Was ist das Guillain-Barré-Syndrom? Symptome und Behandlung

Die klarste Antwort auf die Frage, was das Guillain-Barré-Syndrom ist, lautet: Es handelt sich um ein seltenes, aber ernstes neurologisches Krankheitsbild, das entsteht, wenn das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise das periphere Nervensystem angreift. Dieser Zustand, der meist mit einem Taubheits- und Kribbelgefühl in den Beinen beginnt, kann sich innerhalb von Tagen oder sogar Stunden auf den Oberkörper und die Arme ausbreiten und zu einer ausgeprägten Muskelschwäche führen. Ohne frühzeitiges Eingreifen kann die Krankheit die Atemmuskulatur und die Herzfunktion beeinträchtigen und lebensbedrohlich werden. Sie erfordert daher eine sofortige medizinische Abklärung. Wenn Sie oder ein Angehöriger eine rasch fortschreitende Muskelschwäche bemerken, ist es von größter Wichtigkeit, ohne Zeitverlust eine gut ausgestattete medizinische Einrichtung aufzusuchen.
Das Guillain-Barré-Syndrom in Kürze
- Es ist eine seltene Erkrankung, die im Durchschnitt bei 1 von 100.000 Menschen auftritt.
- Meist wird sie 1 bis 2 Wochen nach einer Atemwegs- oder Magen-Darm-Infektion ausgelöst.
- Die ersten Symptome sind in der Regel Kribbeln, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche in Füßen und Beinen.
- Bei der Diagnose spielen die Elektromyografie (EMG) und die Nervenwasserentnahme (Lumbalpunktion) eine entscheidende Rolle.
- Zur Behandlung werden der Blutaustausch (Plasmapherese) und intravenöse Immunglobuline (IVIG) eingesetzt.
- Obwohl sich die meisten Patienten mit der Zeit erholen, kann der Prozess Monate oder sogar Jahre dauern.
Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die peripheren Nerven, also das Nervennetzwerk außerhalb von Gehirn und Rückenmark, geschädigt werden. In einem gesunden Körper hat das Immunsystem die Aufgabe, eindringende Viren und Bakterien zu bekämpfen. Beim GBS jedoch greifen die Zellen des Immunsystems fälschlicherweise die Myelinscheide an – die Schutzhülle der Nervenfasern, die die Signalübertragung beschleunigt – und zerstören sie. Diese Schädigung führt dazu, dass die Befehle vom Gehirn an die Muskeln verlangsamt oder völlig unterbrochen werden.
Die Krankheit kann in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern auftreten; die Häufigkeit nimmt jedoch mit dem Alter und bei Männern leicht zu. Statistiken zufolge liegt die Sterblichkeitsrate bei GBS-Fällen zwischen 4 und 7 Prozent. Diese Rate ist meist auf schwere Komplikationen wie Atemversagen oder Herzrhythmusstörungen zurückzuführen. Auch wenn der Verlauf der Krankheit von Person zu Person unterschiedlich ist, besteht der grundlegende Mechanismus in dieser plötzlichen und verheerenden Unterbrechung der Nervenleitung.
Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?
In der medizinischen Welt gibt es noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, warum das Guillain-Barré-Syndrom genau entsteht. Es ist jedoch bekannt, dass die Krankheit häufig nach einer Infektion auftritt, die das Immunsystem aktiviert hat. Experten gehen davon aus, dass die Oberflächenstrukturen einiger Bakterien und Viren den Proteinen in den Nervenzellen sehr ähnlich sind, weshalb das Immunsystem bei der Bekämpfung der Infektion versehentlich auch die Nerven angreift.
Die wichtigsten Risikofaktoren und Auslöser, die bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen, sind:
- Campylobacter jejuni-Infektion: Diese Darminfektion, die häufig durch den Verzehr von nicht ausreichend durchgegartem Geflügel übertragen wird und mit Durchfall einhergeht, ist der häufigste Auslöser von GBS.
- Virale Infektionen: Infektionen wie Grippe (Influenza), Zytomegalievirus (CMV), Epstein-Barr-Virus (EBV) und das Zika-Virus können das Immunsystem fehlleiten. Insbesondere Infektionen im Schulumfeld vorzubeugen oder an belebten Orten auf Hygiene zu achten, ist ein grundlegender Schritt zum Schutz vor solchen viralen Auslösern.
- Chirurgische Eingriffe und Traumata: Große Operationen oder schwere körperliche Traumata können das Gleichgewicht des Immunsystems verändern und die Krankheit in seltenen Fällen auslösen.
- Erkrankungen des Immunsystems: Bestimmte Krankheiten, die das Immunsystem direkt beeinträchtigen, wie das Hodgkin-Lymphom, können das GBS-Risiko erhöhen.
Was sind die Symptome?
Die Symptome des Guillain-Barré-Syndroms verlaufen in der Regel symmetrisch (beidseitig) und beginnen in den unteren Körperregionen, um sich dann nach oben auszubreiten. Bei der großen Mehrheit der Patienten ist die erste Beschwerde ein seltsames Taubheits- oder Kribbelgefühl, das in den Zehen beginnt und in die Beine ausstrahlt. Innerhalb von Stunden oder Tagen gesellt sich zu diesem Gefühlsverlust eine deutliche Muskelschwäche.
Je nach Schweregrad der Erkrankung sind die häufigsten Symptome:
- Ein stechendes Gefühl (wie Nadelstiche), das in den Zehen, Knöcheln oder Beinen beginnt.
- Muskelschwäche, die sich rasch von den Beinen auf den Oberkörper und die Arme ausbreitet.
- Schwierigkeiten beim Gehen, Unfähigkeit Treppen zu steigen oder Gleichgewichtsverlust im Stehen.
- Schwäche der Gesichtsmuskulatur, was zu Sprech-, Kau- und Schluckbeschwerden führt.
- Doppeltsehen oder die Unfähigkeit, die Augenbewegungen zu kontrollieren, wenn die Augenmuskeln betroffen sind.
- Krampfartige, tiefe Muskelschmerzen, die sich besonders nachts verschlimmern.
- Verlust der Blasen-(Urin-)kontrolle oder Verlangsamung der Darmtätigkeit.
- In fortgeschrittenen Stadien Atemnot und Erstickungsgefühl aufgrund der Lähmung der Atemmuskulatur.
Krankheitsstadien
Die GBS-Erkrankung wird typischerweise in drei Phasen unterteilt. Die erste Phase ist die Progressionsphase, in der die Symptome beginnen und sich rasch verschlimmern. Dieser Prozess kann einige Tage bis zu vier Wochen dauern. Danach folgt die Plateauphase, in der sich die Symptome nicht weiter verschlechtern, die Genesung aber noch nicht eingesetzt hat. Die letzte Phase ist die Erholungsphase, in der sich die Nerven allmählich regenerieren und die Muskelkraft zurückkehrt.
Wie wird es diagnostiziert?
Die Symptome in den frühen Stadien des Guillain-Barré-Syndroms weisen große Ähnlichkeiten mit anderen neurologischen Erkrankungen auf. Daher muss der Diagnoseprozess von einem erfahrenen Neurologen sorgfältig durchgeführt werden. Ihr Arzt wird zunächst eine detaillierte körperliche und neurologische Untersuchung durchführen und Ihre Reflexe überprüfen. Bei GBS-Patienten sind die tiefen Sehnenreflexe, beispielsweise an der Kniescheibe, oft verschwunden oder stark abgeschwächt.
Um eine endgültige Diagnose zu stellen und den Verlauf der Krankheit zu bestimmen, werden folgende fortgeschrittene Tests eingesetzt:
- Elektromyografie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Diese Tests messen die elektrische Aktivität von Muskeln und Nerven und stellen das Ausmaß der Nervenschädigung sowie die Verlangsamung der Signalübertragung fest. Dies ist eine der zuverlässigsten Methoden zur Diagnose von GBS.
- Lumbalpunktion (Nervenwasserentnahme): Mit einer feinen Nadel wird im unteren Rückenbereich Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Ein typischer Befund bei GBS-Patienten ist eine hohe Proteinmenge im Liquor bei normaler Anzahl weißer Blutkörperchen (zytoalbuminäre Dissoziation).
Behandlung und Genesung beim Guillain-Barré-Syndrom
Es gibt kein einziges Medikament, das das Guillain-Barré-Syndrom vollständig heilen kann. Die angewandten modernen Behandlungsmethoden sind jedoch von entscheidender Bedeutung, um die Schwere der Krankheit zu verringern, den Heilungsprozess zu beschleunigen und dauerhafte Nervenschäden zu verhindern. Die Behandlung muss zwingend in einem gut ausgestatteten Krankenhaus, meist auf der Intensivstation, erfolgen.
In der Behandlung stehen zwei Hauptmethoden im Vordergrund. Die erste ist der Blutaustausch (Plasmapherese). Bei dieser Methode wird das Blut des Patienten mithilfe einer Maschine aus dem Körper geleitet, der Plasmaanteil mit den schädlichen Antikörpern, die die Nerven angreifen, wird abgetrennt und die gereinigten Blutzellen werden in den Körper zurückgeführt. Die zweite Methode ist die intravenöse Immunglobulintherapie (IVIG). Hochdosierte Antikörper von gesunden Spendern werden dem Patienten intravenös verabreicht, um die nervenschädigenden Antikörper des Immunsystems zu blockieren. Beide Methoden sind sehr wirksam, wenn sie in der Frühphase der Krankheit angewendet werden.
Der Genesungsprozess ist ein langer Weg, der Geduld erfordert. Obwohl die meisten Patienten innerhalb von Monaten wieder selbstständig gehen können, kann die vollständige Genesung ein bis drei Jahre dauern. In dieser Zeit ist ein intensives Physiotherapie- und Rehabilitationsprogramm unerlässlich, um Muskelschwund vorzubeugen und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Komplikationen und Risikogruppen
GBS kann nicht nur die Skelettmuskulatur, sondern auch das unwillkürlich arbeitende vegetative (autonome) Nervensystem beeinträchtigen. Dies erfordert eine umfassende Überwachung während des Krankenhausaufenthalts. Die schwerste Komplikation ist die Lähmung der Atemmuskulatur. Patienten, die ein Atemversagen entwickeln, müssen möglicherweise vorübergehend an ein Beatmungsgerät (Ventilator) angeschlossen werden.
Die Beteiligung des vegetativen Nervensystems birgt auch ernsthafte Risiken für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Bei den Patienten kann es zu plötzlichen Blutdruckabfällen oder -anstiegen sowie zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) kommen. Diese plötzlichen Veränderungen des Herzrhythmus erfordern eine engmaschige kardiologische Überwachung, ähnlich wie wenn man Risiken eines Herzinfarkts managen muss. An dieser Stelle kommt die Abteilung für Kardiologie unseres Krankenhauses ins Spiel, um Ihre Herzgesundheit mit modernen Methoden wie EKG und Echokardiografie zu sichern.
Darüber hinaus können durch längere Bettlägerigkeit Komplikationen wie tiefe Venenthrombosen (Blutgerinnsel in den Beinvenen) und Wundliegen (Dekubitus) entstehen. Um diese Risiken zu minimieren, werden Blutverdünner und spezielle Luftmatratzen eingesetzt.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Beim Guillain-Barré-Syndrom ist Zeit ein entscheidender Faktor. Da sich die Symptome innerhalb von Stunden verschlimmern können, müssen Sie Veränderungen in Ihrem Körper ernst nehmen. Wenn Sie eines der folgenden Warnsignale bemerken, sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen oder die nächstgelegene, gut ausgestattete Notaufnahme aufsuchen:
- Ein Taubheits- oder Kribbelgefühl, das in den Zehen beginnt und rasch zu den Knien oder Armen aufsteigt.
- Plötzlich auftretende Schwäche in den Beinen, die das Gehen oder Treppensteigen unmöglich macht.
- Atembeschwerden, Kurzatmigkeit oder Erstickungsgefühl im flachen Liegen.
- Schwierigkeiten beim Schlucken des eigenen Speichels oder plötzlich auftretendes Lallen beim Sprechen.
Diagnose und Behandlung in der BHT CLINIC
Als BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi verfolgen wir einen multidisziplinären Ansatz bei der Behandlung von akuten und komplexen neurologischen Erkrankungen wie dem Guillain-Barré-Syndrom. Mit unserer 24/7-Notaufnahme und unseren voll ausgestatteten Intensivstationen reagieren wir sofort auf Fälle von plötzlich auftretender Muskelschwäche. Unsere Experten aus den Bereichen Neurologie, Kardiologie und Physiotherapie arbeiten von der Diagnose bis zum Ende des Genesungsprozesses koordiniert zusammen, um sicherzustellen, dass Sie Ihre Gesundheit auf dem sichersten Weg wiedererlangen. Mit unseren hochmodernen EMG-Laboren und unserem Fachpersonal sind wir an Ihrer Seite.
Wenn Sie Zweifel an Ihrer Gesundheit haben oder eine Meinung von unseren Fachärzten einholen möchten, können Sie ganz einfach über unsere Terminseite planen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Heilt das Guillain-Barré-Syndrom vollständig aus?
Ja, die große Mehrheit der GBS-Patienten (etwa 80 %) erholt sich im Laufe der Zeit vollständig oder fast vollständig. Der Heilungsprozess kann jedoch Monate oder sogar Jahre dauern, und bei einigen Patienten können dauerhafte Spuren wie ein leichtes Taubheitsgefühl oder Muskelschwäche zurückbleiben.
Ist Guillain-Barré ansteckend?
Nein, das Guillain-Barré-Syndrom ist keine ansteckende Krankheit. Es wird nicht von Mensch zu Mensch durch Kontakt, über die Atemwege oder das Blut übertragen. Dieser Zustand ist eine autoimmune Reaktion des eigenen Immunsystems.
Kann die GBS-Erkrankung wiederkehren?
Die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls beim Guillain-Barré-Syndrom ist sehr gering; nur bei 2 bis 5 Prozent der Patienten tritt die Krankheit erneut auf. Bei ständig wiederkehrenden Symptomen wird ein anderes neurologisches Krankheitsbild namens CIDP (Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie) in Betracht gezogen.
Was ist meist das erste Symptom der Krankheit?
Das charakteristischste erste Symptom der Krankheit ist ein symmetrisches (beidseitiges) Taubheitsgefühl, Kribbeln und Stechen, das in den Zehen und Knöcheln beginnt. Dieses Gefühl wird kurz darauf von einer Schwäche in den Beinen begleitet.
Ist Guillain-Barré eine genetische Erkrankung?
Nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen wurde keine direkte genetische (erbliche) Übertragung von GBS festgestellt. Die Krankheit entwickelt sich in der Regel erst, wenn Umweltfaktoren, insbesondere virale oder bakterielle Infektionen, das Immunsystem auslösen.
Dieser Artikel dient reinen Informationszwecken; für eine genaue Diagnose und Behandlung wenden Sie sich bitte stets an Ihren Arzt.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.
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