, Adenovirus-Infektionen und das RSV-Virus, das besonders in den Wintermonaten Babys und Kleinkinder schwer trifft, werden meist durch den Kontakt schmutziger Hände mit den Atemwegen übertragen.

Darüber hinaus spielt die Handreinigung eine Hauptrolle bei der Vorbeugung von Magen-Darm-Erkrankungen. Erreger wie Norovirus, Rotavirus, Salmonellen und Kolibakterien (E. coli), die Durchfall, Erbrechen und starke Bauchschmerzen verursachen, verbreiten sich durch mangelnde Hygiene nach dem Toilettengang oder durch Lebensmittel, die mit schmutzigen Händen zubereitet wurden. Auch Augeninfektionen wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung) und verschiedene durch Staphylokokken-Bakterien verursachte Hautinfektionen können durch saubere Hände weitgehend verhindert werden.

Die richtige Händewaschtechnik: Die Schritte der Weltgesundheitsorganisation

Um Keime effektiv abzutöten, reicht es nicht aus, die Hände nur mit Wasser zu befeuchten oder sie wenige Sekunden lang einzuseifen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen bestimmten Standard für die Schritte des Händewaschens festgelegt. Die Gesamtdauer dieses Vorgangs sollte zwischen 20 und 30 Sekunden liegen. Für eine effektive Reinigung sollten Sie die folgenden Schritte der Reihe nach ausführen:

  • Befeuchten und Einseifen: Befeuchten Sie Ihre Hände mit sauberem, fließendem warmem oder kaltem Wasser und nehmen Sie ausreichend Seife, um alle Oberflächen zu bedecken.
  • Handflächen: Reiben Sie Ihre Handflächen aneinander, um die Seife gut aufzuschäumen.
  • Handrücken: Reiben Sie mit der rechten Handfläche über den linken Handrücken und verschränken Sie dabei die Finger. Wiederholen Sie diesen Vorgang mit der linken Handfläche für den rechten Handrücken.
  • Fingerzwischenräume: Verschränken Sie die Finger mit zugewandten Handflächen und reinigen Sie die Fingerzwischenräume mit Auf- und Abwärtsbewegungen.
  • Fingerrücken: Beugen Sie Ihre Finger, verhaken Sie sie in der Handfläche der anderen Hand und waschen Sie die Fingerrücken durch Reiben.
  • Daumen: Umschließen Sie Ihren linken Daumen mit der rechten Handfläche und reiben Sie ihn mit kreisenden Bewegungen. Tun Sie dasselbe für den rechten Daumen. Die Daumen sind meist die Bereiche, die beim Waschen am häufigsten vergessen werden.
  • Fingerspitzen und Nägel: Reinigen Sie die Nagelbetten, indem Sie die Fingerspitzen der rechten Hand in kreisenden Bewegungen in der linken Handfläche reiben. Wiederholen Sie dies für die andere Hand.
  • Abspülen und Trocknen: Spülen Sie Ihre Hände gründlich unter fließendem Wasser ab. Wenn Sie sich in öffentlichen Waschräumen befinden, trocknen Sie Ihre Hände mit einem Einweg-Papierhandtuch ab und schließen Sie den Wasserhahn mithilfe dieses Handtuchs.

Wann sollten wir die Hände waschen?

Es ist für den Schutz Ihrer Gesundheit unerlässlich, die Hände nicht nur zu waschen, wenn sie schmutzig oder fleckig sind, sondern auch nach riskanten Kontakten, selbst wenn sie optisch sauber erscheinen. Die wichtigsten Situationen im Alltag, in denen eine Handreinigung unbedingt erfolgen sollte, sind:

Vor Beginn der Essenszubereitung, während der Zubereitung (insbesondere nach dem Kontakt mit rohem Fleisch, Geflügel oder Fisch) und unmittelbar vor dem Essen müssen die Hände gewaschen werden. Vor und nach dem Toilettengang, nach dem Windelwechseln bei Babys oder nach der Hilfe beim Toilettentraining ist die Verwendung von Wasser und Seife obligatorisch. Nach dem Husten, Niesen oder Naseputzen sollte sofort eine Reinigung erfolgen, damit sich die auf die Hände gelangten Tröpfchen nicht in der Umgebung verteilen.

Zudem sollte das Händewaschen das Erste sein, was Sie tun, wenn Sie von draußen nach Hause kommen, öffentliche Verkehrsmittel benutzt haben, vom Einkaufen zurückkehren oder ein Krankenhaus besucht haben. Auch nach dem Berühren von Haus- oder Straßentieren, dem Kontakt mit Tierfutter oder -abfällen und nachdem Sie den Müll herausgebracht haben, sollte auf die Handhygiene geachtet werden.

Verwendung und Regeln für Handdesinfektionsmittel

In Situationen, in denen kein Zugang zu Wasser und Seife besteht, ist die Verwendung von Handdesinfektionsmitteln eine praktische Alternative, um das Infektionsrisiko zu verringern. Damit Desinfektionsmittel jedoch wirksam sind, müssen bestimmte Regeln beachtet werden. Das bevorzugte Produkt muss mindestens 60 Prozent Alkohol enthalten. Produkte mit einem geringeren Alkoholgehalt verlangsamen lediglich die Vermehrung der Keime, anstatt sie abzutöten.

Bei der Verwendung von Desinfektionsmitteln sollte eine großzügige Menge in die Handfläche gegeben und – genau wie bei den Schritten des Händewaschens – auf alle Oberflächen, einschließlich der Fingerzwischenräume, des Handrückens und der Daumen, eingerieben werden. Das Reiben sollte fortgesetzt werden, bis die Hände vollständig trocken sind (etwa 20 Sekunden). Wenn Sie die Hände mit einem Papierhandtuch abwischen oder waschen, bevor das Desinfektionsmittel getrocknet ist, wird die Wirkung des Produkts zunichtegemacht. Der wichtigste Punkt, den Sie wissen sollten, ist, dass Desinfektionsmittel nicht wirken, wenn die Hände sichtbar schmutzig oder fettig sind. Darüber hinaus sind alkoholbasierte Desinfektionsmittel gegen einige resistente Mikroorganismen wie das Norovirus und gegen chemische Pestizide unzureichend; in diesen Fällen müssen unbedingt Wasser und Seife verwendet werden.

Hauttrockenheit und Kontaktdermatitis durch häufiges Waschen

Obwohl es notwendig ist, die Hände häufig zu waschen, um sich vor Infektionen zu schützen, kann dies mit der Zeit die natürliche Barriere der Haut schädigen. Seifen und heißes Wasser entfernen die schützende Lipidschicht (Fettschicht) auf der obersten Hautschicht. Wenn diese Barriere schwächer wird, verliert die Haut an Feuchtigkeit; es kommt zu Trockenheit, Rötungen, Juckreiz und Rissen. Dieser Zustand, der in der Medizin als Kontaktdermatitis (Kontaktekzem) bezeichnet wird, kann durch die Mikrorisse in der Haut einen idealen Nährboden für die Ansiedlung von Bakterien bieten.

Um die Hautgesundheit zu erhalten, ist es sicherer, die Hände mit lauwarmem statt mit sehr heißem Wasser zu waschen. Nach dem Waschen verringert es Hautirritationen, wenn Sie die Hände sanft mit einem Handtuch abtupfen, anstatt sie kräftig trocken zu rubbeln. Der effektivste Weg, um Hauttrockenheit vorzubeugen, ist die Verwendung einer Feuchtigkeitspflege. Das Auftragen einer unparfümierten Feuchtigkeitscreme mit Ceramiden, Glycerin oder Vaseline (Petrolatum) auf die noch leicht feuchte Haut nach dem Händewaschen repariert die Barrierefunktion der Haut und beugt Ekzemen vor.

Handhygiene im Krankenhausumfeld

Im Krankenhausumfeld ist die Handhygiene ein lebenswichtiges Verfahren für die Sicherheit sowohl der Patienten als auch des Gesundheitspersonals. Die Immunsysteme von Krankenhauspatienten sind oft geschwächt, was sie anfälliger für Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen) macht. Daher ist die Handreinigung der erste Schritt der Infektionskontrolle in Gesundheitseinrichtungen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat für medizinisches Personal eine Fünf-Momente-Regel für die Handhygiene festgelegt: Vor Patientenkontakt, vor einer sauberen oder aseptischen Tätigkeit, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach Patientenkontakt und nach Kontakt mit der direkten Patientenumgebung. Nicht nur das medizinische Personal, sondern auch Besucher und Angehörige, die ins Krankenhaus kommen, müssen diese Regeln befolgen. Das Desinfizieren der Hände vor dem Betreten und beim Verlassen des Patientenzimmers wirkt sich direkt positiv auf den Heilungsprozess aus.

Wie bringt man Kindern die Gewohnheit des Händewaschens bei?

Sauberkeitsgewohnheiten, die im Kindesalter erworben werden, bilden einen lebenslangen Schutzschild für die Gesundheit. Wenn man Kindern die Bedeutung des Händewaschens erklärt, ist es effektiver, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie kleine Helden sind, die Keime aus unserem Körper vertreiben, anstatt ihnen Angst zu machen. Ein sicherer Tritthocker, damit sie das Waschbecken bequem erreichen können, sowie gut duftende Seifen in ihren Lieblingsfarben machen diesen Prozess zu einem spaßigen Erlebnis.

Kinder tun sich oft schwer damit, die 20-Sekunden-Regel einzuhalten. Damit sie diese Zeitspanne erfüllen, können Sie sie bitten, beim Händewaschen ein kurzes Lieblingslied zu singen. Wenn Sie vor den Mahlzeiten und beim Nachhausekommen als Vorbild fungieren und sie begleiten, wird dieses Verhalten zu einer dauerhaften Routine. Für detailliertere Informationen können Sie unseren Artikel Wie bringt man Kindern die Gewohnheit des Händewaschens bei? lesen.

Infektionskontrolle und Abläufe in der BHT CLINIC

Die Abteilung für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten der BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi wendet Infektionskontrollmaßnahmen auf höchstem Niveau in Übereinstimmung mit den internationalen JCI-Akkreditierungsstandards an. Um die Gesundheit unserer stationären Patienten, Besucher und Mitarbeiter zu schützen, werden in allen Bereichen unseres Krankenhauses Desinfektions- und Hygienerichtlinien strengstens befolgt.

Bei fieberhaften Erkrankungen, Atemwegsinfektionen, Hautausschlägen oder dem Verdacht auf Infektionen unbekannter Ursache stellen wir mit unserer fortschrittlichen Laborinfrastruktur eine schnelle und genaue Diagnose und erstellen den für Sie am besten geeigneten Behandlungsplan. In Infektionsfällen, die ein sofortiges Eingreifen erfordern, können Sie sich an unsere 24/7 geöffnete Notaufnahme wenden. Bei einem medizinischen Notfall zögern Sie nicht, den Notruf 112 zu wählen. Um Unterstützung von unserem Facharztteam zu erhalten, können Sie sicher über unsere Website oder unser Callcenter einen Termin vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Handdesinfektionsmittel oder Seife effektiver?

Wenn die Hände sichtbar schmutzig, fettig oder schlammig sind, ist Wasser und Seife immer die effektivste Methode. Seife entfernt Schmutz und Keime physisch von der Haut. Wenn keine sichtbare Verschmutzung vorliegt und kein Wasser verfügbar ist, können Handdesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol sicher verwendet werden, um einen Großteil der Keime schnell unschädlich zu machen.

Tötet das Waschen der Hände mit heißem Wasser Keime besser ab?

Nein, das Waschen der Hände mit so heißem Wasser, wie Sie es gerade noch aushalten können, ist bei der Abtötung von Keimen nicht wirksamer als lauwarmes oder kaltes Wasser. Wasser in einer Temperatur, die Keime abtöten würde, würde Ihre Haut verbrennen. Im Gegenteil, die ständige Verwendung von heißem Wasser schmilzt die natürliche Fettschicht der Haut und erhöht das Risiko für Trockenheit und Ekzeme. Die Verwendung von lauwarmem Wasser zusammen mit Seife ist ideal.

Ist die Verwendung von antibakterieller Seife zwingend erforderlich?

Im Alltag ist die Verwendung von antibakterieller Seife nicht zwingend erforderlich. Studien zeigen, dass normale flüssige oder feste Seifen bei richtiger Anwendungstechnik genauso effektiv sind wie antibakterielle Seifen. Zudem kann der unnötige Gebrauch von antibakteriellen Produkten dazu führen, dass Bakterien Resistenzen entwickeln.

Wie bringt man Kindern die Gewohnheit des Händewaschens bei?

Der beste Weg, Kindern diese Gewohnheit beizubringen, ist, ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Um den Prozess des Händewaschens unterhaltsam zu gestalten, können Sie bunte Seifen verwenden, lustige Lieder singen, die etwa 20 Sekunden dauern, und sichere Tritthocker bereitstellen, damit sie das Waschbecken leicht erreichen können.

Wie lange sollte das Händewaschen dauern?

Für eine effektive Handreinigung sollte der Vorgang des Einseifens und Reibens mindestens 20 Sekunden dauern. Der gesamte Prozess, einschließlich des Befeuchtens, Einseifens, Abspülens und Abtrocknens der Hände, sollte im Durchschnitt zwischen 40 und 60 Sekunden abgeschlossen sein.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken. Für eine Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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