Pädiatrische Endokrinologie

Leitfaden für gesunde Ernährung und Bewegung im Ramadan

Dyt.Dila ABDİK9. März 20246 Min. Lesezeit
Leitfaden für gesunde Ernährung und Bewegung im Ramadan

Gesunde Ernährung im Ramadan bedeutet nicht nur körperliche Reinigung, sondern auch die Aufrechterhaltung des Stoffwechselgleichgewichts. Lange Stunden des Fastens und Durstens verändern direkt die Energieverbrauchs- und Speicherungsmechanismen des Körpers. Um diese Zeit fit zu überstehen, Verdauungsprobleme zu vermeiden und Muskelabbau vorzubeugen, ist es enorm wichtig, beim Sahur (der Mahlzeit vor der Morgendämmerung) sättigende Lebensmittel zu essen, beim Iftar (dem Fastenbrechen) auf die Portionsgrößen zu achten und zur richtigen Zeit Sport zu treiben.

Kurz gefasst
  • Das Sahur sollte niemals ausgelassen werden; der Fokus liegt auf Proteinen und Ballaststoffen.
  • Beim Iftar sollte das Fasten mit Wasser und Datteln gebrochen werden, gefolgt von 10-15 Minuten Pause vor der Hauptmahlzeit.
  • Zwischen Iftar und Sahur sollten mindestens 2 bis 2,5 Liter Wasser in kleinen Schlucken getrunken werden.
  • Statt schwerem Training sind leichte Spaziergänge 1,5 bis 2 Stunden nach dem Iftar zu bevorzugen.
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen, insbesondere Kinder und Jugendliche mit Diabetes, sollten nicht ohne ärztliche Zustimmung fasten.

Warum ist gesunde Ernährung im Ramadan so wichtig?

Beim Fasten bleibt der Körper etwa 14 bis 16 Stunden lang ohne Nahrung und Wasser. Während dieser langen Fastenzeit verlangsamt sich der Stoffwechsel, und der Körper schaltet in einen Schutzmodus, um Energie sparsam zu nutzen. Ein plötzliches und übermäßiges Essen zur Iftar-Zeit führt dazu, dass der verlangsamte Stoffwechsel diese Kalorien schnell als Fett speichert. Gleichzeitig verursacht hastiges Essen starke Blutzuckerschwankungen, was nach dem Iftar zu extremer Schläfrigkeit und Erschöpfung führt.

Um das metabolische Gleichgewicht zu halten, müssen Inhalt und Timing der Mahlzeiten strategisch geplant werden. Besonders für Personen, die zu Stoffwechselproblemen wie Insulinresistenz neigen, ist es unerlässlich, Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index zu wählen, die den Blutzucker nur langsam ansteigen lassen. Ein gesunder Ramadan ist nur möglich, wenn die Zeit vom Sahur bis zum Iftar entsprechend den Bedürfnissen Ihres Körpers gestaltet wird.

Was sollte man beim Sahur essen?

Sahur ist die wichtigste Mahlzeit des Tages zur Vorbereitung auf das Fasten. Nur Wasser zu trinken und wieder schlafen zu gehen oder gar nicht erst zum Sahur aufzustehen, führt tagsüber zu einem gefährlichen Abfall des Blutzuckers (Hypoglykämie), Muskelabbau und starken Kopfschmerzen. Das Hauptziel beim Sahur ist es, Lebensmittel zu wählen, die den Magen nicht belasten, aber lange verdaut werden, den Blutzucker ausgleichen und keinen Durst verursachen.

Ganz oben auf der Liste der sättigenden Lebensmittel für das Sahur stehen hochwertige Proteine. Eier sind nach Muttermilch die hochwertigste Proteinquelle und halten lange satt. Salzarmer Käse, Joghurt und Kefir sind ebenfalls reich an Proteinen und Kalzium. Als Kohlenhydratquelle sollten komplexe Kohlenhydrate wie Haferflocken, Vollkorn- oder Roggenbrot anstelle von Weißbrot oder Gebäck bevorzugt werden. Gesunde Fette (Walnüsse, rohe Mandeln, Avocado) verzögern die Magenentleerung und damit das Hungergefühl. Extrem salzige Oliven, verarbeitetes Fleisch wie Sucuk oder Würstchen sowie stark gewürzte Speisen sollten beim Sahur vermieden werden, da sie den Durst über den Tag hinweg enorm steigern.

Beispiel für ein gesundes Sahur-Menü

  • 1 gekochtes Ei oder ein fettarmes Gemüseomelett
  • 1 Scheibe salzarmer Weißkäse (Feta-Art) oder Hüttenkäse
  • 2 ganze Walnüsse oder 5-6 rohe Mandeln
  • Reichlich frisches Grünzeug (Petersilie, Dill, Gurke)
  • 1-2 Scheiben Vollkorn- oder Roggenbrot
  • 1 Portion frisches Obst oder 1 Glas Milch/Kefir

Wie behält man beim Iftar die Portionskontrolle?

Einen Magen, der den ganzen Tag geruht hat und geschrumpft ist, beim Iftar plötzlich zu überlasten, bereitet den Boden für Verdauungsbeschwerden wie Reflux, Gastritis, Völlegefühl und Blähungen. Der effektivste Weg zur Portionskontrolle beim Iftar ist, die Mahlzeit in zwei Hälften zu teilen. Nachdem das Fasten mit einem Glas lauwarmem Wasser und einer Dattel oder Olive gebrochen wurde, sollte eine Schale warme, cremefreie Suppe gegessen werden. Die Suppe deckt einen Teil des Flüssigkeitsbedarfs und bereitet den Magen auf die Hauptspeise vor. Nach der Suppe muss unbedingt eine Pause von 10 bis 15 Minuten eingelegt werden.

Diese kurze Pause gibt dem Gehirn Zeit, Sättigungssignale zu empfangen, und verhindert, dass Sie bei der Hauptmahlzeit über die Stränge schlagen. Bei der Hauptmahlzeit sollte das "Tellermodell" angewendet werden: Füllen Sie die Hälfte Ihres Tellers mit in Olivenöl zubereitetem Gemüse oder frischem Salat, ein Viertel mit Proteinquellen wie gegrilltem/gekochtem Fleisch, Hähnchen, Fisch oder Hülsenfrüchten und das restliche Viertel mit komplexen Kohlenhydraten wie Bulgur, Naturreis oder Vollkornnudeln. Langsames Essen und gründliches Kauen unterstützen die Verdauungsenzyme bei ihrer Arbeit.

Beispiel für ein gesundes Iftar-Menü

  • Fastenbrechen: 1 Glas Wasser und 1 Dattel
  • Vorspeise: 1 Schale Gemüse-, Linsen- oder Ezogelin-Suppe (15 Minuten Pause)
  • Hauptgericht: 1 Portion (150-200 g) gegrilltes Hähnchen, gebackener Fisch oder ein Gemüsegericht mit Fleisch
  • Kohlenhydrate: 4-5 Esslöffel Bulgur oder 1 Scheibe Vollkorn-Pide (Fladenbrot)
  • Beilage: Ein großer Salat mit viel Blattgrün und 1 Teelöffel Olivenöl
  • Snack (2 Stunden nach dem Iftar): 1 Portion Obst oder 1 Schale leichtes Milchdessert

Flüssigkeitsaufnahme und Wasserbedarf im Ramadan

Eines der am meisten vernachlässigten Themen im Ramadan ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Der tägliche Wasserbedarf des Körpers liegt bei durchschnittlich 2 bis 2,5 Litern. Anstatt diese Menge in der knappen Zeit zwischen Iftar und Sahur auf einmal zu trinken, sorgt ein schluckweises Trinken über die Stunden verteilt dafür, dass die Nieren das Wasser effizienter nutzen können. Starker türkischer Tee und Kaffee direkt nach dem Iftar wirken harntreibend und beschleunigen den Wasserverlust. Daher sollte der Konsum von Tee und Kaffee eingeschränkt werden; für jede getrunkene Tasse Kaffee sollte ein extra Glas Wasser getrunken werden. Um die über den Tag verlorenen Mineralien zu ersetzen, unterstützt eine Flasche stilles Mineralwasser (ohne Fruchtgeschmack oder Zucker) nach dem Iftar den Elektrolythaushalt.

Wann sollte man im Ramadan Sport treiben?

Körperliche Aktivität im Ramadan komplett einzustellen, führt zu Muskelabbau und einer weiteren Verlangsamung des Stoffwechsels. Das Timing und die Intensität des Trainings müssen jedoch sehr sorgfältig gewählt werden. Für diejenigen, die während des Fastens trainieren möchten, ist die beste Zeit 1 bis 2 Stunden vor dem Iftar. Da die Glykogenspeicher zu diesem Zeitpunkt leer sind, kann der Körper direkt auf die Fettverbrennung zurückgreifen. Dieses Training sollte jedoch strikt auf dem Niveau von leichtem Gehen, Yoga oder Dehnübungen bleiben. Schweres Gewichtheben oder hochintensives Intervalltraining (HIIT) während des Fastens kann durch übermäßiges Schwitzen zu Flüssigkeits- und Mineralstoffverlusten, Blutdruckabfall und Ohnmacht führen.

Die sicherste und idealste Zeit für Sport ist 1,5 bis 2 Stunden nach dem Iftar. In dieser Zeit ist die Verdauung größtenteils abgeschlossen, der Blutzucker hat sich stabilisiert und der Flüssigkeitsbedarf des Körpers wird wieder gedeckt. Ein 45-minütiger flotter Spaziergang oder ein moderates Krafttraining nach dem Iftar erhält die Muskelmasse, kurbelt den verlangsamten Stoffwechsel an und hilft so bei der Gewichtskontrolle.

Kinder, Jugendliche und das Fasten

Kinder und Jugendliche, die an der spirituellen Atmosphäre des Ramadan teilhaben möchten, sind oft sehr motiviert zu fasten. Der Stoffwechsel von Kindern im Wachstums- und Entwicklungsalter funktioniert jedoch ganz anders als der von Erwachsenen. Während der Pubertät, in der hormonelle Veränderungen intensiv sind, kann längeres Hungern die Ausschüttung von Wachstumshormonen und das Blutzuckergleichgewicht beeinträchtigen.

Besonders für Kinder mit Stoffwechselproblemen wie Typ-1-Diabetes, Adipositas, Schilddrüsenerkrankungen oder Insulinresistenz birgt langes Fasten und Dursten ernsthafte Gesundheitsrisiken. In der Abteilung für Kinderendokrinologie des BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi werden Diagnose und Behandlung hormoneller Probleme bei Kindern – wie Wachstumsverzögerungen, Diabetes, Adipositas, Schilddrüsenerkrankungen und vorzeitige Pubertät – mit modernsten medizinischen Ansätzen durchgeführt. Kinder mit chronischen Erkrankungen oder dem Risiko einer Wachstumsverzögerung müssen vor dem Fasten unbedingt von einem Facharzt für Kinderendokrinologie untersucht werden und dessen ärztliche Zustimmung einholen.

Das Immunsystem unterstützen

Da der Ramadan oft in die Jahreszeitenübergänge fällt, kann dies das Immunsystem schwächen. Veränderungen im Schlafrhythmus, eine reduzierte Anzahl von Mahlzeiten und Flüssigkeitsverlust können die Abwehrkräfte des Körpers verringern. Zu den wichtigsten Wegen, Ihr Immunsystem bei Jahreszeitenwechseln zu stärken, gehört der Verzehr von vitamin- und mineralstoffreichem frischem Obst und Gemüse beim Sahur und Iftar. Probiotische Quellen wie Joghurt, Kefir und hausgemachtes Eingelegtes (wie traditionelles türkisches Turşu) unterstützen die Darmflora und halten das Immunsystem intakt. Zudem ist ein qualitativ hochwertiger Schlaf nach dem Sahur unerlässlich, damit sich der Körper regenerieren kann.

Ernährungs- und Gesundheitsüberwachung in der BHT CLINIC

Die Abteilung für Ernährung und Diätetik des BHT CLINIC İstanbul Tema Hastanesi erstellt individuelle Ernährungspläne für Personen, die den Ramadan gesund, fit und ohne Gewichtszunahme verbringen möchten. Durch eine Körperanalyse werden Ihre Muskel-, Fett- und Wasseranteile ermittelt; passend zu Ihrem Alter, Geschlecht und bestehenden Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck usw.) werden Sahur- und Iftar-Menüs geplant. Bei Notfällen während des Fastens, die sofortiges medizinisches Eingreifen erfordern – wie schwerer Flüssigkeitsverlust, plötzlicher Blutdruck- oder Blutzuckerabfall –, steht Ihnen unsere rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme (7/24) mit ihrem erfahrenen Team zur Seite. Bitte zögern Sie in lebensbedrohlichen Situationen nicht, den Notruf 112 zu wählen. Sie können einen Termin vereinbaren und mit unseren Fachärzten sprechen, um einen Ramadan voller gesunder Ernährungsgewohnheiten zu erleben und Ihre chronischen Erkrankungen überwachen zu lassen.

Häufig gestellte Fragen

Darf man während des Fastens Sport treiben?

Ja, aber die Intensität des Trainings sollte niedrig gehalten werden. Ein bis zwei Stunden vor dem Iftar können leichte Spaziergänge oder Dehnübungen durchgeführt werden. Schweres Krafttraining und hochintensives Ausdauertraining können aufgrund des Risikos von extremem Flüssigkeitsverlust und Unterzuckerung gefährlich sein.

Wie lange nach dem Iftar sollte man spazieren gehen?

Um den Magen nicht zu belasten und der Verdauung Zeit zu geben, sollte man frühestens 1,5 bis 2 Stunden nach dem Iftar spazieren gehen. In dieser Zeit stabilisiert sich der Blutzucker, der Magen beruhigt sich und der Körper hat die nötige Energie für Bewegung gesammelt.

Ist es schädlich, beim Sahur nur Wasser zu trinken und wieder schlafen zu gehen?

Nur mit Wasser zu fasten, führt tagsüber zu einem schnellen Abfall des Blutzuckers, Muskelabbau, Erschöpfung und starken Kopfschmerzen. Für einen gesunden Stoffwechsel muss unbedingt eine ausgewogene Sahur-Mahlzeit mit Proteinen und komplexen Kohlenhydraten eingenommen werden.

Wann sollte man beim Iftar Süßigkeiten essen?

Anstelle von in Sirup getränkten, fettigen und schweren Desserts sollten Milchdesserts oder frisches Obst der Saison bevorzugt werden. Süßigkeiten sollten nicht direkt nach dem Iftar gegessen werden, sondern etwa 1,5 bis 2 Stunden nach der Hauptmahlzeit als leichter Snack.

Was muss ich tun, um im Ramadan nicht zuzunehmen?

Zur Gewichtskontrolle ist es wichtig, beim Iftar auf die Portionsgrößen zu achten, langsam zu essen, beim Sahur auf Gebäck zu verzichten und nach dem Iftar unbedingt leichte Bewegung in den Alltag einzubauen. Zudem ist eine ausreichende Wasseraufnahme zwischen Iftar und Sahur für die Funktion des Stoffwechsels unerlässlich.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken; bitte konsultieren Sie für Diagnose und Behandlung unbedingt Ihren Arzt.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Beschwerden anhalten

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Halten Ihre Beschwerden an, vereinbaren Sie bitte einen Termin in der zuständigen Abteilung.

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